Sozial- und Bildungsmanagement

Normen und Werte: Deutschland braucht eine Wertediskussion

Normen und Werte: Vor allem hinsichtlich des gesellschaftlich notwendigen Integrationsprozesses, der auch den Islam als bleibende Größe in Deutschland integrieren sollte, muss sich die Zivilgesellschaft ihrer Wertorientierungen klar werden.

Normen und Werte in Deutschland
Gründet sich das gegenwärtige Deutschland wirklich vornehmlich auf christliche Normen und Werte, wie es die Kirchen und manche christlichen Politiker immer wieder betonen? Welche Werte und Normen sind für jene Menschen wichtig, die sich als nicht religiös bezeichnen und dennoch in Deutschland leben?

Das moderne Deutschland ist ein Land der Vielfalt, ein pluralistisches Land. Nur noch rund 60 Prozent der rund 82 Millionen Deutschen gehören der katholischen oder evangelischen Kirche (Kath. 30,5% stand 2009, Ev. 29,9% stand 2008) an. 34,1% der Bundesbevölkerung sind konfessionslos (stand 2009).

Welche Wertigkeit hat das Christentum für die heutige Zeit?
Welchen Wert haben die Aufklärung, der Humanismus, die Industrialisierung oder die Menschenrechte? All diese Fragen werden zwar immer wieder aufgeworfen aber sie wurden lange nicht mehr wirklich diskutiert.

Durch die Existenz des Islam in Deutschland rückt jedoch die Notwendigkeit einer Wertediskussion mehr und mehr ins Zentrum. Nachdem das Kopftuchverbot in Baden-Württemberg beschlossen wurde, sagte die damalige Kultusministerin des Landes, Frau Annette Schavan:

"Wir dürfen kein geistiges Vakuum entstehen lassen, das unsere Gesellschaft orientierungslos werden lässt. Wir müssen zu unseren kulturellen und religiösen Traditionen stehen, die Eingang in unsere Verfassung gefunden haben."

Es stellt sich die Frage, ob jenes Kopftuchverbot nicht gerade ein geistiges Vakuum symbolisiert, welches von manchem Soziologen für die derzeitige Gesellschaft bereits diagnostiziert wird?

Wie definiert man eine Gesellschaft in Deutschland mit Ihren Normen und Werten?
Wie kann sich die moderne und global ausgerichtete Gesellschaft in Deutschland mit ihren Normen und Werten definieren und dabei allen ihren Bewohnern (auch den Andersgläubigen) gerecht werden? Welche Werte und Normen machen eine multikulturelle Gesellschaft für alle akzeptabel, damit sie als stabiles soziales Gefüge bestehen und sich den modernen Bedingungen entsprechend entwickeln kann?

Diese Fragen sollten offen und auf breiter gesellschaftlicher Basis diskutiert werden. Die Ergebnisse einer solchen offenen Wertediskussion könnten die Grundlage für ein toleranteres Miteinander sein. Dies würde auch die Haltung von Muslimen, die leider allzu oft glauben, sich gegen eine (christliche) Vereinnahmung erwehren zu müssen, gegenüber der Moderne und der sie umgebenden Umwelt befrieden.

Es sollte deutlich werden, dass sich mit den gegenwärtig gelebten Werten und Normen nicht automatisch und ausschließlich das Christentum verbindet. Vernunftorientierung, Demokratie und Humanismus sind nicht vornehmlich christliche Wertorientierungen. Gleichzeitig sollte eine vom Christentum unabhängige Wertediskussion nicht automatisch Zügellosigkeit und Egoismus gleichgesetzt werden.

Nicht nur gegenüber Muslimen, sondern auch hinsichtlich anderer Kulturen, sollte deutlich werden, dass die westlich-moderne Lebensweise ebenfalls sinn- und werteorientiert ist. Die Hintergründe der westlich-modernen Lebensweise sollten transparenter werden. Dabei sollten die Werte und Normen vor allem religionsneutral begründet werden. Dies, um einer christlichen Dominanz entgegen zu wirken.

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Dr. Britta Kanacher