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Schlechte Hedge Fonds-Bilanz 2004: -21% in 6 Monaten

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geschrieben von experto.de

Seit Anfang des Jahres hat die „Zukunft des Investierens“ begonnen. Seitdem sind Hedge Fonds in Deutschland offiziell zugelassen. Und diese Einführung ist von Seiten der Fondsgesellschaften ein Erfolg. Das macht der Blick in die Statistiken deutlich. Laut Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) führten Hedge Fonds im Mai mit Zuflüssen von 409 Millionen Euro die Absatzliste bei Publikumsfonds an. Damit flossen 37% der neuen Mittel in Hedge Fonds.

Hedge Fonds – The future of investing?
Ich bin mir aber nicht sicher, ob Hedge Fonds nun wirklich die Zukunft des Investierens sind. Vergangene Woche flatterte mir eine Bilanz von Quadriga, einem großen Hedge-Fonds-Anbieter, auf den Tisch. Dieses Unternehmen wirbt mit dem Slogan "The future of investing". Die Bilanz für das erste Halbjahr fällt allerdings ernüchternd aus. Und bei diesen Zahlen ist die Frage, ob  dies wirklich die Zukunft des Investierens ist, durchaus berechtigt:

Der Superfund A ist erst seit dem 01. Oktober 2003 auf dem Markt. Allerdings gibt es einen Vergleichsfonds mit erfolgreicher Vergangenheit. Der Superfund A arbeitet nach der  gleichen Strategie wie der Vorgänger Quadriga AG.

Dieser hat über 8 Jahre einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 22,27% pro Jahr erzielt. Momentan sehen die Zahlen allerdings anders aus: 5 Monaten mit Verlusten stehen 4 Monate mit Gewinn gegenüber. Das klingt noch nicht dramatisch. Aber: Allein im April verlor der Superfund A 17,51% an Wert. Rechnet man die bisher erzielte Performance auf das Jahr um, ergibt sich ein Verlust von 20,83%.
Übrigens ist der Superfund A der Fonds mit dem geringsten Risiko. Die hochgerechnete Schwankungsbreite beträgt aktuell 30%. Bei dem sehr viel risikoreicheren Superfund C beträgt die Volatilität sogar 58%.
Blicken wir doch zum Vergleich mal auf den Aktienmarkt. Der hat sich in diesem Jahr kaum bewegt. Der Dax steht immer noch bei 4.000 Punkten, wie auch schon zu Beginn des Jahres.
In einer solchen Marktlage suchen viele Investoren nach Alternativen. Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit einem Leser. Er brachte den Vorteil von Hedge Fonds direkt auf den Punkt: "Hedge Fonds können doch sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten gewinnen." Daher seine Frage: "Warum stehen einige Hedge Fonds derzeit so schlecht da?" Nun die Antwort ist einfach: Weil an den internationalen Börsen nicht viel passiert. In solchen Marktphasen laufen einige Hedge-Fonds-Strategien ins Leere.
Fakt ist: Bei einem direkten Indexinvestment in den DAX in Höhe von 10.000 Euro hätten Sie keinen Gewinn erzielt – aber auch keinen Verlust. Sie hätten noch annähernd 10.000 Euro auf Ihrem Konto. Hätten Sie hingegen im Januar die gleiche Summe in den Superfund A gesteckt, hätten Sie in diesem Jahr 13,6% verloren. Von Ihren 10.000 Euro wären nur noch 8.640 Euro übrig.
Hedge Fonds sollen das eigene Depot absichern. Doch das können Sie auch: Mischen Sie Ihr Depot selbst. Verteilen Sie Ihre Anlagen auf mehrere Körbe. Damit meine ich nicht nur verschiedene Aktien. Sondern vor allem auch verschiedene Anlageklassen, wie z.B. auch Anleihen. Damit können Sie das Anlagerisiko verringern und Ihre Renditechancen erhöhen.
Was machen denn nun Hedge Fonds?
Viele Hedge Fonds halten zunächst einmal einen hohen Anleihenanteil. Mit einem kleinen Depotanteil von maximal 30% setzt das Management dann auf kurzfristige Chancen, also auf steigende oder fallende Märkte. Keine Frage: Hedge Fonds sind eine Möglichkeit, hohe Renditen zu erzielen.
Aber Sie sollten immer das Risiko bedenken. Hinzu kommt noch ein wichtiger Punkt: Trotz aller Transparenz bleiben Hedge Fonds immer ein wenig undurchsichtig, man spricht da auch von einer Black Box. Sie geben Ihr Geld in etwas rein, wo Sie nicht genau durchschauen können, was damit passiert.
Gut, würden sich die Anbieter komplett öffnen, wäre das Geheimnis weg. Geheimnis ist in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort. Ich meine die Strategie, und die steckt hinter den meisten Fonds, das will ich gar nicht bezweifeln.
Wenn eine hohe Rendite dabei herauskommt, fragen Sie als Kunde auch nicht unbedingt nach der Herkunft. Doch die Halbjahresbilanz von Quadriga gibt mir zu denken. Der sicherste der drei Superfunds hat in den ersten 6 Monaten eine Rendite von –13,6% erzielt, allein im Juni verlor der Fonds mehr als 8% an Wert. Beim risikoreicheren Superfund C beträgt der Verlust seit Jahresbeginn sogar 28,8%.
Bei diesen Werten ist klar: Hedge Fonds sind nur als Depot-Beimischung zu empfehlen.

Über den Autor: Heiko Böhmer ist Chefredakteur des Privatfinanz-Letters.

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