Sozial- und Bildungsmanagement

Das Christentum und die Emanzipation der Gläubigen: Die Kirche

Das Christentum und die Emanzipation der Gläubigen: Die Kirche
geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Das Christentum und mit ihm die Emanzipation der Gläubigen drohten in der Vielfalt christlich-religiöser Strömungen unterzugehen. Für die ersten beiden Jahrhunderte nach Jesu Tod ist heute eine urchristliche Vielfalt nachzuweisen, die lange Zeit von den Kirchen verschwiegen wurde.

Erst 1945 wurden in Nag Hammadi alte Schriften gefunden, die belegen, dass das Urchristentum eine Religionsform mit breitem Vorstellungshorizont war. Ein Grund für die Vielfalt religiöser Strömungen dürfte in der Missionsarbeit gesehen werden. Die Lehre Jesu wurde mündlich in unterschiedlichste Gebiete mit teilweise sehr verschiedenen Traditionen getragen.

Hierdurch erhielt das Urchristentum eigenkulturelle Züge der jeweils vorhandenen Kultur. So entwickelten sich bis gegen Ende des zweiten Jahrhunderts unterschiedliche Evangelien in den christlichen Gruppierungen.

Diese Evangelien reichten von den neutestamentarischen, wie Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, bis hin zu Schriften, die lange Zeit unbekannt waren. So fand sich in Nag Hammadi ein Thomasevangelium, welches vorher unbekannt war. Es fand sich auch das Evangelium des Philippus, das Evangelium der Wahrheit und das Ägypterevangelium, das sich selbst als das (heilige) Buch des großen unsichtbaren Geistes bezeichnet.

Zu einer weiteren Textgruppe gehören Schriften, die Jesus oder seinen Jüngern zugeschrieben wurden. Durch die abgeführten Texte scheint belegt, dass das Christentum in seinen Anfängen, nicht einheitlich gestaltet war. Dies ging sogar soweit, dass sich das Urchristentum im Sektendasein zu verlieren drohte.

Das Christentum, die Emanzipation der Gläubigen und die Institution Kirche
Um dies zu verhindern entstand um 200 n.WZR die Institution Kirche. Diese stand unter der Leitung der dreistufigen Hierarchie von Bischöfen, Priestern und Diakonen, die sich selbst als die "Wächter des einzigen "wahren Glaubens" verstanden."

Alle christlichen Gruppierungen, welche sich nicht unter diese Hierarchie ordnen wollten, wurden von dieser Institution als Häresien verfolgt. Ausschließlich die Mitgliedschaft innerhalb der Institution Kirche wurde als Heilsweg angenommen, alle andersartigen Entwicklungen wurden entsprechend unterbunden.

Dies bedeutete eine Veränderung des urchristlichen Grundgedankens, den Jesus formulierte. Ein Wissenschaftler drückte dies so aus: "Nicht weil man den Geist verloren hatte, hat man die Kirche gegründet, sondern um die Kirche zu bauen, hat man den Geist dämpfen müssen."

Der "gedämpfte Geist" der Institution Kirche
Der im Zitat genannte "gedämpfte Geist" ist darin zu sehen, dass die christlichen Gläubigen nun nur noch durch die Institution Kirche ihr Heil erreichen konnten. Ihr ureigenstes Verhältnis zu Gott hatten sie verloren. Mit der Institution Kirche wurde somit der im Ur-Christentum formulierte und gelebte Aspekt der Emanzipation der Gläubigen entzogen.

Nicht mehr das persönliche Gott-Gläubigen-Verhältnis war für jeden Gläubigen ausschlaggebend, sondern allein die Zugehörigkeit zur Kirche machte eine Heilserlangung möglich. Die Institution Kirche schob sich sozusagen zwischen die persönliche Beziehung des Gläubigen zu Gott. In dieser Entwicklung liegt eine gewisse "Tragik", die sich historisch in den späteren Aufspaltungen der christlichen Religionsform immer wieder zeigte.

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Dr. Britta Kanacher

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