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Schiffsbeteiligungen: Grundlagen, Fakten und Wissenswertes

geschrieben von Sven Bayer

Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen die Schiffsbeteiligung als Kapitalanlage vorstellen und Ihnen die wesentlichen Kriterien nahe bringen, die bei der Auswahl und der Beurteilung der Qualität dieser Anlageform entscheidend sind.

Grundsätzlich sind Schiffsbeteiligungen unternehmerische Beteiligungen mit entsprechenden Chancen und Risiken. Der Kapitalanleger wird Miteigentümer eines Schiffes und hat damit die Möglichkeit am potenziellen Wachstum des Welthandels zu partizipieren. Die Risiken können durch eine solide Konzeption, genaue Analyse der Investitionsmärkte, niedrige Baupreise und erfahrene Partner erheblich gemindert werden.

Was ist eine Schiffsbeteiligung?
Schiffsbeteiligungen sind eine eigene Anlageklasse, die sich unabhängig von Wertpapiermärkten entwickelt. Gleichzeitig bietet die Schiffsbeteiligung durch die Investition in Sachwerte beständige Vermögenswerte. Der Anleger kann so mittels einer Investition in eine Schiffsbeteiligung und der daraus resultierenden Verteilung der Investitionsrisiken das Chancen-/Risikoverhältnis seines Portfolios erheblich verbessern.

Darüber hinaus profitiert er von den Vorteilen der Tonnagesteuer, die es ihm erlauben, hohe Ausschüttungen weitgehend steuerfrei und ohne Anrechnung auf die Sparerfreibeträge zu vereinnahmen. Schiffsbeteiligungen sind somit eine ideale Ergänzung zur Diversifizierung des Anlageportfolios.

Konzipiert werden Schiffsbeteiligungen in aller Regel als geschlossene Fonds, d. h. Gesellschaften, die das Fondskapital von zahlreichen renditeorientierten Anlegern einsammeln. Dadurch können sich Einzelanleger auch an großen Investitionsprojekten wie Seeschiffen beteiligen. Der Anleger wird dabei Kommanditist einer Kommanditgesellschaft (i.d.R. einer GmbH & Co. KG).

Die Haftung ist grundsätzlich auf die Höhe der Einlage begrenzt. Der Anleger partizipiert entsprechend seinem Anteil an den wirtschaftlichen und steuerlichen Ergebnissen des Investitionsobjektes, an dem er sich i. d. R. alleine nicht hätte beteiligen können.

Die Kommanditgesellschaft erwirbt ein Schiff bzw. vergibt einen Neubauauftrag und verchartert es auf dem internationalen Schifffahrtsmarkt. Dadurch werden Einnahmen erzielt, aus denen die Betriebskosten, Zinsen, Tilgung des Schiffshypothekendarlehens sowie die Kosten der Gesellschaft beglichen werden. Aus darüber hinaus vorhandenen liquiden Überschüssen werden laufende, jährliche Auszahlungen geleistet. Die Rendite des Kapitalanlegers errechnet sich somit aus seiner Kapitaleinzahlung und den jährlichen Ausschüttungen inklusive der Ausschüttung bei Veräußerung des Schiffes.

Sind alle Anteile der Fondsgesellschaft an Anleger platziert, wird der Fonds geschlossen, d.h. der Anlegerkreis ist limitiert. Dies unterscheidet geschlossene von offenen Fonds (deren Fondsvolumen variabel ist).

Einflussgrößen einer Schiffsbeteiligung
Der wirtschaftliche Erfolg einer unternehmerischen Beteiligung ist von der Entwicklung der wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sowie einer Vielzahl einzelner, sehr unterschiedlicher Einflussgrößen abhängig. Zu diesen gesamtwirtschaftlichen Faktoren zählen im Wesentlichen die Entwicklung der internationalen Schifffahrtsmärkte, die Entwicklung am Frachten- und Chartermarkt für Containerschiffe sowie die Nachfrage nach Transportkapazitäten für Container.

Es muss beachtet werden, dass insbesondere die Charterraten Marktschwankungen unterliegen, die sich nach Angebot und Nachfrage im jeweiligen Marktsegment ergeben.

