So erwerben Sie interkulturelle Kompetenzen im Unterricht

Interkulturelle Kompetenz zu haben bedeutet mit allen Kulturen umgehen zu können.

Warum finden wir manche Schüler oder Kursteilnehmer einfach „schwierig“? Welches Rüstzeug brauchen Sie, um in heiklen Unterrichtssituationen den Ball flach zu halten, den Respekt vor Andersartigkeit zu bewahren und HerrIn der Lage zu bleiben? So erwerben Sie interkulturelle Kompetenzen im Unterricht.

Mit anderen Kulturen umgehen lernen

Es gibt Unterrichtssituationen, in denen Unterrichtende mit "fremdartigen" Verhaltensweisen oder Wertesystemen (Kulturen) seitens der Schüler/Kursteilnehmer konfrontiert werden. Solche Situationen sind oftmals nur auf den zweiten Blick aufzulösen: Der Umweg über eine gezielte Wahrnehmungsschulung hin zu einem zunächst nicht wertenden Umgang mit andersartigem Verhalten ist lernbar.

Versuchen Sie auch in emotional herausfordernden Situationen das andere im Anderen zu akzeptieren, ohne es verstehen oder womöglich gut finden zu müssen. Überarbeiten Sie Ihre Definition von gegenseitigem Respekt – wo er anfängt und wo er aufhört, finden Sie heraus, wo Eigenpositionierung sinnvoll ist, und wo nicht.

Wenn Sie mit diesem Frühwarnsystem unterwegs sind, wird es Ihnen auch dauerhaft gelingen, konfliktträchtige Situationen zu entschärfen. Provokationen werden verpuffen, Konfliktsituationen werden im Unterricht weniger Raum gegeben, Grenzen können klarer abgesteckt werden.

Versuchen Sie sich anzunähern

Die Andersartigkeit von Menschen ist universell. Es erstaunt dabei nicht, dass die Andersartigkeit zunimmt, je entfernter Menschen von unserem eigenen Kulturkreis leben oder ehemals lebten.

Was für das Unterrichtsgeschehen zunächst verlockend und spannend sein kann, kann sich schnell zum Hindernis im Kursgeschehen entwickeln, wenn Teilbereiche der kulturellen Identität von Schülern oder Kursteilnehmern (z.B. Leistungsbereitschaft, Bedeutung von Zeit, Männer- und Frauenbild) eine Eigendynamik entwickeln, die der Unterrichtende, wenn er zu spät reagiert, nur noch schlecht in den Griff bekommt.

Um dem gegenzusteuern, macht es Sinn, sich Begriffen wie Identität, verinnerlichte Programme, kulturelle Filter, Vorurteilen und Stereotypen zu nähern, und einen Perspektivwechsel zu versuchen.

Anstatt Kopf schüttelnd auf die antriebslose, verschleierte Muslimin und den machohaft wirkenden Iraner zu schauen, die "natürlich" beide ihre Hausaufgaben nicht erledigen, wäre ein neuer – nicht wertender – Blick auf diese Kursteilnehmer ohne unsere üblichen "Lehrbuch"-Erwartungen die einzige Einflugschneise, um sich gegenseitig zu nähern.

Veröffentlicht am 17. August 2012