Sozial- und Bildungsmanagement

Mehr als Integration: Fördern Sie Inklusion an Ihrer Schule

Mehr als Integration: Fördern Sie Inklusion an Ihrer Schule
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Üben auch Sie Kritik am gängigen Konzept der Integration? Im Bildungsbereich wird vermehrt der Ansatz der Inklusion verfolgt. Dieser bezieht sich meist auf die Inklusion von Kindern mit Behinderung in das normale Schulsystem. Inklusion sollte jedoch weiter gehen. Wie können Sie einen Beitrag leisten?

Schon länger wird gefordert, dass die pädagogischen Ansätze der Bildungseinrichtungen den Gegebenheiten einer pluralistischen und globalen Gesellschaft in Deutschland angepasst werden.

Bereits heute hat fast jeder fünfte eine Zuwanderungsgeschichte
Wer in einer Großstadt wohnt kennt das: Schulklassen in denen bis zu elf oder mehr verschiedene Nationen vertreten sind. Geht man nach Berlin, so finden sich dort gar viele Klassen, in welchen deutsche Schüler in der Minderheit sind.

Glaubt man den Statistikern, so werden bis etwa 2020 oder 2025 fast die Hälfte aller Kinder, die dann einen Kindergarten besuchen, Zuwanderungsgeschichte haben. Diese Statistik bezieht sich auf Städte ab 100 000 Einwohner. Für die Hälfte der Kinder zukünftiger Generationen wird die deutsche Sprache zwar einerseits selbstverständlich sein, andererseits werden sie vielleicht eine andere Muttersprache aufweisen.

Für ein offenes Verhältnis zur Vielfalt eintreten
Auch wenn die Kinder eine andere Muttersprache gelernt haben, sollten sie das Gefühl entwickeln können, dass sie ganz selbstverständlich zur deutschen Gesellschaft dazugehören. Dies mit allen Facetten ihres Daseins. Nur Kinder, die das Gefühl haben, in der Gesellschaft, in der sie leben, anerkannt zu sein, werden eine stabile Identität bilden können und sich später auch für diese Gesellschaft einsetzen.

Nur wenn Menschen unwiderruflich zur Gesellschaft dazu gehören und dies auch so empfinden, werden sie sich dafür einsetzen. Dieses Gefühl schließt die Anerkennung der eigenen Muttersprache mit ein. In diesem Sinne solle Zweisprachigkeit als Kompetenz gewertet und von den Schulen solche anerkannt werden. Solange dies noch nicht umfassend geschieht, sind Sie als Lehrkräfte gefordert.

Nur wer seine Muttersprache beherrscht, kann eine weitere erlernen
Viele wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die deutsche Sprache dann sehr gut gelernt wird, wenn die Muttersprache fest verankert ist. Wenn die Kinder ihre eigene Muttersprache sehr gut beherrschen, werden sie mit dem Erlernen einer weiteren Sprache wenige Probleme haben. Es erscheint also kontraproduktiv, die Eltern dazu anzuhalten, mit ihrem Kind Deutsch zu sprechen.

Sollten Sie dies bislang auch von Eltern Ihrer Schülerinnen und Schüler gefordert haben, so sollten Sie dies in Zukunft nicht mehr tun. Das meist eher schlechte Sprachvermögen der Eltern wird so auf die Kinder übertragen. Es schadet nicht, wenn die Kinder mit ihren Eltern in der Muttersprache sprechen! Dies festigt ihre Muttersprache und ermöglicht ihnen den Spracherwerb der deutschen Sprache.

Muttersprache unterstützen
Unterstützen Sie die Kinder im Erwerb ihrer Muttersprache und motivieren Sie die Eltern, zuhause in der Muttersprache zu sprechen. Das Kind sollte jedoch viel Kontakt zu deutschen Kindern haben und in den Kindergarten gehen. Dort, wo Ihnen vielleicht auffällt, dass ein Geschwisterkind nicht den Kindergarten besucht, sollten Sie mit den entsprechenden Eltern sprechen. Motivieren Sie sie dazu, das Kind in den Kindergarten zu geben. So kann es nahezu spielend Deutsch lernen. Am besten dann, wenn die Eltern weiterhin mit ihm in der Muttersprache sprechen.

Über Ihren Experten

Dr. Britta Kanacher

Leave a Comment