Sozial- und Bildungsmanagement

Islam und Demokratie: Umma als demokratisches Urprinzip

Islam und Demokratie: Umma als demokratisches Urprinzip
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Islam und Demokratie sind nicht zwingend gegensätzlich. Dies belegen Betrachtungen der Umma, die als demokratisches Urprinzip gewertet werden kann. Dennoch wird der Islam oft als „gegen-“ oder prinzipiell „undemokratisch“ dargestellt.

Im Islam erscheint das Verhältnis von Staat und Religionsform recht eindeutig geregelt: Eine Einheit von Staat und Islam steht für ein vollkommenes Staatssystem. Dennoch gab es auch innerhalb der historischen Entwicklung des Islam immer wieder Bestrebungen, diese Einheit aufzulösen.

Nach Mohammeds Tod wurde das Amt des Kalifen geschaffen. Dieses Amt übertrug dem Kalifen die Aufgabe, die islamische Gemeinde so zu regieren, dass die von Mohammed geschaffene Ordnung der religiösen Gemeinschaft erhalten blieb.

Islam und Demokratie: Die Gemeinschaft soll entscheiden
Mohammed verzichtete bewusst auf die Einführung von Priesterschaft oder Sakramenten. Jeder Gläubige sollte sich ausschließlich an den sogenannten fünf Pfeilern des Islam orientieren. Diese sind das Glaubensbekenntnis, die Aufforderung fünfmal täglich zu beten, den Ramadan als Fastenzeit einzuhalten, einmal im Leben eine heilige Reise nach Mekka durchzuführen und den Armen Almosen zu geben.

Durch diesen Bewussten Ausschluss von Sakramenten und Priesterschaft erhielt die religiöse Gemeinschaft, die Umma, ihre besondere Bedeutung. Die Umma sollte einerseits als oberste Instanz dem Einzelnen sein individuelles Heil ermöglichen und gleichzeitig die "beste Gemeinschaft", auch im politischen Sinn, darstellen.

Mohammed vertrat hinsichtlich der Umma im Prinzip eine sehr demokratische Grundüberzeugung. Er ging davon aus, dass die Mehrheit der Umma-Gemeinschaft keine Fehlentscheidungen treffen könne. Aus diesem Grund ernannte er keinen Führer. In allen Belangen sollte immer die Gemeinschaft entscheiden. Dies kann eigentlich als sehr demokratische Haltung gewertet werden.

Umma und kollektive Identität
Die Integration in die Umma bedeutet auch die Annahme eines spezifischen, gemeinschaftsorientierten beziehungsweise kollektiven Identitätsverständnisses. Dabei sollte betont werde, dass es keinen adäquaten Begriff im Deutschen für jenes "kollektive Denken", welches zur Vorstellung der Umma gehört, gibt.

Durch die Wortwahl Umma hat der Islam "die geistige Verantwortung und die gemeinsame Bewegung zu einem gemeinsamen Ziel zur Basis seiner sozialen Philosophie gemacht."[1] Folglich gründet sich die Umma als soziales System auf „den gerechten Anspruch und die Gerechtigkeit an sich, auf das Volkseigentum, auf die Wiederbelebung des "System Abels", der Gesellschaft der menschlichen Gleichheit also, und auf diese Weise auch der Brüderlichkeit, der klassenlosen Gesellschaft."[2]

[1]Schariati, A.: Zivilisation und Modernismus, in: Schreiner, H.P.: Der Imam. Islamische Staatidee und revolutionäre Wirklichkeit, St. Michael, 1984, S. 70,
[2] Ders. S. 70

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Dr. Britta Kanacher

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