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So beugen Sie der Altersweitsichtigkeit vor

Lesezeit: 3 Minuten Ein so kompliziertes Organ wie unser Auge kann nicht ewig auf Hochleistung getrimmt werden. Auch Augen unterliegen natürlichem Verschleiß, dem wir alle mehr oder minder unterworfen sind. Natürlich können und sollten wir versuchen, gegenzusteuern, damit die Folgen abgemildert oder behoben werden. Wie Sie dies erreichen können, erfahren Sie hier.

3 min Lesezeit
So beugen Sie der Altersweitsichtigkeit vor

So beugen Sie der Altersweitsichtigkeit vor

Lesezeit: 3 Minuten

Je nach Lebensart und Beanspruchung der Augen kann eine Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) ab einem Zeitpunkt von etwa 35 Jahren – zunächst kaum bemerkbar – einsetzen. Es ist eine Alterssichtigkeit, wobei die Sehkraft durch nachlassende Anpassungsfähigkeit im Nahsichtbereich nachlässt. Wer kennt nicht das typische Zeichen im fortgeschrittenen Stadium: Zeitung lesen mit ausgestreckten Armen. In der Altersspanne zwischen 40 und 50 verzeichnet man den stärksten Anstieg im Nachlassen dieser Augen-Anpassungsfähigkeit. Der Visus (= Sehstärke im Nahbereich) verschlechtert sich nach 40 rapide.

Die Sehschärfe befähigt Augen, Konturen und Muster zu erkennen, und zwar umso  besser, je mehr die folgenden Bedingungen optimal zutreffen:

  • Das Auflösungsvermögen des Augapfels (die Auflösung einer Bogenminute entspricht der Ortsauflösung von etwa 1,5 mm bei 5 m Abstand).
  • Die Abbildungsqualität auf der Netzhaut, die abhängig ist von Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper (brechende Medien),
  • Die optischen Eigenschaften (Kontrast, Farbe, Helligkeit) und die Form des Objekts: Netzhaut und ZNS vermögen nämlich bestimmte Formen, wie horizontale/vertikale Geraden, rechte Winkel höher aufzulösen, als es das Auflösungsvermögen des Augapfels allein könnte.

Wieso entsteht die Altersweitsichtigkeit?

Sie hängt damit zusammen, dass sich das Gewebe eines Menschen nicht bis zum Greisenalter gleich geschmeidig und elastisch erhält, sondern Veränderungen und Alterungsprozessen unterliegt. Wir müssen uns nur die Haut von Baby und Greis vorstellen, um zu verstehen, dass auch das Organ Auge Ähnliches durchlebt. Das gilt auch für die Fähigkeit der Augenlinse, sich zu verformen und entsprechend der verschiedenen Sehdistanzen auf scharf zu stellen (Akkomodation).

Mit zunehmendem Alter verfestigt sich die verformbare Augenlinse mehr und mehr, bis die Aufhängermuskeln (Ziliarmuskeln) die Linse nicht mehr ausreichend stauchen können (Nahakkomodation) und dann die Brechkraft der Linse nicht mehr ausreicht. Das Bild wird nicht mehr punktgenau auf der Netzhaut abgebildet, sondern dahinter. Die Folge: der Seheindruck ist unscharf/verschwommen.

Akkomodation

Augen von Babys/Kleinkindern haben noch eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit: sie können etwa 25% ihrer Sehschärfe über Akkomodation regeln, d. h. sie können problemlos das Auge auf eine Entfernung von wenigen Zentimetern umschalten (Akkomodationsnahpunkt). Auch bei diesem zeichnet sich in der Zeitspanne vom 40. bis 50. Lebensjahr die dramatischste Veränderung ab. Im hohen Alter beträgt er mehr als 150 cm, d. h. es sind nur noch Dinge erkennbar, die mehr als 1,5 m entfernt sind.

