Sozial- und Bildungsmanagement

Muslime verstehen: Die religiöse Gemeinschaft

Muslime verstehen bedeutet, ein Verständnis für die Umma als religiöse Gemeinschaft aller Muslime zu entwickeln. Ebenso wie beim Christentum erscheinen auch im Islam zwei Aspekte des Glaubens von besonderer Bedeutung: 1. das Verhältnis des Gläubigen zu Gott und seiner Gemeinschaft, 2. das Verhältnis von Staat und Religion.

Immer wieder wird in der westlichen Welt darauf hingewiesen, dass im Islam eine Trennung von Staat und Religionsform nicht vorgesehen ist. In seinem Selbstverständnis sieht sich der Islam als Weltreligion, die nicht zwischen profaner und sakraler Lebenswelt trennt. Dabei bezieht sich der Islam auf die Umma, als religiöser Gemeinschaft.

Muslime verstehen: Die Umma anerkennen
Im Islam versteht sich das Individuum als Teil der religiösen Gemeinschaft, der Umma. Eine Existenz außerhalb der Umma erscheint als undenkbar. Wer als Mitglied der Umma gilt, kann diese Gemeinschaft nicht mehr verlassen. So schreibt Frau Spuler-Stegemann[1]: "Vom Islam abzufallen ist die einzige Sünde, die Gott niemals verzeiht."

Das Verständnis von Identität eines Menschen orientiert sich innerhalb des Islams in erster Linie an der Ein- und Unterordnung in die Gemeinschaft der Umma. Diese Gemeinschaft soll dabei als menschliches Sozialgebilde, dem gelebten Koran in idealtypischer Weise entsprechen.

Basam Tibi, ein Islamwissenschaftler, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, brachte diesen Zusammenhang in folgende Worte: "In dem Kulturraum, aus dem ich komme, wird die Logik nicht nach Descartes definiert; sie ist also nicht cartesanisch. In meiner Kindheit und als Schüler in Damaskus wurde mir vielmehr beigebracht, meine Gruppenzugehörigkeit in den Vordergrund zu stellen: "Ich bin muslimischer Araber, also bin ich."

Für die dominierenden arabischen Kulturmuster ist der Begriff des Individuums als Subjekt fremd. Erst in Europa habe ich gelernt, mich als ein freies Individuum zu begreifen und entsprechend als autonomes Subjekt zu denken."[2]

Muslime nehmen sich selbst, wie Basam Tibi, als Teil der Gemeinschaft der Muslime wahr und müssen wie dieser, im Kontext der Moderne erst lernen, sich selbst als freies Individuum und autonomes Subjekt zu begreifen.

[1] Spuler-Stegemann, U.: Muslime in Deutschland, 1998, S. 285,
[2] Tibi, B.: Die fundamentalistische Herausforderung. Der Islam und die Weltpolitik, 1993, S. 12

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