Stress

So überwinden Sie das „Helfersyndrom“

Helfen ist etwas Wunderbares. Unter einem "Helfersyndrom" leiden Betroffene allerdings sehr.
geschrieben von Gabriele Köpke

Anderen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen ist etwas Positives. Ohne diese Verhaltensweise hätte sich der Homo sapiens nicht so erfolgreich auf der Erde verbreitet. Es ist wundervoll zu beobachten, wie bereits kleine Kinder bereit sind spontan zu helfen oder andere zu trösten. Der Ausdruck „Helfersyndrom“ meint etwas anderes und wurde vom Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer geprägt.

Übersteigerte Hilfsbereitschaft

Der Begriff  "Helfersyndrom" bezeichnet eine Hilfsbereitschaft die den Helfer überfordert und dem Hilfsbedürftigen oft nicht dienlich ist. Es sind Helfer, die massive Selbstausbeutung betreiben, eigene Wünsche verdrängen und ihre Schützlinge unterschätzen.

Die Betroffenen sind auf der Suche nach Menschen, die Schwierigkeiten haben und Hilfe benötigen. Diese Helfer überschreiten mit ihrer Hilfsbereitschaft eigene Grenzen. Sie überfordern sich und sind nur am "Geben". Wenn sie nicht helfen können, entwickeln sie Schuldgefühle. Brauchen sie selbst Unterstützung verstecken sie das. Sie wollen niemanden zur Last fallen.

Motiv hinter den Hilfseinsätzen

Schmidbauer beschreibt Helfer hinter deren Helferkomplex ein unbewusstes Motiv steht. Es sind Betroffene, denen als Kind das Gefühl vermittelt wurde, dass sie für das Wohlergehen Anderer verantwortlich sind. So erklärte die Mutter: "Wegen deinem Verhalten habe ich Herzschmerzen." Diese Kinder fühlten sich nicht angenommen. In der Folge verlernten sie auf eigene Bedürfnisse zu hören. Für ihre Schützlinge sind sie der fürsorgliche Elternteil, der in der Kindheit fehlte.

Betroffene nutzen das Helfen um eigene Ängste vor Abhängigkeiten abzuwehren und ihre Hilfsbedürftigkeit auszugleichen. Sie haben Angst nicht gemocht und abgelehnt zu werden. Versagensängste treiben sie dazu, sich selbst zu überfordern und die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu missachten.

Mit der Zeit sind Erschöpfungszustände oder psychosomatische Erkrankungen vorprogrammiert. Von zwischenmenschlichen Verbindungen in denen sie nicht  die Wirksameren sind, halten sie sich fern. Ihre Welt ist erst in Ordnung, wenn sie anderen helfen. 

Aufopferung bringt eigene Aufwertung

Die Mehrzahl der Menschen möchte ihre Lage selbst kontrollieren. Bei Betroffenen mit Helfersyndrom ist dieser Wunsch nach Stärke und Überlegenheit jedoch so stark ausgeprägt, dass er nahezu süchtig begehrt wird. Damit wird das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit getarnt. Aus diesem Grund arbeiten viele Betroffene in sozialen Berufen.

Sie benötigen die Dankbarkeit des Hilfesuchenden wie die Luft zum Atmen. Die Helfer suchen Sicherheit in der Gewissheit, dass sie leistungsfähiger sind als ihre Schützlinge. Dabei wird auch ohne eine klare Bitte geholfen. Helfer suchen keine Genugtuung oder schauen gar auf die Schwächeren hinab. Es geht darum Bestätigung durch Helfen zu finden und sich dadurch wertvoll zu fühlen.

So überwinden Sie den Helferkomplex

Das Helfersyndrom abzustreifen erfordert ein Umdenken. Es gilt sich einzugestehen, dass das uneigennützige Helfen nicht selbstlos ist, sondern ein Mittel um das Selbstwertgefühl zu stärken. Danach ist zu überlegen, wie Bestätigung auf andere Weise gefunden oder wie man unabhängig von der Anerkennung durch Andere werden kann.

Folgende Fragen sollten Sie sich stellen:

  • "Was und wer bin ich, wenn ich nicht als Helfer unterwegs bin?"
  • "Wie kann ich mein Selbstwertgefühl erhöhen und eine gesunde Selbstliebe entwickeln?"
  • "Wie gehe ich mit meinen Ängsten um?"
  • "Was sind meine Wünsche und Bedürfnisse?"

Gelingt es nicht diese Fragen für sich zu beantworten, ist eine psychologische Begleitung in Form von Beratung oder Coaching anzuraten.


Quellen:

Schmidbauer, W.: Hilflose Helfer. Über die seelische Problematik der helfenden Berufe, Reinbeck 2000.

Schmidbauer, W.: Helfersyndrom und Burnout-Gefahr, Urban & Fischer 2002.

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Gabriele Köpke

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