Sozial- und Bildungsmanagement

Kulturdimensionen und Kulturstandards: Soziale Bindungskonzepte

Kulturdimensionen und Kulturstandards: Soziale Bindungskonzepte
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Kulturdimensionen und Kulturstandards unterscheiden sich in verschiedenen Aspekten. Im Folgenden wird die Kulturdimension der individuell oder kollektiv orientierten Bindungskonzepte näher dargestellt.

Die Kulturdimension soziale Bindungskonzepte: Individuelle und kollektive Orientierung
"Von Individualismus lässt sich sprechen in einer Gesellschaft in der die sozialen Bindungen zwischen Individuen locker sind: von jedem wird erwartet, dass er sich um sich selbst und seine eigene, unmittelbare Familie kümmert.

Kollektivismus hingegen bezieht sich auf Gesellschaften, in denen die Menschen von Geburt an integriert sind in starke zusammenhaltende Gruppen, die ihnen das ganze Leben lang Schutz für ihre außer Frage stehende Loyalität gewähren" (1).

Die Kulturdimension soziale Bindungskonzepte: Individuelle Orientierung
Individuelle Orientierung bedeutet:

  • Jeder Mensch wächst heran, um ausschließlich für sich selbst und seine direkte (Kern-)Familie zu sorgen.
  • Die Identität ist im Individuum begründet.
  • Seine Meinung zu äußern ist Kennzeichen eines aufrichtigen Menschen.
  • Selbstverwirklichung eines jeden Individuums stellt eines der höchsten Ziele dar
  • Schwacher Kontext mit Informationsnetzen von geringer Dichte.
  • Übertretungen führen zu Schuldgefühl und Verlust an Selbstachtung.
  • Ziel der Erziehung: Wie lernt man etwas?
  • Kinder lernen in "Ich"-Begriffen zu denken.
  • Aufgabe hat Vorrang vor Beziehung.
  • Individuelle Interessen dominieren vor kollektiven.
  • Jeder hat ein Recht auf Privatsphäre.
  • Man erwartet von jedem eine eigene Meinung.

Die Kulturdimension soziale Bindungskonzepte: Kollektive Orientierung
Kollektive Orientierung bedeutet:

  • Die Menschen werden in Großfamilien oder anderen Wir-Gruppen hinein geboren, die sie weiterhin schützen und im Gegenzug Loyalität erhalten.
  • Die Identität ist im sozialen Netzwerk begründet, dem man angehört.
  • Kinder lernen in "Wir"-Begriffen zu denken.
  • Man sollte immer Harmonie bewahren und direkte Auseinandersetzungen vermeiden.
  • Starker Kontext mit ungehindertem Informationsfluss (hohe Dichte).
  • Übertretungen führen zu Beschämung und Gesichtsverlust für einen selbst und die Gruppe.
  • Ziel der Erziehung: Wie macht man etwas?
  • Beziehung hat Vorrang vor Ausgabe.
  • Kollektive Interessen dominieren vor individuellen.
  • Das Privatleben wird von der Gruppe bzw. von Gruppen bestimmt.
  • Meinungen werden durch die Gruppenzugehörigkeit bestimmt.
  • Harmonie und Konsens in der Gesellschaft stellen höchste Ziele dar

(1) Losche, H. Interkulturelle Kommunikation, München 2000, S. 28

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Dr. Britta Kanacher

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