Elterngespräche: So werden Sie den verschiedensten Eltern beim Aufnahmegespräch gerecht

Elterngespräch ist gleich Elterngespräch? Sicherlich wissen auch Sie aus eigener Erfahrung, dass dies so nicht stimmt. So wie jedes Kind anders ist, so unterschiedlich sind auch die Eltern und die Gespräche mit den Lehrern. Allerdings schon nach wenigen Kontakten wissen Sie die Eltern immer besser einzuschätzen – schwierig wird es erst bei Aufnahmegesprächen mit neuen Eltern, da Sie diese noch nicht kennen. Wie Sie es schaffen, sich Schritt für Schritt auch auf das Aufnahmegespräch optimal vorzubereiten, erfahren Sie hier.

1. Ihre Erwartungen an das Aufnahmegespräch
So wie Sie sich vor jedem Elternabend fragen: „Wer ist meine Zielgruppe?", so sollten Sie das auch vor einem Aufnahmegespräch tun: Haben Sie es mit Eltern von einem Kind unter 3 Jahren zu tun? Hat die Familie einen Migrationshintergrund? Wurden von Seiten der Eltern bereits Kindergartenerfahrungen gemacht? Außerdem sollten Sie sich überlegen, was Ihnen wichtig ist: „Was möchte ich vermitteln? Welche Informationen müssen unbedingt besprochen werden? Welche Fragen habe ich an die Eltern? Worüber sollten die Eltern unbedingt Bescheid wissen?"

 

2. Überlegungen zur Zielgruppe
Selbstverständlich sieht der Start eines U3-Kindes anders aus als der eines 3- oder 4-jährigen Kindes. Das sollten Sie daher beim Aufnahmegespräch mit Eltern eines Kleinkindes beachten:

  • Fragen Sie ganz konkret nach den Wünschen und Erwartungen der Eltern und gehen Sie gleich darauf ein, inwieweit Ihre Einrichtung diese erfüllen kann. Beispiel: Die Eltern erwarten, dass die Sauberkeitserziehung von Ihnen übernommen wird. Machen Sie deutlich, dass Sie dabei nur unterstützen können.
  • Sprechen Sie Rituale an, z.B. für die Schlafzeiten. Gerade bei kleineren Kindern ist es wichtig, dass Sie diese kennen und übernehmen können.
  • Verwenden Sie viel Zeit für die Planung der Eingewöhnungszeit: Sprechen Sie mit den Eltern über ihre Ängste und Sorgen, die sie diesbezüglich haben. 
  • Erzählen Sie von eigenen Mut machenden Erfahrungen und positiven Beispielen aus Ihrem Alltag, um die Ängste aufzufangen. Überlegen Sie gemeinsam, was dem Kind den Übergang erleichtern kann, und zeigen Sie deutlich auf, dass für diese Phase viel Geduld und möglichst kein Zeitdruck, sondern eine möglichst große Flexibilität gefragt sind.
  • Anders ist es, wenn Sie ausländische Eltern zum Aufnahmegespräch erwarten: Optimalerweise fragen Sie bereits bei der Anmeldung, ob die Eltern beim Gespräch einen Übersetzer dabeihaben möchten. So können Sie gegebenenfalls einen Dolmetscher, z.B. andere Eltern mit besseren deutschen Sprachkenntnissen, zum Aufnahmegespräch dazubitten. Andere Möglichkeit: Sie fragen die Eltern, ob jemand in ihrer Verwandtschaft als Übersetzer mitkommen könnte.
  • Halten Sie zudem die wichtigsten Informationen und Broschüren möglichst in der jeweiligen Sprache bereit. Sprechen Sie das Thema „Sprachförderung" an: Sagen Sie ganz klar, wie wichtig es ist, dass die Eltern zu Hause mit ihrem Kind weiter die Muttersprache sprechen – auch wenn das Kind in Zukunft verstärkt Deutsch sprechen wird. Es ist wichtig, dass die Muttersprache erhalten bleibt und somit als Basis für die neu zu erlernende Zweitsprache vorhanden ist.
  • Fragen Sie nach Besonderheiten, die sich aus kulturellen oder religiösen Gebräuchen ergeben. Gibt es etwas Wichtiges, was Sie wissen und beachten sollten? Zugleich erklären Sie den Eltern auch, ob und inwieweit in Ihrer Einrichtung religiöse Feste und Brauchtümer gepflegt werden.

3. Vermitteln Sie einen ersten Eindruck
Jetzt ist es Zeit, Ihren Anliegen Raum zu geben. Je nachdem, was Sie beim Aufnahmegespräch vermitteln möchten, könnten folgende Anregungen für Sie wichtig sein:

  • Sie führen die Eltern durchs Haus und erläutern anhand von Funktionsbereichen Ihre pädagogische Arbeit.
  • Sie überreichen den Eltern eine Liste mit Dingen, die das Kind auf jeden Fall mitbringen sollte.
  • Sie geben wichtige Erfahrungswerte weiter, die Ihnen und den Kindern den Alltag erleichtern.
  • Sie erläutern einzelne Punkte zur Konzeption Ihrer Einrichtung.
  • Sie fragen, inwieweit die Eltern zur Mitarbeit bereit sind und welche Möglichkeiten sich evtl. durch Hobbys oder den Beruf der Eltern ergeben.
  • Sie zeigen den Eltern anhand einer Diashow am PC den Alltag in Ihrem Kindergarten und kommen darüber ins Gespräch.
  • Sie weisen Eltern auf besondere Informationsstellen in der Einrichtung hin, z.B. Infoecke, Elternaustauschwand oder Gruppenaushänge.

4. Diese Tipps sollten Sie außerdem beherzigen
Damit das Aufnahmegespräch zeitlich planbar bleibt, beachten Sie bitte noch Folgendes:

Achten Sie darauf, dass die Eltern Zeit zum Erzählen und Nachfragen haben. Dafür sollte der größte Zeitanteil des Gespräches vorgesehen sein. So fühlen sich die Eltern ernst und angenommen. Überlegen Sie sich im Vorfeld, welche zwar wichtigen, aber rein formellen Informationen Sie an die Eltern weitergeben müssen. Wenn Sie diese auf einem Informationsblatt zusammenfassen, sparen Sie viel Zeit.

So vorbereitet starten Sie beim nächsten Aufnahmegespräch voll durch!

Veröffentlicht am 21. Januar 2009