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Das Recycling-Haus: 4 verschiedene Modelle

geschrieben von Burkhard Strack

Angesichts der insgesamt stetig steigenden Energiepreise und der immer notwendiger werdenden Überlegungen zur weltweiten Ressourcenknappheit, spielen Energiespar- und Ökohäuser eine immer wichtigere Rolle für Eigenheim-Finanzierer. Lesen Sie hier mehr über das Recycling-Haus.

Energiesparhäuser punkten im Vergleich zu herkömmlichen Häusern in Fertig- oder Massivbauweise vor allem durch Strom- und Wärmegewinnung sowie durch Isolierung und somit durch einen deutlich geringeren Energieverbrauch. Ökohäuser können ebenfalls besonders energiesparend konzipiert sein, punkten jedoch vor allem durch die großenteils in ihnen verbauten regenerativen Baustoffe – so auch das Recycling-Haus.

Das Recycling-Haus ist eine spezielle, etwas aus dem Rahmen fallende, aber dennoch dazugehörende Form des sogenannten Ökologischen Bauens. Im ersten Moment mag die Vorstellung, Müll zu wesentlichem Teil für die eigenen vier Wände zu benutzen, verwirren. Doch verschiedene Vorreiter haben bewiesen, dass man sich die Langlebigkeit verschiedener nicht mehr gebrauchter Materialien zunutze machen kann.


Anstatt die Mülldeponien zu belasten, könnten PET-Flaschen als Bausubstanz wiederverwendet bzw. aufgewertet werden.

1. Das Recycling-Haus aus Polyethylenterephthalat

Polyethylenterephthalat ist ein Thermoplast, der zu den Polyestern zählt und besser unter Abkürzung PET bekannt ist. Er kommt vorrangig in der Produktion von Textilfasern, Folien, insbesondere jedoch von Flaschen zum Einsatz. Wie der Beitrag von zeit.de informiert, waren dem deutschen Entwicklungshelfer Andreas Froese in Honduras die Unmengen an herumliegenden leeren Kunststoffflaschen aufgefallen.

Er initiierte daher im Jahr 2005 den Bau ansehnlicher, stabiler und zugleich flexibler Wohnhäuser, deren Mauern großenteils aus mit Erde und Schutt gefüllten PET-Flaschen und Lehm oder Mörtel bestanden, die mit Nylonschnur oder Draht verbunden worden waren. In den Folgejahren setzten auch unabhängig von Froese Firma zahlreiche Honduraner und Einwohner anderer Staaten, zum Beispiel Indien, kostengünstige Bauvorhaben mit PET-Flaschen in die Praxis um.

Das folgende Video zeigt Beispiele aus drei Kontinenten:

2. Das Recycling-Haus aus GreenStone

Dass die Idee, Gebäude teilweise aus recycelten Stoffen zu errichten, nicht nur bescheidene, sondern auch fast utopische Ausmaße annehmen kann, demonstriert der Morrow Royal Pavilion in Las Vegas. Er gilt als größtes Gebäude weltweit, das aus recycelten Flaschen errichtet wurde, und zwar aus über einer halben Million Bierflaschen. Das Bauwerk besteht zu großem Teil aus sogenanntem "GreenStone." Es handelt sich dabei um ein betonähnliches, in Form gegossenes Gemisch aus zuvor zerstoßenem Glas und sogenannter Flugasche.

Diese ist ein Nebenprodukt, das beim Verbrennen von Steinkohle entsteht. Umweltverträgliche Baustoffe wie beispielsweise die Flugasche oder Kesselsand spielen, da sie ohnehin beim Betrieb von Kraftwerken anfallen, auch für Ökohäuser und überhaupt auf Umweltschutz achtende Bauherren eine bedeutende Rolle.
Einen Eindruck von dem gigantischen Recylinggebäude, dem Morrow Royal Pavilion, erhalten Interessierte auf dieser Seite.


Da Flugasche beim Verbrennen von Kohle ohnehin anfällt, lohnt es sich erst recht, sie als umweltfreundlichen Füll- und Baustoff für Beton zu verwenden, da sie dessen Nachhärtung fördert.

