Sozial- und Bildungsmanagement

Emanzipation: Die Situation der Frau vor dem Wirken von Christentum und Kirche

Emanzipation: Die Situation der Frau vor dem Wirken von Christentum und Kirche
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Seit der Existenz des Christentums als Staatsreligion ist die Geschichte der Frau geprägt von einer immer wiederkehrenden Zurückweisung weiblicher Bestrebungen nach Emanzipation. Gesellschaftliche Institutionen, hier vor allem die Institution Kirche zu nennen, haben lange Zeit dafür gesorgt, dass Frauen sich an der direkten „Fürsorge“ für die Gesellschaft beziehungsweise an der gesellschaftlichen „Macht“ kaum beteiligen konnten.

Das Christentum ist für die abendländische Kultur von enormer Bedeutung. Die abendländische Geschichte hätte ohne das Christentum nicht seinen bekannten historischen Verlauf genommen. Seit Jahrhunderten sind die Generationen des Abendlandes durch die Umwelt und meist auch durch die Eltern christlich beeinflusst. Dieser Einfluss sollte für die Gegenwart und erst recht für die Vergangenheit nicht unterschätzt werden.

Hierbei erscheint es wichtig zu betonen, dass sich die Machthaber des Christentums, nach der Phase des Urchristentums, bewusst zur Unterstützung eines patriarchalen Gesellschaftssystems entschlossen haben. Das Urchristentum hätte zu Veränderungen im Leben der Frauen führen können. Betrachtet man die Situation der Frauen vor dem Urchristentum, so wird dies sehr deutlich.

Emanzipation: Im Judentum kein Thema
Wegen der patriarchalen Strukturen des Judentums war die Situation der Frauen in dieser Religionsform nicht gerade von Emanzipation geprägt. Die jüdische Frau wurde ganz klar unterdrückt. Selbst die Bauweise der jüdischen Tempel und die Sitzverteilung darin, drückten diese Unterdrückung der Frau aus.

Alle männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde, sogar die Minderjährigen, konnten während des Gottesdienstes dazu aufgefordert werden, aus der Thora (die fünf Bücher Moses) vorzulesen. Hiervon waren nur die Zerlumpten und Nackten (Männer) sowie alle Frauen ausgeschlossen. Die Wertigkeit der Frau wurde mit den Zerlumpten und Nackten gleichgestellt und den minderjährigen, männlichen Gemeindemitgliedern sogar untergeordnet.

In der häuslichen Religionsausübung war die Frau ebenfalls nur eingeschränkt handlungsfähig. Zu bestimmten religiösen Handlungen war die Frau zwar verpflichtet, allerdings war sie gerade von den wesentlichen religiösen Inhalten (auf göttliche Weisung) ausgeschlossen. Die Schlussfolgerung des gläubigen jüdischen Mannes hieraus war die Einschätzung, dass Gott die Frau nicht als vollwertiges Wesen erachtet. Entsprechend gingen die jüdischen Männer davon aus, dass Gott nur die Männer als ihm ebenbürtig ansah, und deshalb die Frau als "minderwertig" zu gelten habe.

Die rechtliche Stellung der Frau spiegelt dies ebenfalls wider. Die Frau war vor Gericht nicht zeugnisfähig. Bürgerlich-rechtlich wurde die Frau dem Nichtjuden, dem Sklaven, dem Kind und dem geistig nicht Zurechnungsfähigen gleichgeordnet. Dies auch dann, wenn sie die Frau oder Tochter eines Hohenpriesters war[1].

Emanzipation: Die Situation der Frauen in anderen Kulturen
Doch nicht nur die Frauen jüdischen Glaubens wurden zur Zeit der Entstehung des Urchristentums unterdrückt. Auch in anderen Kulturräumen der damaligen Zeit stellte sich die Situation der Frauen kaum anders dar.

So werden z.B. die Lebensumstände der griechischen Frauen durch folgendes Zitat sehr anschaulich gespiegelt. In dem Zitat spricht ein Mann vor Gericht über die Frauen folgendes: "Die Hetairen haben wir zum Vergnügen; die Kebsfrauen zu des Leibes täglicher Pflege, die Ehefrauen, dass wir rechte Kinder bekommen und eine treue Hüterin über das Haus besitzen."[2] Der Redner unterteilt die Frauen in drei Gruppen:

  1. Die Hetairen: Sie waren sogenannte "Gesellschafterinnen" für die Männer. Sie "dienten" als Gesprächs- und Liebespartnerinnen. Vom Standpunkt des Mannes ausgehend, wurden sie von diesem "benutzt".
  2. Die Kebsfrauen: Als solche wurden die Sklavinnen des Haushalts bezeichnet. Auch sie wurden benutzt.
  3. Die Ehefrau: Sie wurde "besessen". Als Eigentum des Mannes hatte sie keinerlei Rechte, sondern nur die Pflicht, dessen Haushalt zu führen und ihm Nachkommen zu gebären.

Entgegen dieser Einschätzung lassen sich auch andere Einschätzungen von Frauen für die Antike belegen. So existierten bereits zu jemer Zeit selbständig arbeitende Frauen von politischer und philosophischer Relevanz. Dennoch erscheint die Grundeinstellung, welche ein griechischer Mann gegenüber Frauen hatte, eher negativ besetzt.

Die griechische Gesellschaft bestand vor allem aus den Männern, die die politische Macht für sich in Anspruch nahmen, und aus den Frauen, welche diesen zum Vergnügen, zur Pflege oder zur Fortpflanzung dienen sollten. Die Rechtsfähigkeit einer Frau war auch im Griechenland der Antike sehr eingeschränkt.

Emanzipation: Die Situation der germanischen Frau
Eine benachteiligte gesellschaftliche Situation kann auch für die germanischen Frauen angenommen werden. Innerhalb des gesamten abendländischen Kulturraum der Antike lässt isch eine gesellschaftliche Nachrangigkeit der Frau feststellen. Dabei gilt es zu beachten, dass sich das Patriarchat zur Zeitenwende (das Jahr 0 westlicher Zeitrechnung, WZR) ja schon seit etwa 1.000 Jahren durchgesetzt hatte.

Dennoch lässt isch eine kleine Ausnahme in Rom finden. Dort stellt sich die Situation etwas anders dar. Im Haushalt besaß die Frau einen "selbständigen" Wirkungskreis und die verheiratete Frau genoss gesellschaftliche Achtung. Seit etwa 100 v. WZR verbesserte sich auch ihre rechtliche Stellung.

Damit die Tragweite der christlichen Unterstützung des Patriarchats deutlich wird, sollte dies bedacht werden.

Literatur:
[1] aus: "Mann und Frau im Urchristentum" von Karl Heinrich Rengsdorf, S.13
[2] aus "Die Frau in der antiken Welt und im Urchristentum", von Johannes Leipholdt, S.34

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Dr. Britta Kanacher

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