Sozial- und Bildungsmanagement

Die Identität und Entwicklung: Fehlendes Wir-Gefühl

Die Identität und Entwicklung: In Deutschland lässt sich bereits beobachten, dass ein früher vorhandenes Wir-Gefühl schwindet. Wenn in der älteren Generation von der früheren Erwerbstätigkeit gesprochen wird, so geschieht dies meist in Wir-Sätzen.

"Wir haben damals viel gearbeitet!" "Wir haben für die Firma viel getan" oder "Wir haben mit der Firma viel erreicht." In vielfältiger Weise denken Menschen der älteren Generation noch in Wir-Kategorien: Wir – die Familie, Wir – die Firma, Wir – die Menschen am Arbeitsplatz oder Wir – der Verein. Alle Bereiche, in denen sie aktiv mitwirken werden zu Wir-Bereichen.

Identität und Entwicklung der jüngeren Generation
Für die jüngeren Generationen scheint dieses Wir-Gefühl hingegen ausgestorben zu sein. Die vielen Unsicherheiten bezüglich des Arbeitsmarktes sowie fehlende Sicherheit im generellen Lebensgefühl lassen Unlust und Motivationsmangel entstehen. Hierdurch verschwindet auch der persönliche Einsatzes für andere Menschen. Jede/r entwickelt sich zum Einzelkämpfer bzw. zur Einzelkämpferin im Kampf gegen die realen und vermeintlichen Ungerechtigkeiten des eigenen Daseins.

Die Identität und Entwicklung ohne "großes Ganzes"
Es scheint, als sei nirgends in unserer Gesellschaft ein "großes Ganzes" mehr sichtbar, wodurch auch ein "Wir kämpfen für…" nicht mehr gegeben scheint. In früheren Zeiten wurde z. B. für "soziale Gerechtigkeit" oder "Bildung für alle" gekämpft. Heute gehören solche gesellschaftlichen Kämpfe der Vergangenheit an.

Es scheint, als würde die Gemeinschaft an gemeinsamen Werten und Visionen verlieren. Dies, obwohl die "Wir sind das Volk" Demonstrationen Ende der 1980er Jahre, so viel Erfolg hatten. Das Aufbegehren gegen Stuttgart 21 kündigt vielleicht ein Ende dieser Entwicklung an.

Die Identität und Entwicklung ohne Zusammenhalt
Denn ohne ein "großes Ganzes", wird die Gesellschaft geschwächt und dies lässt viele Menschen zunehmend Ängste entwickeln. Diese Ängste wachsen vor allem im Gegenüber zu dem vermeintlich stark zusammenhaltenden Islam. Der Islam erscheint vielen Menschen als Inbegriff von Zusammenhalt und Gemeinschaft. Gleichzeitig fehlt es in der westlichen Welt, wie der Philosoph Jean Baudrillard sagt, an "großen Erzählungen", die uns alle fesseln und somit zusammen schweißen könnten.

In unserer verunsicherten Gesellschaft versucht jede/r, für sich noch das Beste heraus zu holen und übersieht dabei, dass das "wir" auf der Strecke bleibt. In seinem Buch "Der flexible Mensch", warnt der US-Kulturhistoriker Richard Sennett: "Ein Regime, das Menschen keinen tiefen Grund gibt, sich umeinander zu kümmern, kann seine Legitimität nicht lange aufrechterhalten." Diese Warnung sollte ernst genommen werden.

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Dr. Britta Kanacher