3. "Upcyceln" beim Recycling-Haus

Der Bau von Recycling-Häusern ist auch im hiesigen Kulturkreis längst keine Utopie mehr. Diese aus Abfall bestehenden und gerade deshalb umweltfreundlichen Häuser eignen sich für Einzelpersonen, Paare und auch für Familien und existieren in mehr oder weniger experimentellem Maß auch in näherer Umgebung, wie die folgenden Beispiele veranschaulichen.

Das sogenannte Upcycle House, das eine dänische Firma konstruiert hat, steht Pate für die umweltschonende Idee, Müll nicht nur wiederzuverwenden, sondern sogar, wie der Name verrät, diesen aufzuwerten. Wie es hier heißt, erzeugt ein solches Ökohaus aus Schiffscontainern, Holzrahmen, Papierwolle und anderen wiederverwendeten Stoffen nur etwa ein Siebtel an Kohlendioxid im Vergleich zu einem herkömmlichen Bau. Die Baukosten liegen bei etwa 230.000 Euro für 130 Quadratmeter.

Als sehr experimentierfreudiges, aber wohnfähiges Bauprojekt lässt sich die sogenannte "Officina Roma" beschreiben. Bei diesem Titel handelt es sich um eine in Rom komplett aus Müll konstruierte Villa, die im Zuge einer Recycling-Messe entstand. Insgesamt 24 italienische Schüler setzten das Projekt eines Berliner Architekturbüros mit Namen "Raumlabor" innerhalb von nur einer Woche in die Tat um. Eindrucksvolle Bilder liefert dieser Beitrag.


Ein sogenanntes Earth-ship mag spacig anmuten, basiert jedoch großenteils auf der natürlichen Wärmefunktion der Erde und der Sonne.

4. Filmreife, aber vollkommen bewohnbare Recycling-Häuser: Earth-ships

Sie kommen Null-Energiehäusern, also Bauten, die in etwa so viel Energie erzeugen, wie sie verbrauchen, nahe und erinnern rein optisch ein wenig an den einen oder anderen Science-Fiction- oder Fantasy-Streifen: die sogenannten Earth-ships. Sie gehen auf den amerikanischen Architekten Mike Reynolds zurück, der bereits Ende der 60er-Jahre an nachhaltigen Bauweisen tüftelte.

Der Erfinder erkannte die hohe Dämmfähigkeit von Autoreifen, von denen weltweit unzählige verschlissen herumlagen und -liegen. Die Reifen dienen als Grundgerüst der Earth-ships, die – der Name ist Programm – großenteils von Erde umgeben sind, um deren Wärme und zugleich Isolation für sich zu nutzen.

Diese Bauten bleiben nur auf der Sonnenseite unbedeckt, um sie über eine große Fensterfront, die auch als Wintergarten nutzbar ist, tagsüber zu erwärmen. Zusätzlich bietet sich an, diese umweltfreundlichen Häuser mit den regenerativen Energien von Sonne oder Wind zu versorgen sowie Regenwasser aufzufangen und aufzubereiten.

Das folgende Video zeigt den Bau eines sehr kleinen Earth-ships, das jedoch im Wesentlichen der Bauweise von Großvarianten entspricht:

Fazit: Re- oder Upcyclinghäuser als Alternative zu Energiespar- oder herkömmlichen Häusern zu errichten, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Da besonders die Deutschen jedoch dafür bekannt sind, auf Mülltrennung und Wiederverwertung Wert zu legen, könnten diese speziellen Ökohäuser in den kommenden Jahrzehnten jedoch auch hier in Mode kommen.

Nicht zuletzt spielt der Wunsch nach weitgehender Unabhängigkeit von Versorgern eine immense Rolle für etliche Verbraucher.

Bilder:

Bild 1: © brkarl Pixabay.com (CC0 1.0)
Bild 2: © Farrokh-Bulsara Pixabay.com – (CC0 1.0)
Bild 3: © FrankGro Pixabay.com – (CC0 1.0)
Bild 4: © werner22brigitte Pixabay.com – (CC0 1.0)

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Burkhard Strack

Burkhard Strack ist Fachjournalist (DFJV-Mitglied), Werbeprofi (Google AdWords Premium Partner) und Inhaber des Beraterportals experto.de.

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