Sozial- und Bildungsmanagement

Emanzipation: Bestrebungen des Urchristentums wurden von der Institution Kirche unterdrückt

Emanzipation lässt sich als Ziel für das Urchristentum formulieren, für die Institution Kirche nicht. Bevor sich die Kirche als Institution bildete, bestand das Christentum aus einer Gemeinschaft vieler verschiedener Gemeinden. Es ist heute bekannt, dass vor der Kirchengründung viele verschiedene christliche Gruppen existierten. So gab es Gemeinden, in denen die Frau als Priesterin und Gemeindevorstand selbstverständlich war. In vielen Gemeinden wurde eine Gleichstellung der Geschlechter gelebt!

Um das Jahr 200 n.WZR entstand die Institution Kirche unter Leitung der dreistufigen Hierarchie von Bischöfen, Priestern und Diakonen. Diese erachtete sich selbst als die "Wächter des einzigen wahren Glaubens’".

Vor allem der Wille der Bischöfe, die christliche Religion zu mehr Einfluss auf Staat und Gesellschaft zu führen, zwang diese zu Kompromissen. Somit wurden dem Ziel der anerkannten Kirche die Inhalte der Religionsform untergeordnet.

Die Institution Kirche bzw. deren männliche "Machthaber" passten die christliche Religionsform den politischen Wünschen nach Unterstützung der männlichen Machtstrukturen an. Die Tendenz des Christentums, die Frauen zu religiöser und gesellschaftlicher Gleichstellung zu führen, wurde diesem Bedürfnis "geopfert".

Aus diesem Grund führten die Bischöfe Verbote für Frauen im religiösen Bereich ein. Alle Entwicklungen außerhalb der Institution Kirche wurden als Häresien (Irrlehre, Ketzerei) verfolgt. Ausschließlich die Mitgliedschaft innerhalb der "wahren" Kirche galt als richtiger Weg zum Heil.

Emanzipation stand der Einführung des Christentums als Staatsreligion entgegen
Mit der Einführung des Christentums als Staatsreligion begann eine Rückbesinnung auf patriarchalisches (jüdisches) Gedankengut. Auch die gezielt patriarchalische Auslegungen der Bibel begann in jenen Tagen. Sprüche wie: "Die Frau schweige in der Gemeinde" oder "Die Frau sei dem Manne Untertan" und dergleichen gehen auf jeme Zeit zurück. Dabei existieren andere Gedanken, die sich auch in der Bibel wiederfinden aber weniger bekannt sind.

So ist noch heute der Schöpfungsbericht, der Eva aus Adams Rippe hervorgehen ließ, Bestandteil des Lehrplans. Dieser schuf die Basis, welche eine unterschiedliche Bewertungen von Frau und Mann erlaubte, da die Frau dem Manne nur zur Hilfe geschaffen wurde.

Jahrhundertelang wurde die Wertung der Frau an ihrer Versündigung im Paradies festgemacht, da Eva Adam dazu verführt hatte, die verbotene Frucht zu essen. Da sie dies tat, trägt sie die Schuld am Elend in der Welt, da der Mensch nur ihretwegen das Paradies verlassen musste.

Emanzipation: Bereits vor der "Adam und Eva Erzählung" in der Bibel zu finden
Doch in der Bibel existiert ein weiterer, früherer Schöpfungsbericht. Die Kirchenväter haben jedoch über die Jahrhunderte hinweg tunlichst vermieden, auf den ersten Schöpfungsbericht hinzuweisen. Wer die Bibel aufschlägt, kann als erstes einen vollständigen Schöpfungsbericht lesen. Hierin schuf Gott die Welt und alles auf ihr in sechs Tagen und am siebenten ruhte er sich aus.

Gott schuf, als Krönung seiner Schöpfung und nach seinem Bilde, den Menschen: und zwar männlich und weiblich. Beide Geschlechter wurden in dieser Erzählung, in diesem Schöpfungsbericht gleichzeitig und gleichwertig geschaffen! Die "Adam und Eva Erzählung der Bibel erscheint erst im Anschluss an diesen ersten Schöpfungsbericht.

Emanzipation: Eva als Urtyp emanzipierten Verhaltens
Der Umstand, dass allen die Erzählung von Adam und Eva in ihrer gängigen Auslegung geläufig ist, scheint hinsichtlich der Emanzipation recht bedeutend. Genau dieser Schöpfungsbericht konnte als religiöse Rechtfertigung zur Unterdrückung der Frau dienen. Da der erste Schöpfungsbericht eher auf Emanzipation und Gleichheit der Geschlechter hindeutete, wurde er verschwiegen.

Doch aber der "Sündenfall" könnte zu einer anderen Bewertung der Frau führen. Dann, wenn man den Text anders auslegt: Adam war treu und gehorsam und hielt sich an die göttlichen Gebote. Er lebte in vollkommener göttlicher Abhängigkeit und dabei auch in Unfreiheit! Eva hatte hingegen den Mut und den (geistigen) Horizont auch gegen Gottes Gebote zu verstossen. Sie aß den Apfel, trotz verbot. Durch diese Tat, der zur Verbannung aus der Abhängigkeit führte, konnten sich die Menschen zu freien, selbstverantwortlichen Menschen entwickeln.

In dieser Auslegung ergriff Eva die einzigartige Initiative, die zur geistigen Freiheit der Menschen führte. Die Menschheit sollte ihr bzw. ihrem Geschlecht hierfür dankbar sein! Die Auslegung bzw. die Wertung des Sündenfalls kann als ein Beispiel dafür gewertet werden, wie das spätere männerorientierte Christentum durch bewusst männlich orientierte Auslegungen, das abendländische patriarchalische System trug und festigte.

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Dr. Britta Kanacher