Geldanlage

Sind Aktien von Tabakkonzernen lukrativ?

geschrieben von Jörgen Erichsen

Tabakwaren sind in den letzten Jahren in Europa und den USA in Verruf geraten. Die Konzerne müssen immer mehr Anforderungen des Gesetzgebers erfüllen, wenn sie ihre Produkte verkaufen wollen. Stichwort zuletzt: Schockfotos auf Tabakpackungen. Dennoch geht es den großen Produzenten nach wie vor gut. Wird das so bleiben und können Kleinanleger immer noch Aktien von Tabakkonzernen kaufen?

Tabakwaren sind zum einen Genussmittel für Millionen Menschen. Zum anderen schaden sie nachweislich der Gesundheit. Tabakkonzerne müssen v. a. in Europa und den USA immer mehr Auflagen erfüllen, wenn sie ihre Produkte noch verkaufen wollen; beispielsweise müssen die Verpackungen mit Schockbildern kranker Menschen versehen werden. Auch die Werbung für Tabakwaren wird verboten oder deutlich eingeschränkt. Und in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und vielen Unternehmen darf überhaupt nicht mehr geraucht werden. Nicht zuletzt steigen auch die Preise für Zigaretten und Co. seit langem kontinuierlich.

In der Konsequenz gehen die Verkaufszahlen in Europa und den USA weiter zurück. In Deutschland lag der Konsum versteuerter Zigaretten 1991 noch bei gut 150 Mrd. Stück, 2014 belief er sich auf nur noch etwa 80 Mrd. Stück (Quelle: Statista). Ähnlich sieht es in anderen Industrienationen aus.

Trotz Einschränkungen gute Geschäfte

Dennoch steigen Aktienkurse, Umsatz und Gewinne großer Tabakkonzerne wie Altria, Phillip Morris oder British American Tobacco seit Jahren immer weiter. Der Kurs der Altria-Aktie beispielsweise hat sich in den letzten 25 Jahren fast verzehnfacht. Und alleine in den letzten beiden Jahren hat sich der Kurs beinahe verdoppelt (jeweils auf Dollarbasis). Wer jetzt Aktien von Tabakkonzernen kauft, erhält eine Dividende von immerhin gut 3 %. Und Altria schüttet seit mehr als 47 Jahren ununterbrochen eine Dividende aus und steigerte sie zuletzt zum 50ten Mal in Folge. Ähnlich sieht es bei anderen Tabakkonzernen aus.

Wichtig: Die Nennung von Unternehmen stellt ausdrücklich keine Kaufempfehlungen dar, sondern dient dazu, die Ausführungen zu verdeutlichen.

Privatanleger sollten vorsichtig reagieren

Aber sollten gerade Privatanleger vor dem geschilderten sich verschlechternden Umfeld für Tabakwaren noch Aktien von Tabakunternehmen kaufen? Neben den schlechten Nachrichten gibt es nämlich auch positive Meldungen. Zum einen können die Konzerne in Asien und anderen Ländern noch relativ problemlos Zigaretten verkaufen. Auch die Weltbevölkerung steigt, sodass zu erwarten ist, dass sich der Rückgang des Konsums weltweit in Grenzen halten wird. Durch ein zunehmend besseres Gesundheitssystem erhöht sich die Lebenserwartung der Menschen, sodass Raucher trotzt der negativen Tabakfolgen länger leben und konsumieren.

Statistisch gesehen raucht ein Raucher über einen Zeitraum von rund 30 Jahren. Und da Tabak süchtig macht, werden Preiserhöhungen, Schockbilder usw. weitgehend klaglos hingenommen. Außerdem trägt die intensive Lobbyarbeit der Konzerne dazu bei, dass es nicht zu noch größeren Einbrüchen bei den Verkaufszahlen kommt. Nicht zuletzt verkaufen Tabakkonzerne mehr als nur Zigaretten. Unter anderem gehören auch Bier, Kau- und Schnupftabak zum Portfolio, auch wenn diese Bereiche oft nur wenige Prozent zu Umsatz und Gewinn beitragen.

Zwar ist damit nicht garantiert, dass es den Konzernen auch in den nächsten zehn und mehr Jahren gut gehen wird – es kann auch zu größeren Kursrückgängen kommen –, die Wahrscheinlichkeit ist aber nicht sehr hoch. Interessierte Privatanleger können also überlegen, einen kleinen Teil ihres Kapitals in den Kauf von Aktien von Tabakunternehmen zu investieren, sollten die Geschäftsentwicklung aber genau beobachten, um im Falle eines Falles frühzeitig reagieren zu können.

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Jörgen Erichsen

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