Kredit

So bekommen Sie auch ohne Bearbeitungsgebühr einen Kredit

geschrieben von Julia Poluliakh

Wenn Sie in der Vergangenheit schon einmal einen Kredit, sei es als Privatperson oder für Ihr Unternehmen, aufgenommen haben, dann kennen Sie auch die typischen Bearbeitungsgebühren. Banken berechnen für Ihren Aufwand in der Regel bei einem Kredit eine Gebühr, die bereits bei der Auszahlung der Kreditsumme fällig wird. Deswegen erhalten Kreditnehmer, die eine Bearbeitungsgebühr begleichen müssen, nie die komplette Kreditsumme ausbezahlt.

Allerdings hat es in jüngster Vergangenheit diverse Oberlandesgerichtsurteile gegeben, die eindeutig festgestellt haben, dass Kredit-Bearbeitungsgebühren nicht zulässig sind. Das führt aktuell dazu, dass eine ganze Reihe von Kreditnehmern versuchen, die Bearbeitungsgebühren einzuklagen. Da der Aufwand relativ groß ist, empfiehlt es sich, an einer Sammelklage teilzunehmen. Dadurch wird das Kostenrisiko für den einzelnen Kläger erheblich reduziert.

Aber für Sie ist das zunächst einmal nicht relevant, wenn Sie noch keinen Kreditvertrag abgeschlossen haben. Die Rechtsprechung wird aber durchaus interessant für Sie, wenn Ihre Bank trotzdem Bearbeitungsgebühren für einen Kredit verlangt. Solange der Bundesgerichtshof in dieser Sache nicht entschieden hat, werden nämlich einige Banken weiterhin Bearbeitungsgebühren von Kreditnehmern verlangen. Leider gibt es noch kein höchstinstanzliches Urteil.

Was soll ich tun, wenn eine Bank Bearbeitungsgebühren für einen Kredit verlangt?

Sie können selbstverständlich den juristischen Weg gehen, um Ihrer Bank zu verbieten, Bearbeitungsgebühren für Ihren Kredit zu nehmen. Allerdings sollten Sie sich das sehr gut überlegen, denn schließlich sind Sie Unternehmer und vermutlich kein Jurist. Wollen Sie wirklich einen großen Teil Ihrer Energie und Ihres Geldes in eine juristische Auseinandersetzung investieren? In jedem Fall ist es besser, zunächst einmal das Gespräch mit dem Kreditberater zu suchen. Dabei sollten Sie sich vorher gut informieren über die aktuelle Rechtsprechung, so dass Sie gute Argumente vorbringen können.

Wenn Ihre Bank trotzdem nicht einlenkt, sollten Sie anderen Banken kontaktieren, um alternative Kreditangebote zu bekommen. Mit Hilfe des Internets ist es durchaus möglich, Banken zu finden, die keine Kredit-Bearbeitungsgebühren berechnen.

Eine andere Frage ist allerdings, ob der Kredit dann ohne Bearbeitungsgebühren tatsächlich günstiger ist. Diese Frage müssen Sie sich auf jeden Fall stellen, wenn Sie am Ende nicht mehr bezahlen wollen als beim Angebot Ihrer Hausbank. Unter dem Strich zählt für Sie als Kreditnehmer nämlich nur, wie hoch die Kosten für den Kredit sind. Wie sich die Kosten zusammensetzen, ist letztlich gar nicht entscheidend für Sie.

Werden Kredite ohne Bearbeitungsgebühren automatisch günstiger?

Banken optimieren Ihre Geschäftsmodelle fortlaufend. Es ist deswegen höchst unwahrscheinlich, dass Kredite in Zukunft billiger werden, nur weil die Banken vielleicht irgendwann überhaupt keine Bearbeitungsgebühren mehr berechnen dürfen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die fehlenden Einnahmen auf andere Weise, beispielsweise durch eine Zinserhöhung, kompensiert werden.

Jedenfalls gibt es keinen Grund zu glauben, dass Banken freiwillig auf eine Gewinnmarge verzichten, die im bisherigen Kreditgeschäft bereitwillig bezahlt worden ist. Gerade als Unternehmer haben Sie nicht die Möglichkeit, einfach auf einen Kredit zu verzichten, wenn von dem Kredit der Fortbestand oder die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens abhängig ist.

