Geldanlage

Was ist eigentlich der Hexensabbat?

geschrieben von Jörgen Erichsen

An vier Freitagen im Jahr schwanken die Aktienkurse oft noch mehr als sonst. Und häufig gibt es keine erkennbaren Ursachen für die Kursbewegungen, z.B. Nachrichten aus Unternehmen oder Wirtschaft. Grund für die Schwankungen an den Börsen ist der so genannte Hexensabbat, der auch als großer Verfalltag bezeichnet wird. Doch was genau ist der Hexensabbat und welche Folgen hat er für Privatanleger?

An jedem dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember des Jahres kommt es an den Börsen zum so genannten großen Hexensabbat. An diesen Tagen verfallen an der Terminbörse Eurex drei Kategorien von Derivaten: Um 12 Uhr verfallen Futures und Optionen auf die Stoxx-Indizes, um 14 Uhr verfallen die Futures und Optionen auf den Dax und TecDax. Um 13:05 Uhr verfallen Futures und Optionen auf den MDax. Um am Ende es Handelstages werden die Optionen auf Einzelaktien abgerechnet. Verfall bedeutet an der Börse, dass zu den genannten Zeiten die Preise festgestellt werden, mit denen die Optionen und Futures bewertet werden.

Die Rolle von Spekulation

Mit Derivaten spekulieren Börsenteilnehmer auf mögliche Kursveränderungen in der Zukunft und bewegen dabei hohe Geldvolumina. Wenn beispielsweise ein Händler mit einer Option darauf spekuliert, dass der Kurs einer Aktie zum Stichtag bei 100 Euro steht und der Kurs bewegt sich kurz vorher nur bei 95 Euro, wird er versucht sein, durch den Kauf der Aktie den Kurs nach oben zu treiben. Spekuliert ein Händler hingegen auf sinkenden Kurse, und hat er eine Option darauf abgeschlossen, dass die gleiche Aktie am Stichtag bei 90 Euro liegt, wird er versuchen, den Kurs durch den Verkauf der Papiere zu drücken.

Wird auf den Stand von Indizes spekuliert, vervielfältigen sich die Bewegungen sogar. Hat ein Händler eine Option auf den Stand des DAX zum Verfallstag von 10.400 Punkten geschlossen und liegt der Index kurz vorher noch darunter, kann er versuchen, gezielt Aktien mit einer hohen Gewichtung im Dax zu kaufen, z.B. Deutsche Telekom oder Daimler.

Kauft er genug Aktien, steigt der Index u.U. über 10.400 Punkte und er kann entsprechend Gewinne einfahren und umgekehrt. Da einige Marktteilnehmer auf steigende, andere auf fallende Kurse setzen, kommt es in der Regel am Hexensabbat zu größeren Kurskapriolen, die man kaum vorhersehen kann.

Privatanleger sollten vorsichtig agieren

Die Beispiele zeigen also, dass an diesen Tagen vor allem Profis aus Banken und Investmentgesellschaften aktiv sind, die über viel Kapital verfügen. Für Privatanleger bedeutet das: Finger weg! Sie sollten sich an Spekulationen mit Derivaten in keinem Fall beteiligen, da sie nur zum Spielball der Profis werden und können nur mit sehr viel Glück etwas Geld verdienen. Die Erfahrungen zeigen, dass man meist Kapital verliert. Und bei Derivaten ist das Risiko, den gesamten Einsatz zu verspielen, besonders groß. Denn anders als bei Aktien gibt es nicht "nur" Kursrückgänge, die Positionen verfallen am Stichtag komplett, wenn man in die falsche Richtung spekuliert hat. Wer unbedingt einmal "Zocken" möchte, sollte dies, wenn überhaupt nur mit einer kleinen Position tun, deren Verlust ihm nicht weh tut.

Privatanleger sollten an diesen Tagen aber auch mit dem Kauf von Aktien vorsichtig sein, bzw. strikte Kauflimits setzen, die durchaus etwas tiefer platziert werden können als üblich. Mit etwas Glück fallen die Kurse stärker als an anderen Tagen, und man kann Aktien guter Unternehmen preiswerter erhalten als sonst.

Bildnachweis: pixabay.com (lumpi) CC0 Public Domain

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Jörgen Erichsen

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