Kredit

Darlehenskonto: Monatliche Gebühren für die Führung

geschrieben von Prof. Heinrich Bockholt

Müssen Sie Gebühren für ein Darlehenskonto zahlen? Der für das Bankrecht zuständige XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass die Klausel über die Zahlung einer monatlichen Gebühr für die Führung des Darlehenskontos in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Bank unwirksam ist.

Keine Gebühren für Ihr Darlehenskonto: Was heißt das für Sie?
Anhand eines Beispiels möchte experto Ihnen die Konsequenz des BGH-Urteils näher bringen und Ihnen die Höhe Ihrer Rückerstattung deutlich machen. Nehmen wir an, ein Kreditvertrag für eine Baufinanzierung wurde am 30.6.2008 wie folgt geschlossen: 

Auszahlungsbetrag:200.000 EUR
Auszahlungskurs: 100,00%
Nominalzins (heute Sollzins) 10 Jahre fest: 5,00%
Tilgung:4,00%
Zins- und Tilgungsverrechnung: sofort
Monatsrate jeweils am Monatsende: 1.500,00 EUR
Kontoführungsgebühr p. M.2,00 EUR
Restschuld ohne Kontogebühr nach 10 Jahren: 96.789,86 EUR
Restschuld mit Kontogebühr nach 10 Jahren:97.099,86 EUR
Differenz: 710,00 EUR
Effektiver Jahreszins ohne Kontogebühr: 5,12%

Effektiver Jahreszins mit Kontogebühr:
(musste damals nicht angegeben werden)

5,15%

Das bedeutet bei Überprüfung und Rückforderung zum Monatsende:

Restschuld ohne Kontogebühr zum 30.6.2011:  174.257,12 EUR
Restschuld mit Kontogebühr zum 30.6.2011:174.334,64 EUR
Anspruch auf Erstattung zum 30.6.2011:77,52 EUR

TIPPS

  • Wenn Sie als Verbraucher einen Zins- und Tilgungsplan bei Vertragsabschluss erhalten haben, prüfen Sie diesen auf die Kontostände z. B. zum 30.05.2011.
  • Wenn Sie Abweichungen erkennen, kontrollieren Sie bitte, ob Sie Sondertilgungen geleistet haben, eine geringere Rate bezahlt haben oder in Zahlungsverzug gekommen sind.
  • Wenn Sie vertragsgemäß die Zahlungen erbracht haben, können Sie bei Abweichungen in der Restschuld eine Erstattung verlangen, wenn der Vertrag bis vor drei Jahren abgeschlossen wurde.
  • Wenn Sie keinen Tilgungsplan erhalten und auch Kontoführungsgebühren gezahlt haben, verlangen Sie bitte von der Bank eine Neuberechnung Ihres Kredites.
  • Sie können sich auch an den Ombudsmann des Banken-, Sparkassen- oder Genossenschaftsverbandes wenden. Ansprechpartner für die Banken finden Sie unter http://www.bankenverband.de/.

Nicht geklärte Aspekte des BGH-Urteils
Es könnte sich erst nach Erscheinen des vollständigen Urteiltextes herausstellen, ob die Drei-Jahresfrist (= Unterschrift unter den Kreditvertrag innerhalb der letzten drei Jahre) für alle Kredite oder nur ab Kenntnisnahme des Fehlers gilt, wie es Verbraucherschutzverbände meinen.

Auch Ratenkredite, die eine laufende Kontogebühr haben, dürften davon betroffen sein. Ob Unternehmensfinanzierungen  von diesem Urteil betroffen sind, dürfte sehr fraglich sein.

expero meint: Es war höchste Zeit für dieses Urteil. Das Beispiel zeigt auf, wie viel Geld sich Banken in der Vergangenheit über diese Klausel gesichert haben. Überprüfen Sie schnell Ihre Unterlagen und fordern Sie Ihre monatlichen Gebühren für die Führung des Darlehenskonto zurück. Je nach Darlehenssumme geht es um dreistellige Eurobeträge.

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Prof. Heinrich Bockholt

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