Gleichwohl wäre es ein Vorteil, wenn die Bearbeitungsgebühren nicht mehr berechnet würden. Dann wäre es nämlich viel einfacher, die unterschiedlichen Kreditangebote zu vergleichen. Durch die Bearbeitungsgebühren kommt eine gewisse Schieflage in die Berechnung und viele Kunden übersehen bei einem Kreditangebot, das die tatsächlich entstehenden Kosten wesentlich höher sind.

Zudem ergibt sich der Vorteil, dass die komplette Kreditsumme ohne Abzüge ausgezahlt würde. Wenn Sie einen Kredit in einer bestimmten Höhe aufnehmen, möchten Sie schließlich nach Möglichkeit auch die komplette Kreditsumme einsetzen können. Wenn aber schon bei der Auszahlung die ersten Abzüge berechnet werden, reduziert sich Ihr finanzieller Spielraum.

Kredit mit Bearbeitungsgebühr akzeptieren

Wenn Sie nach reiflicher Überlegung zu der Entscheidung kommen, dass ein Kredit trotz Bearbeitungsgebühr für Sie die beste Option ist, sollten Sie den Vertrag nur mit Vorbehalt unterzeichnen. Damit behalten Sie sich auf jeden Fall die Möglichkeit vor, später Bearbeitungsgebühren einzufordern. Das ist wahrscheinlich auch dann möglich, wenn Sie keinen Vorbehalt anmelden, aber mit einem Vorbehalt sind Sie auf der sicheren Seite.

Schließlich könnte ein Richter auf die Idee kommen Sie zu fragen, warum Sie eine Bearbeitungsgebühr akzeptiert haben. Und wenn Sie dann eine Vorbehaltserklärung aus der Tasche ziehen, ist die Kritik obsolet.

Stress mit dem Bankberater lohnt sich nicht

Als Unternehmer sind Sie auf eine gute Beziehung zu Ihrer Hausbank angewiesen. Es ist deswegen nicht unbedingt ratsam, wegen einer Bearbeitungsgebühr für einen Kredit einen großen Streit anzufangen. Zudem kann der Bankberater persönlich ohnehin nichts dafür, dass seine Bank Bearbeitungsgebühren berechnet.

Selbstverständlich können Sie Ihre Verärgerung zum Ausdruck bringen, aber Sie sollten ihren Zorn nicht am Bankberater auslassen. Eventuell ist es allerdings sinnvoll, einen Beschwerdebrief an die Leitung der Bankfiliale zu schreiben oder gleich beim Filialleiter vorstellig zu werden. Dann können Sie sicher sein, dass die Beschwerde auch auf den höheren Ebenen ankommt.

Nicht vergessen: Die endgültige Klärung der Rechtslage steht noch aus

Auch wenn alles dafür spricht, dass die Banken ziemlich bald vom Bundesgerichtshof dazu verdonnert werden, keine Bearbeitungsgebühren bei Krediten zu verlangen, gibt es doch bis jetzt nur Urteile von Oberlandesgerichten. Theoretisch kann es also durchaus sein, dass der Bundesgerichtshof zu einem ganz anderen Urteil kommt. Deswegen sollten Sie sich nicht dazu hinreißen lassen, eigenmächtig Gebühren einzubehalten oder der Bank gar eine Rechnung zu stellen.

Wenn Sie bezahlte Gebühren zurück haben möchten, müssen Sie den Rechtsweg gehen oder sich gegebenenfalls einer Sammelklage anschließen. Das ist eine unbefriedigende Situation, die hoffentlich aber bald vom Bundesgerichtshof geklärt wird.

Fazit

Bearbeitungsgebühren sind für alle Kreditnehmer, aber gerade auch für Unternehmen, ein großes Ärgernis. Wenn Sie keine andere Wahl haben, müssen Sie im Moment noch die Bearbeitungsgebühren bezahlen. Allerdings haben Sie wahrscheinlich die Chance, die Gebühren dann irgendwann einzuklagen. Die Banken verzichten verständlicherweise nicht freiwillig auf einen Profit. Deswegen sollten Sie als Unternehmer pragmatisch mit der aktuellen Situation umgehen und sich auf Ihr Hauptgeschäft konzentrieren.

Vielleicht haben Sie aber auch Glück und Ihre Bank kommt ihnen zumindest bei der Gebührenhöhe entgegen. Mit einem vernünftigen Gespräch können Sie bei einer Bank häufig mehr erreichen als mit Drohungen und einem Rechtsanwalt. Insbesondere bei Ihrer Hausbank sollten Sie auch zukünftige Bankgeschäfte im Auge behalten.

Über Ihren Experten

Julia Poluliakh

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