Sozial- und Bildungsmanagement

Islam und Demokratie: Die Moderne

Islam und Demokratie: Die Moderne
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Islam und Demokratie schließen sich nicht zwingend aus. Dies belegen modern ausgerichtete Bestrebungen innerhalb des Islam. Dabei sind diese Bestrebungen nicht neu, sondern besitzen bereits eine lange geschichtliche Tradition. Auch innerhalb der historischen Entwicklung des Islam ergaben sich immer wieder Veränderungen.

Islam und Demokratie: Sufismus
Mit der Verinnerlichung der religiösen Offenbarung des Sufismus, welche das Prinzip der Liebe von und zu Gott ins Zentrum rückte, bot der Sufismus eine Möglichkeit der Verschiebung des vormals allumfassenden Grundprinzips des Islam.

Schon früh innerhalb der historischen Entwicklung des Islam wurde eine Kritik politisch-weltlicher Herrscher am Kalifat laut. Gleichzeit führte die Konzentration auf einen sufistisch-emotionalisierten Islam zu einer gewissen Lösung des Islam vom politisch-wirtschaftlichen Geschehen. Die Wissenschaftler Antes und Uhde sehen in dieser Entwicklung des Islam einen steten Prozess der Säkularisierung[1].

Ausweitung des Christentums sowie der Kolonialismus
Die Ausweitung des Christentums sowie der Kolonialismus europäischer Staaten verliefen zu dieser sufistischen Entwicklung parallel. Der Einfluss dieser Faktoren auf die Zurückdrängung und Machtbeschneidung des Islam sind nicht zu unterschätzen:

"Die traumatische Begegnung mit den europäischen Kolonialmächten rissen die arabisch-islamische Welt aus ihrer jahrhundertelangen Erstarrung und öffneten ihr die Augen über den großen Vorsprung Europas im Bereich der Wissenschaft, der Technik und der politisch-gesellschaftlichen Kultur…

Diese politisch-religiösen Reformer leiteten jenen geistig-kulturellen Aufschwung ein, den die Historiker später als die islamische Renaissance. die "Nahda", bezeichneten."[2]

Doch der Einfluss der Modernisten, welche den Islam in seinen Inhalten und Gebräuchen so darzulegen suchen, dass er sich auch auf die moderne Zeit sinnvoll darstellen lässt, blieb eher beschränkt: "Weder der Sufismus noch die verschiedenen rationalistischen Strömungen, die sich im Osten wie im Westen des islamischen Reiches, in Bagdad und in Cordoba, seit dem 9. Jahrhundert entwickelt hatten, konnten die von den politischen und religiösen Autoritäten getragene Orthodoxie besiegen."[3]

Tendenzen zu einer Modernisierung des Islam
Immer wieder konnten die Tendenzen zu einer Modernisierung und Liberalisierung  unterdrückt werden. Dies liegt vor allem daran, dass diese ausschließlich in intellektuellen Kreisen Fuß fassten und deshalb kaum Auswirkungen auf die breite Bevölkerung hatten. Dieser Zusammenhang bezieht sich jedoch auf islamisch orientierte Gesellschaften, nicht auf die Muslime innerhalb der westlichen Welt.

Innerhalb des Islam befindet sich seit einigen Jahren einiges in Bewegung. Diese zu unterstützen, kann bleibende und tiefgreifende Veränderungen bewirken.

[1] Antes, P.; Uhde, B.: Das Jenseits der Anderen. Erlösung im Hinduismus, Buddhismus und Islam, Stuttgart 1972, S. 83ff,
[2] Heller, E.; Mosbahi, H. (Hrsg.): Islam, Demokratie, Moderne: Aktuelle Antworten arabischer Denker, München 1998, S. 13, [3] dies. S. 12

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Dr. Britta Kanacher

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