Sozial- und Bildungsmanagement

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die Doppelbelastung

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die Doppelbelastung
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat für Frauen zu einer Doppelbelastung geführt, da die Hausarbeit nicht gerecht verteilt wird. Die vermeintliche Erleichterung der Hausarbeit durch Maschinen hat die Hausfrau nicht nur entlastet. Sie hat auch zu Mehrarbeit geführt und gleichzeitig der Achtung und Wertschätzung dieser Arbeit geschadet. Die Hausarbeit wurde zu „dem bisschen Haushalt“ heruntergespielt, der nebenbei erledigt werden kann.

Doppelbelastung: Hat sich die Hausarbeit in Luft aufgelöst?
Im Bewusstsein vieler Menschen sind alle möglichen Tätigkeiten der Hausfrau durch Maschinen scheinbar übernommen worden. Neben der Waschmaschine, die wäscht, existiert der Trockner. Zum Spülen ist die Spülmaschine da und die Kaffeemaschine löste das Kaffeeaufbrühen ab. Die Handarbeiten werden von Näh- und Strickmaschine erledigt.

Der Schnellkochtopf erspart lange Garzeiten und der Eierkocher kontrolliert selbst die Garzeiten. Die kräftezehrenden Handrührarbeiten beim Backen erledigt der Mixer und die Küchenmaschinen raspelt, schnetzelnt schneidet und schont die Hände der Hausfrau.

Küchenarbeit und auch andere Hausarbeiten sind durch Maschinen automatisiert und manch ein Unwissender glaubt, sie Hausarbeit habe sich dadurch scheinbar in Luft aufgelöst. Vor ammen durch die Werbung wurde dieses Falschwissen in die Welt getragen. Da die Hausfrau somit ihrer Arbeit entledigt war, konnte sie ja erwerbstätig werden.

Doppelbelastung als neue Fußfesseln der Frau
Fasst man die Entwicklung zusammen, so ergibt sich das folgende Bild der Frau unserer jüngeren Geschichte: Unterstützt durch die Werbung entwickelte sich die Vorstellung, dass eine Frau im Haushalt völlig unterfordert sein. Die Maschinen erledigen ja die Arbeit. Folglich entwickelte die Emanzipationsbewegung die Vorstellung, dass eine Frau nur dann einen Eigenwert hat, wenn sie neben Familie und Haushalt auch noch erwernstätig ist.

Die sogenannte Emanzipationsbewegung fürte zu einer eindeutigen Fehlentwicklung, da sie den Gedanken der wertlosen Hausarbeit aufnahm. Letztlich befreiten sich die Frauen nicht von ihren gesellschaftlichen Fesseln, sondern legten sich freiwillig noch zusätzliche Fesseln an. Die Emanzipation führte zu der geradezu zwanghaften Vorstellung, dass eine Frau nur dann als emanzipiert anzusehen ist, wenn sie die berufliche Karriereleiter emporsteigt.

Durch diese Zwangsvorstellung arbeitete die Emanzipationsbewegung an einer Anerkennung weiblicher Fähigkeiten (Schwangerschaft, Stillen) und an einer notwendigen Überwindung von Rollenzuteilungen vorbei. Die daraus hervorgegangene Doppelbelastung der Frauen in Haushalt und Beruf belastet heute nicht nur die Frauen.

Letztlich "leidet" die Gesellschaft als Ganzes. Die Scheidungsrate liegt inzwischen schon bei über 30%, in Städten bereits bei fast 50%. Die leidtragenden Kinder sollten hier nicht vergessen werden. Die Lösung ist aber nicht darin zu sehen, Frauen wieder alleine auf die Haushaltsführung zu beschränken.

Es geht vielmehr darum, neue Wege zu finden. Haus- und Erwerbstätigkeit sollten wirklich, je nach den Bedürfnissen beider Partner, aufgeteilt werden. Gleichsam sollte der Frau, die ausschließlich Haustätige ist, mehr Achtung und Anerkennung zuteil werden.

Lesen Sie hierzu auch die Reihe zur Emanzipation.

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Dr. Britta Kanacher

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