Sozial- und Bildungsmanagement

Normen und Werte: Unklarheit statt Transparenz

Die markantesten Normen und Werte der hochtechnisierten abendländischen Moderne sind ihr hohes wissenschaftliches und technisches Niveau. Doch die Entwicklungen, die zu diesem hohen Standard führten, können nicht grenzenlos weitergeführt werden. Der damit verbundene Wunsch, die Welt durch wachsendes Wissen in ein geordnetes Verhältnis zu bringen, hat jedoch Folgen mit sich gebracht, die heute eher Unordnung repräsentieren. Die Existenz scheint zunehmend unüberschaubarer zu werden: Klimakatastrophe, Probleme der Müll- und Atommüllentsorgung und so weiter sind beispielhaft hierfür.

Durch die negativen Folgen der technischen Entwicklung erlebt der westliche Mensch statt der Transparenz, der Durchschaubarkeit seiner Existenz, die Herrschaft totaler Lebens- und Seins–Unterworfenheit. Der Mensch in der Moderne macht zunehmend die Erfahrung, dass sein Dasein experimentell und hypothetisch ist. Er lebt in der von Soziologen formulierten Krise der Moderne.

Normen und Werte – zunehmende Orientierungslosigkeit
Nicht nur die Moderne als Phänomen der Geschichte oder Soziologie steht vor notwendigen Veränderungen. Vor allem die Individuen, die Menschen innerhalb dieses Systems, sehen sich isoliert von diesem System, vor Entscheidungsnotwendigkeiten.

Im Laufe der Entwicklung wurde die vormals traditionell übernommene christliche Religionsform vielfach vom Glauben an die Moderne abgelöst. Diese Fortschrittsgläubigkeit scheint nun ebenfalls keine Stabilität mehr zu bieten. Dies erscheint als Hintergrund, weshalb für viele Menschen eine Orientierungslosigkeit entstehen kann. Diese Situation kann nur durch die bewusste Wahl eines Werte- und Normensystems behoben werden.

"Die Krise, in die dieses Projekt (der Moderne) geraten ist, spiegelt aber nur die Erosion der auf dem Boden der Aufklärung gewachsenen Ideologie und des sie nährenden und inspirierenden Glauben an den endzeitlichen Erfüllung verheißenden Fortschritt, der eigentlichen Religion der Moderne. Es handelt sich letztlich um den Zusammenbruch einer säkularen, wenn auch quasi-religiösen Hoffnung, denn die tiefste Dimension der Krise der Moderne ist eine religiöse Krise, die Krise eines Glaubens"[1].

Was sind die Werte der deutschen Gesellschaft?
Soziologisch betrachtet geht die Entwicklungsgeschichte des Abendlandes auf das Christentum zurück. Das Christentum setzte dabei Maßstäbe hinsichtlich des sozialen Miteinanders, die dem Individuum viel Handlungsspielraum ließ. Die Aufklärung mit ihrem Vernunftideal übersetzte diese vorgegebenen Maßstäbe in vernunftorientierte Vorstellungen.

Dies öffnete den Weg in die Industrialisierung mit ihren quasi-religiösen Strukturen. In der Krise der Moderne scheinen sich die Menschen heute in einer scheinbar orientierungslosen Phase zu befinden, die dringend eine neue Orientierung notwendig macht.

Über einige Jahrzehnte bestimmte die Existenz des Sozialismus und die Angst hiervor das soziologische Denken und Handeln. Hierdurch wurde das Problem der Postmoderne überlagert, so dass es nicht zu einer Werte- und Normendiskussion kommen konnte. Nach dem Zerfall des Sozialismus bietet der hiernach entwickelte Fokus auf den Islam die Möglichkeit, sich mit Werten und Normen auseinander zu setzen.

Vor allem die Auseinandersetzung mit einer anderen Religionsform könnte dazu beitragen, Normen und Werte jenseits einer Religionsform zu formulieren. Die Pluralität in der deutschen Gesellschaft, auch die religiöse Pluralität, scheint es dabei notwendig zu machen, auf die Betonung des Christentums für die gegenwärtigen sozialen Strukturen, für die Zukunft zu verzichten.

[1] Rohrmoser, G.: Religion und Politik in der Krise der Moderne, Graz u. a. 1989, S. 12

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Dieser Artikel wurde noch nicht bewertet!
Please wait...

Über Ihren Experten

Dr. Britta Kanacher