Augenheilkunde und Altersweitsichtigkeit

Es gibt in der Augenheilkunde folgende Möglichkeiten, auf eine Altersweitsichtigkeit zu reagieren:

  1. Mit einer Lesebrille, die nur beim Blick nach unten zur Wirkung kommt und wo ansonsten über die Brille hinweggeschaut wird.
  2. Mit einer Gleitsichtbrille, die verschiedene Areale für das Auge anbietet oder die Gläser für mehrere Sehdistanzen geschliffen werden (Mehrstärkenbrillen).
  3. Bifokalbrille – gegen die Doppelwirkungen von schon vorhandener Kurzsichtigkeit und Altersweitsichtigkeit. Sie vermag beides auszugleichen. Leider ist es nicht so, dass sich die Fehlsichtigkeiten mit zunehmendem Alter ausgleichen, denn sie beruhen auf unterschiedlichen Ursachen. Natürlich geht auch der einfache Weg: zwei Brillen (für die Nähe die Lesebrille, normale Brille zum Ausgleich der Kurzsichtigkeit).
  4. Mit Augenlasern durch einen Femto-Sekundenlaser bei einer Lasik-Operation: Hierbei wird sekundenschnell ein Teil der Hornhaut abgetragen, bis sie wieder die erforderliche Brechkraft aufzeigt und Scharfsehen wieder möglich ist. Eine Frage dabei ist, ob sich die Linse anschließend erneut bzw. noch weiter verfestigt und doch wieder eine Brille erforderlich wird. Hierzu sollten Sie einen Augenspezialisten ansprechen und sich gründlich beraten lassen.

Empfehlung gegen den natürlichen Prozess der Altersweitsichtigkeit

Natürlich gibt es große Unterschiede im Verlauf und auch Menschen, die überhaupt nicht von Altersweitsichtigkeit betroffen sind. Zudem gilt (beispielhaft): Jemand, der in der Land- /Forstwirtschaft tätig ist, wird seine Augen weniger häufig im für das Auge anstrengenden Nahbereich nutzen, als ein IT-Experte, der seinen Augen ständig die Nahfokussierung auf dem Bildschirm des Computers zumutet und wenig Zeit zum Ausruhen gönnt. Was aber für alle gilt, ist die aktive Lebensweise, die stets der Altersweitsichtigkeit entgegenwirkt – umso dringender, je weniger Ruhe-Chancen der Alltag mit sich bringt.

  • Blicken in die Ferne ist gegenüber der Nahfokussierung Erholung. Je nachdem, welche Lebensinhalte Ihr Leben prägen, sollten Sie – Ihren Augen zuliebe – intensive Kurz- sowie längere Erholungsmöglichkeiten einbauen. Kurzerholung: zwei Minuten Augentraining jede halbe Stunde, die Sie am PC sitzen; Langerholung möglichst zweimal pro Woche: Wandern, Fahrradfahren, Wassersport etc. mindestens einen halben Tag lang. Es bietet dem Auge die Möglichkeit der ausreichenden Fernfokussierung, wobei es ausruhen kann. Ganz akut ist dies angezeigt, wenn Sie bereits den bekannten roten Strich im Auge sehen oder die Augen tränen und brennen. Schalten Sie den PC aus und gehen Sie in die Natur – auf welche Weise auch immer.
  • Bei Tätigkeiten mit großem Anteil an PC-Arbeit oder feinsten Detailarbeiten sollten Sie noch viel dringender Aufenthalte in der Natur mit Raum für Weitsicht (Fahrradfahren, Wandern, Sport treiben schlechthin) einplanen, als Menschen, die weniger oft im Nahbereich gefordert sind. Sorgen Sie entsprechend Ihres Berufes für die nötige Balance hinsichtlich der Relation von Nah- und Fernfokussierung. So wirken Sie der einsetzenden Altersweitsichtigkeit entgegen.

Bildnachweis: Kzenon / stock.adobe.com

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