Sozial- und Bildungsmanagement

Eliteinternat: Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft?

Salem & Co. sind auf der Suche nach neuer Zahlkundschaft. Neuerdings wollen sie leistungsorientierten Mittelschichtlern eine “schulische Alternative” bieten und locken mit Ratenfinanzierungen und Rabatten. Was ist von solchen Offerten zu halten? Arche Noah oder Titanic?

"Internate" so verspricht der hauptamtliche Verkaufsförderer der Schule Schloss Salem, Dr. Hartmut Ferenschild, in einem Interview der Wochenzeitung "DIE ZEIT" aus dem Jahr 2007, böten "auf der schulischen Seite weit mehr als die herkömmlichen Schulen", weil sie bereit seien, "sich auf die besonderen Eigenschaften, Talente und Interessen eines Kindes sehr individuell fordernd und fördernd ein[zu]stellen".

Die Folge: "Immer mehr Eltern" zögen daher "ein Internat in Betracht, weil sie ihrem begabten, neugierigen, leistungsfreudigen Kind die Chance geben woll[t]en, zu entdecken, was alles in ihm steckt.

"Neue Zielgruppe für Internate" hat auch die Illustrierte "stern" ausgemacht. "Der schlechte Ruf staatlicher Schulen und halbgare Reformen" sorgten dafür, "dass immer mehr Kinder aus der Mittelschicht fern der Heimat" lernten. Dazu wird Roman Friemel, der beim Verband Deutscher Privatschulen für Internate zuständig ist, mit der Feststellung zitiert, die Zahl der Internate wachse zwar nicht sprunghaft wie die der Privatschulen.

Doch ändere sich ihr Kundenkreis und Image. Weg von reinen Eliteanstalten und letzten Stationen für Problemschüler, hin zu einer Alternative für die Mittelschicht, die zunehmend bereit sei, in Bildung zu investieren. "Früher wurden Schüler wegen schlechter Noten und auffälligen Verhaltens aufs Internat geschickt", so Friemel, "heute verstärkt wegen guter Leistungen."

Und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" legt unter dem Titel "Haste was, dann wirste was!"noch einen drauf:

"Immer mehr Menschen lassen sich Bildung etwas kosten. Das liegt daran, dass vielen Familien heute mehr Geld für ihre Kinder zur Verfügung steht. Aber es liegt auch an einer Stimmung, die sich gerade in der Mittelschicht wie einst auf der "Titanic" breit gemacht hat: Rette sich, wer kann."

Für Ihr Wertvollstes nur das Beste ?

Wenn die Internatsvermittlerzunft mit Werbeslogans wie: "Für Ihr Wertvollstes nur das Beste" zu ihren Verkaufsmessen in Fünfsterne-Hotels lockt, entsteht leicht der Eindruck, dass es tatsächlich die Tiger-Mütter sind, die es zwecks "Durchoptimierung" ihrer Musterkinder in preislich exklusive Nobel-Internate wie die Schule Schloss Salem zieht. Die spricht auch vorsichtshalber erst einmal von ungeschliffenen Rohdiamanten.

Wer sich nicht allein aus Hochglanzbroschüren der privaten Bildungsindustrie oder der PR-Journaille informieren will, sollte dem Wahrheitsgehalt der hier gezeichneten schönen neuen Privatschulwelt eine gesunde Skepsis entgegen halten. Gesteuerte Image-Kampagnen sind leicht zu durchschauen. Wenn mit Karriereversprechen gearbeitet wird, ist dies nur ein ungedeckter Scheck auf eine ungewisse und in Wahrheit gar nicht planbare Zukunft. Daher warnt die Neue Zürcher Zeitung unter dem Titel "Anspruch und Realität der Besten":

"Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Außerordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit."

Und der Personalberater Dr. Stefan Fourier stellt lapidar fest, "dass das Konzept einer gesonderten Ausbildung von Eliten, etwa in Internaten und Eliteuniversitäten, Blödsinn" sei. Häufig verkörperten Menschen, die sich von unten hochgearbeitet hätten, mehr Elite, als die über den Kamm einer Eliteschule geschorenen Kunstprodukte. 

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Ulrich Lange