Sozial- und Bildungsmanagement

Normen und Werte: Aufklärung und Moderne

Die Normen und Werte in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahrhunderten ständig und nachhaltig verändert. Diese Entwicklungen waren sehr rasant und nun gilt es, wieder zu einem Gleichgewicht zu finden.

Mit der Zeit der Aufklärung und ihren gesellschaftlichen Zielen begann ein Prozess der Trennung unterschiedlicher gesellschaftliche Ebenen. Diesen Ebenen wurden jeweils eigene Normen und Werte zugeordnet. Der vormals bestehende allumfassende Anspruch der christlichen Religionsform wurde aufgehoben.

Dies ermöglichte das Einführen unterschiedlicher Normen- und Werteorientierungen. In diesem Zusammenhang sind z. B. die Vernunft, die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit, marktwirtschaftliche Überlegungen und so weiter, zu nennen.

Normen und Werte im Wandel der Zeiten
Normen und Werte gelten in unserer Gesellschaft für jeweils spezifische Wirkungsbereiche – so z. B. für die eigene Persönlichkeit, soziale Strukturen, die Arbeitswelt oder die Gesellschaft. Die Entwicklung des Abendlandes ging nach der Aufklärung sehr rasant voran, und die Menschen konnten lange an den Fortschritt als Motor der Veränderungen glauben.

Dabei wurden wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Zustände immer mehr dem Bedürfnis nach Individualisierung angepasst. Hierdurch hat sich die westliche Kultur mit ihren Normen und Werten durch ihre sozialen Veränderungen von ihrem geistigen Mutterboden, dem Christentum, allmählich aber stetig gelöst.

Veränderungen der Normen und Werte durch die sozialen Auswirkungen der Moderne
Gegenwärtig leben wir in einer Zeit, die von Soziologen häufig als "Postmoderne" bezeichnet wird. Wenn

  • Georg Simmel[1] in seinem Werk das Zurückbleiben der Kultur der Menschen hinter der gesteigerten Kultur der Dinge kritisiert, oder wenn
  • Karl Mannheim[2] in seinen Überlegungen die ins unermessliche wachsende Gesellschaftsorganisation beschreibt und dabei offen legt, dass der Mensch in der Masse seiner Freiheit beraubt wird oder wenn
  • Freyer[3] davon spricht, dass die Menschen mehr gelebt werden statt selbst zu leben,

dann beschäftigen sich diese Wissenschaftler mit ein und demselben Problemkreis. Sie untersuchen und bewerten die sozialen Auswirkungen der Moderne.

Es ist ganz gleich, welcher große soziologische Zeitdiagnostiker gewählt wird, ob Riesman, Marcuse, Schelsky, Habermas oder Bloom, das von ihnen beobachtete Problemfeld ist letztlich derselbe. Dies natürlich aus unterschiedlicher Perspektive und hinsichtlich unterschiedlicher Schwerpunkte.

Der Mensch in der westlichen, zivilisierten Welt lebt in einer modernen Umwelt und diese bestimmt sein Leben. Dabei ergeben sich auch Rückkopplungen auf den Menschen und auf das soziale Miteinander. Diese Veränderungen führen nach Einschätzung vieler Wissenschaftler zunehmend zu Desorientierung bis hin zur Orientierungslosigkeit.

Als Frau Schavan formulierte: "Wir dürfen kein geistiges Vakuum entstehen lassen, das unsere Gesellschaft orientierungslos werden lässt." übersah sie, dass Soziologen ein solches Vakuum schon längst als gegeben annehmen. Statt einer Transparenz der Normen und Werte herrscht zurzeit vor allem Unklarheit diesbezüglich.

Quellennachweis: [1] Simmel, G.: Der Konflikt der Moderne. Ein Vortrag. München, Leipzig 1981, [2] Mannheim, K.: Diagnose unserer Zeit. Gedanken eines Soziologen, Zürich, Wien, Konstanz, 1951, [3] Freyer, H.: Theorie des gegenwärtigen Zeitalters, Stuttgart 1955

PS: Qualitätsmanagement ist uns wichtig!

Bitte teilen Sie uns mit, wie Ihnen unser Beitrag gefällt. Klicken Sie hierzu auf die unten abgebildeten Sternchen (5 Sternchen = sehr gut):

Dieser Artikel wurde noch nicht bewertet!
Please wait...

Über Ihren Experten

Dr. Britta Kanacher