Geldanlage

Was können Sie als Anleger im aktuell volatilen Börsenumfeld tun?

geschrieben von Jörgen Erichsen

In den letzten Wochen hat es vor allem bei deutschen Aktien zum Teil heftige Kurskapriolen gegeben. Zunächst schien beim deutschen Leitindex DAX im Sommer ein Wert von mehr als 10.000 Punkten möglich. Dann hat der DAX binnen eines Monats rund 15% an Wert verloren, die er aber ebenfalls innerhalb weniger Wochen nahezu wieder aufgeholt hat. Wie sollten sich Anleger in diesem Börsenumfeld verhalten?

Das Jahresende nähert sich mit Riesenschritten. Häufig sind die letzten sechs bis zehn Wochen eines Jahres für Anleger eine gute Zeit. Denn oft entwickeln sich hier die Kurse von Aktien besonders positiv: Stichwort Jahresendrallye. In diesem Jahr aber scheint alles anders. Vor allem die Entwicklung der Aktienkurse deutscher Unternehmen stellt Experten vor Rätsel.

Nach zum Teil deutlichen Kurszuwächsen bis etwa Mitte des Jahres kam es zu einer erheblichen Korrektur, unter anderem, weil sich die Wirtschaft im Euroraum schlechter entwickelte als zunächst gedacht. In der Folge rechnen Experten damit, dass sich die Wachstumsaussichten und Verdienstmöglichkeiten europäischer und damit auch deutscher Unternehmen verschlechtern. Doch dann kam es in den letzten Wochen zu einer Kurserholung; allerdings sind die Kurse noch weit von den Höchstständen im Sommer entfernt.

Für Anleger stellt sich jetzt die Frage, ob man das aktuelle Kursniveau zum Einstieg nutzen oder lieber abwarten sollte. Auch Börsenexperten sind sich hier nicht einig. Die einen gehen davon aus, dass der DAX bis zum Jahresende bis zu 10% zulegen könne. Die anderen sagen, dass er bis zu 10% an Wert verlieren könne. Eine Entscheidungshilfe für Anleger sind Expertenmeinungen im Börsenumfeld aktuell also eher nicht.

Machen Sie sich als Anleger selbst ein Bild vom Börsenumfeld

Da hilft es nur, sich selbst ein Bild zu verschaffen und zu entscheiden. Denn Prognosen haben häufig nur für wenige Wochen Bestand. Kommen in den nächsten Tagen z. B. neue negative Nachrichten hinzu, etwa zur Ukraine-Krise oder zur Konjunkturentwicklung, sind alle positiven Einschätzungen überholt. Mehren sich positive Nachrichten, z. B. über ein besonders gut verlaufendes Weihnachtsgeschäft und eine Verbesserung des Geschäftsklimas, sind eher die negativen Ansätze Schnee von gestern.

Daher sollte sich jeder Anleger, der vor der Frage steht, ob er Aktien kaufen soll, bei der Auswahl einzelner Unternehmen auf die bewährten Kriterien konzentrieren und u. a. folgende Punkte prüfen: Haben sich die Kurse, Umsätze und Gewinne eines Unternehmens in den letzten 10-20 Jahren im Schnitt positiv entwickelt? Gehört das Unternehmen einer wenig Konjunktur anfälligen Branche an, z. B. Lebensmittel oder Pharma (bedingt)?

Auch Mischkonzerne sind häufig weniger anfällig, da Gewinnrückgänge in einer Sparte von Zuwächsen in einem anderen Bereich ausgeglichen werden. Besonders wichtig ist, dass man das Geschäftsmodell des Unternehmens versteht und nachvollziehen kann, um z. B. Risiken zu erkennen und das Zukunftspotenzial leichter einschätzen zu können. Zudem sollten Unternehmen möglichst einem großen Index angehören.

Außerdem sollte geprüft werden, ob und wie konstant ein Unternehmen Dividende zahlt und ob es diese über einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren steigert. Und man sollte danach sehen, nicht nur "um den Kirchturm" herum zu investieren – sprich, sich nicht nur deutsche sondern auch Aktien von ausländischen Unternehmen anzusehen und ggf. zu kaufen, wenn die Kriterien erfüllt sind.

Schneidet ein Unternehmen bei der Bewertung in allen Punkte gut ab, kann überlegt werden, ob Anleger Aktien von der Firma erwerben möchten, da die Chance groß ist, dass sich die Kurse auf mittlere und vor allem lange Sicht positiv entwickeln, auch wenn das Börsenumfeld weiter volatil, also schwankend, bleibt.

Natürlich besteht auch bei guten Unternehmen das Risiko, dass es zu Kursrückgängen kommt. Diese dürften aber meist weniger heftig ausfallen und die Rückschläge werden oft schneller aufgeholt als bei Firmen, die die Qualitätskriterien nicht vollständig erfüllen. Und wer trotz guter Einschätzung eines Unternehmens weiter unsicher ist, sollte überlegen, ob er nur einen Teil seines Geldes für einen Kauf einsetzt und einen Teil zurückhält.

Dann kann man bei wider Erwarten statt findender Kursrückgänge billiger nachkaufen. Der Nachteil: Wenn die Kurse weiter steigen, ist man nur teilweise investiert und muss wieder entscheiden, ob man nachkauft oder abwartet.

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Jörgen Erichsen

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