Sozial- und Bildungsmanagement

Das Christentum und die Emanzipation der Gläubigen: Staatsverhältnis

Das Christentum und die Emanzipation der Gläubigen: Staatsverhältnis
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Das Christentum und die Emanzipation der Gläubigen werden in besonderer Weise durch das christliche Staatsverhältnis geprägt. Dies liegt daran, dass die Entwicklung des Christentums zu einer Staatsreligion, stark an die politischen Verhältnisse jener Zeit gebunden war.

Die Funde der Nag Hammadi Texte legen die Vermutung nahe, dass die Festlegungen hinsichtlich des christlichen Gedankengutes innerhalb der Institution Kirche, eng mit allgemeinen politischen und sozialen Zusammenhängen jener Zeit (um 200 nWZR) verbunden war.

Das Christentum, die Emanzipation der Gläubigen und die Toleranz der Römer
Als das Christentum entstand, hatten die Römer ein gewaltiges Reich geschaffen und ihr Einfluss war allgegenwärtig. Dabei fand im römischen Reich die staatliche Ordnung ihre Parallele in der römischen religiösen Vorstellungswelt. Somit sind für diese Zeit, Staat und Religion als Einheit zu werten.

Eine Fülle von römischen Gottheiten und damit verbundene Kulthandlungen kennzeichnen die römische Religiosität. In der Vielfalt der eigenen Gottheiten gingen die Götter unterworfener Völker geradezu unter. Aus diesem grund tolerierten die Römer die Religionsformen unterworfener Völker weitestgehend[1].

Diese Toleranz war gegenüber dem Judentum sogar besonders groß. Dies zeigt sich vor allem in der Tatsache, dass ausschließlich die Juden vom Zwang zum römischen Kult der Göttin Roma und vom Kaiserkult befreit waren. Die jüdischen Gemeinden konnten überall im römischen Imperium ihr Eigenleben führen, ohne dabei zum Staatskult verpflichtet zu sein.

Auch die hellenistischen Diasporajuden profitierten von diesem privilegierten Rechtsstatus. Daneben profitierte auch das Urchristentum von jener Haltung gegenüber den Juden, da es trotz vieler Widersprüche, sozusagen im Schatten des Judentums, existierte. Dort konnte es sich zu einer organisatorisch geschlossenen Größe entwickeln.

Das Christentum als römische Staatsreligion
Es dauerte zwar einige Jahrhunderte, aber schließlich wurde die scheinbar unüberwindbare Distanz von römischem Staat und christlicher Kirche in der Akzeptanz des Christentums als Staatsreligion überwunden. Dabei waren die Anschauungen über Staat und Kirche des Christentums entscheidend.

Das Christentum sprach beiden Bereichen unterschiedliche Kompetenzbereiche zu. Eine prinzipielle Trennung beider wurde hierdurch möglich. Die Überzeugung, dass die Staatsgewalt, wie sie im römischen Kaiser verkörpert wurde, unmittelbar von Gott stammt, ließ dabei die Christen, den Staat und seine Amtsträger grundsätzlich bejahen.

In Röm. 13/1 heißt es: "Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." Dieser Bibelauszug ließ Paulus die prinzipielle Unterordnung aller Gläubigen unter die politische Gewalt fordern.

Dabei lag ein weiterer Grund für die Befürwortung des Staates in der spezifischen Theologie des Urchristentums. Vom Christentum bzw. von seinen Anhängern selbst, wurde das Römische Reich als eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung und Verbreitung des Christentums gewertet.

Nur durch die Einigung vieler Völker im Römischen Reich war die Verbreitung des Christentums, wie sie sich zur Kirchengründung darstellte, möglich. Das Christentum verdankte seine Ausbreitung dem Römischen Reich. Deshalb gewährte es der Staatsgewalt ihre Eigenständigkeit, die für die abendländische Entwicklung von entscheidender Bedeutung war und ist.

[1] Denzler, G. (Hrsg.): Kirche und Staat auf Distanz – Historische und aktuelle Perspektiven

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Dr. Britta Kanacher

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