Die Partner einer Schiffsbeteiligung
Schiffsbeteiligungen sind unternehmerische Investitionen mit vielschichtigen Chancen und Risiken, die in einem ausgewogenen Verhältnis stehen sollten. Es handelt sich um eine Anlageform mit Laufzeiten von 10-18 Jahren. Für eine werthaltige Investition ist die Auswahl der Partner von großer Bedeutung.

Emissionshaus
Ein Emissionshaus führt die unterschiedlichen beteiligten Partner einer unternehmerischen Beteiligung, wie z. B. Reeder, Werften, Charterer und Wirtschaftsprüfer in einem Gesamtkonzept zusammen, prüft die steuerlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und erstellt ein Gesamtkonzept.

Nach Erstellung des Emissionsprospektes wird das Beteiligungsangebot bei privaten und institutionellen Anlegern platziert, die von qualifizierten Beratern vor Ort (z. B. freien Wirtschaftsberatern, Banken und Sparkassen) betreut werden.

Werft
Die Werft bekommt von der Schifffahrtgesellschaft einen Neubauauftrag und baut das Schiff.

Reeder
Der Reeder ist gegen eine Bereederungsgebühr für das Management des Schifffahrtsbetriebes verantwortlich und dabei insbesondere für die Besatzung, den technischen Zustand des Schiffes, das Finanzmanagement, die Versicherungen sowie die Charterverhandlungen.

Charterer
Der Charterer mietet den Frachtraum des Schiffes und ist für dessen Auslastung zuständig. In der Regel trägt der Charterer auch die Brennstoffkosten und Prämien für sog. Kriegsversicherungen. Ist eine lange Festcharterzeit vereinbart, ist die  Beschäftigung des Schiffes für den entsprechenden Teil der Laufzeit der Beteiligung bereits gesichert.

Bank
Die Bank stellt gegen Eintragung einer Schiffshypothek das Fremdkapital zur Finanzierung des Investitionsobjektes zur Verfügung. Außerdem sind meistens größere Anzahlungen für das Schiff zu einem Zeitpunkt zu leisten, an dem das Kommanditkapital noch nicht eingeworben sein kann. Bis zum Zeitpunkt der Vollplatzierung gewährt die Bank daher i. d. R. ein Zwischenfinanzierungsdarlehen für das noch ausstehende Kommanditkapital. Tilgungen und Zinszahlungen erfolgen aus Chartereinnahmen der Schifffahrtsgesellschaft.

Anleger
Der Anleger beteiligt sich direkt oder treuhänderisch an der Kommanditgesellschaft und partizipiert am wirtschaftlichen Erfolg des Schifffahrtsunternehmens. Mit der Unterzeichnung der Beitrittserklärung und der Annahme des Angebots durch die Treuhänderin tritt der Anleger rechtsgültig der Fondsgesellschaft bei. Als  Kommanditist ist der Anleger direkt im Handelsregister der Schifffahrtsgesellschaft eingetragen und übernimmt auch im Außenverhältnis seine Kommanditeinlage. Als Treugeber ist der Anleger nicht im Handelsregister eingetragen, sodass die Treuhandgesellschaft die jeweilige Kapitaleinlage im Außenverhältnis übernimmt.

Mittelverwendungskontrolleur
Der unabhängige Mittelverwendungskontrolleur gewährleistet, dass das Kapital der Gesellschaft zweckgebunden und gemäß dem prospektierten Investitionsplan verwendet wird.

Treuhänderin
Die Treuhänderin fungiert als Schnittstelle zwischen Reedereien, Banken, Vertriebspartnern und den Anlegern. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten steht die Wahrnehmung der Interessen der Investoren gegenüber den Fondsgesellschaften.

Außerdem gewährleistet die Treuhänderin ein laufendes intensives Controlling der Schifffahrtsgesellschaften. So werden die Bilanzen, Vorschauen, Budgets und Planrechnungen der Fondsgesellschaften kontinuierlich vergleichend analysiert, um bei etwaigen Abweichungen von den Plandaten korrigierend Einfluss auf die Entscheidungen des Fondsmanagements zu nehmen.

Eine weitere Aufgabe der treuhänderischen Verwaltung besteht in der zeitnahen und umfassenden Information der Investoren über alle für sie relevanten wirtschaftlichen und steuerlichen Rahmendaten. Diese intensive Betreuung gibt den Anlegern die Sicherheit, dass sich ihre Investition auch in Zukunft bestmöglich entwickeln wird.

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Sven Bayer

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