Kinder- & Jugendgesundheit

Was tun gegen akute Verstopfung bei Kindern?

Andrea Fettweis
geschrieben von Andrea Fettweis

Bereits Kinder leiden gelegentlich oder sogar dauerhaft unter Verstopfung. Wie können Sie diesem Problem vorbeugen und was können Sie tun, wenn Ihr Kind seinen Darm plötzlich nicht mehr oder nur unter Schmerzen entleeren kann?

Bis zu 20 Prozent der Kinder in Deutschland haben öfter unter einer Verstopfung zu leiden, vier von zehn Kindern bereits im ersten Lebensjahr. Häufig liegt die Ursache im Ess- und Trinkverhalten, aber auch psychische Störungen, Krankheiten, Behinderungen oder Dauermedikamente können eine mühelose und regelmäßige Darmentleerung verhindern.

Es kommt nicht darauf an, wie häufig der Darm entleert wird, sondern dass dieser Vorgang keine Probleme bereitet. So unterschiedlich wie jeder Körper funktioniert, ist  auch seine Verdauung. Erst wenn der Stuhl hart wird, bereitet die Entleerung Schmerzen und aus Angst wird der nächste Stuhlgang unterdrückt. Auch Unruhe in der Familie oder Änderungen in der Umgebung, zum Beispiel durch einen Umzug, können sich auf die Verdauung auswirken.

Verstopfung bei Kindern vorbeugen

Um eine Verstopfung zu vermeiden, sollte die Ernährung viel Obst, Gemüse, Joghurt und Vollkornprodukte enthalten. Sie verhelfen dem Darm zu einer geregelten Verdauung. Außerdem muss ausreichend getrunken werden, denn Flüssigkeit ist wichtig, damit der Stuhl weich bleibt. Empfehlenswert sind Wasser, Tee und verdünnte Obstsäfte.

Um den Körper an einen bestimmten Rhythmus zu gewöhnen, empfehlen Fach-Kinderärzte, ein regelmäßiges Toilettentraining. Dazu setzen Sie das Kind immer zu einer bestimmten Zeit auf die Toilette, zum Beispiel nach einer Hauptmahlzeit. Stellen Sie einem kleinen Kind einen Hocker für die Beine hin, damit es entspannt sitzen kann. Die Darmentleerung kann zusätzlich durch Bauchmassagen angeregt werden.

Den Stuhlgang weich halten

Äpfel mögen die meisten Kinder. Wenn Sie sie kochen, wirken sie leicht abführend. Auch Trockenobst kann den Stuhlgang wieder normalisieren. Weichen Sie drei Früchte, zum Beispiel Backpflaumen, über Nacht ein  und geben Sie sie dem Kind zu essen. Pflaumensaft hat den gleichen Effekt: Pro Lebensjahr einen Esslöffel täglich geben.

Milchzucker weicht den Stuhlgang ebenfalls auf, da er Wasser in den Darm zieht. Noch besser ist Lactulose, die Sie in der Apotheke bekommen. Sie wird unverändert wieder ausgeschieden, kann aber auch Blähungen und Bauchschmerzen bereiten und muss in so einem Fall wieder abgesetzt werden.

Was tun gegen akute Verstopfung?

Ein warmes Bad kann helfen, den Bauch zu entspannen und den Darm zu entleeren. Wundern Sie sich nicht, wenn der Stuhl im Wasser landet! Bei Kindern weniger beliebt, aber hilfreich sind Miniklistiere wie Mikroklist® und Zäpfchen wie Gylcilax® oder Lecicarbon®. Mikroklist enthält Sorbitol, das wasseranziehend wirkt und so den verhärteten Stuhl aufweicht.

Auf dieselbe Weise regt das im Glycilax enthaltene Glycerin die Darmtätigkeit an. Lecicarbon®-Zäpfchen entwickeln  im Enddarm Mikrobläschen aus Kohlendioxid, die sanft die Darmwand dehnen und dadurch den  Entleerungsreflex auslösen. Falls das Kind unter schmerzhaften Einrissen am Schließmuskel leidet, reiben Sie die wunden Stellen mehrmals mit Hamamelissalbe oder einer  Hämorrhoidensalbe ein, die ein schmerzstillendes Mittel enthält.

Um die Darmflora wieder aufzubauen, kann eine mikrobiologische Therapie mit Milchsäurebakterien unterstützend helfen, zum Beispiel Symbiolact® compositum. Sie muss über etwa drei Monate angewendet werden, damit sie Wirkung zeigen kann.

Wann sollte das Kind zum Arzt?

Wird der Darm trotz dieser Maßnahmen nicht richtig entleert und/oder leidet das Kind unter Bauchschmerzen, könnte es sein, dass sich der Kot bereits im ganzen Darm gestaut hat. Stellen Sie Ihr Kind zur Sicherheit einem pädiatrischen Gastroenterologen vor, einem Facharzt für Magen-Darm-Probleme bei Kindern.

Er wird versuchen, den Kotstau von oben zu lösen, indem  er synthetische Macrogole verordnet. Sie binden Wasser und machen den Stuhl weich. Das Präparat kann auch länger angewendet werden, da es unverändert wieder ausgeschieden wird.

Über Ihren Experten

Andrea Fettweis

Andrea Fettweis

Andrea Fettweis sammelte durch ihre vielseitige Tätigkeit als Pharmazeutisch-technische Assistentin über 20 Jahre lang Erfahrungen in öffentlichen Apotheken, die sie ständig durch private medizinische Studien ergänzte. Seit 1995 schreibt sie für eine Fachzeitschrift des Deutschen Apothekerverlags, schloss ein Studium für Journalismus ab und ist seitdem u. a. für mehrere Online-Magazine als Autorin und Redakteurin tätig. Für experto.de schreibt sie aktuell über gesundheitliche Themen mit den Schwerpunkten Naturheilkunde, chronische Krankheiten, Ernährung, Pharmazie sowie Körper & Seele.

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