Geldanlage

Aktienanlage – Sind Dividenden der neue Zins?

geschrieben von Jörgen Erichsen

Wichtige Notenbanken haben in den letzten Monaten beschlossen, die Leitzinsen nicht anzuheben. Für Anleger bedeutet das, dass sie weiter nur extrem geringe Zinsen erhalten, wenn sie ihr Geld in Anleihen oder Festgeld investieren. Hingegen zahlen viele gute Unternehmen seit mehr als 100 Jahren Dividenden, die sie oft auch noch Jahr für Jahr steigern. Sind Dividenden deshalb der neue Zins für Anleger?

Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass Unternehmen schon seit mehreren hundert Jahren Dividenden zahlen. Und viele Konzerne, allen voran aus den USA oder Kanada, zahlen schon seit deutlich mehr als 100 Jahren ununterbrochen eine Dividende und heben sie sogar fast jedes Jahr ein wenig an. Ein besonders zuverlässiges Unternehmen in dieser Hinsicht ist die in Deutschland selbst Experten kaum bekannte Bank of Nova Scotia. Sie zahlt seit mehr als 180 Jahren immer eine Dividende und steigert sie sogar fast jährlich. Nur in der letzten Wirtschaftskrise wurden die Auszahlungen stabil gehalten.

Auch Emerson, ein hier weit gehend unbekannter Konzern, der u. a. Klimaaggregate herstellt, zahlt seit fast 70 Jahren ununterbrochen Dividenden und erhöht sie seit 1957 jedes Jahr. Auch Firmen wie 3M, Altria, Coca-Cola oder Johnson & Johnson weisen ähnliche Entwicklungen auf. Die Dividendenrenditen vor Steuern betragen dabei oft 3-4 %, teilweise liegen sie sogar darüber. Und die Liste ließe sich leicht und problemlos fortsetzen, wobei es in Europa nur wenige Unternehmen mit solch stolzen Zahlen und Trends gibt. Das Thema Dividendenkontinuität und –steigerung spielt (immer noch) keine so wichtige Rolle. Ausnahmen gelten u. a. für Firmen wie Nestlé, BASF oder Unilever.

Wichtig: die Nennung von Unternehmen stellt ausdrücklich keine Kaufempfehlungen dar, sondern dient ausschließlich dazu, die Ausführungen zu verdeutlichen.

Warum tun sich dann gerade in Deutschland viele Menschen schwer damit, Aktien erfolgreicher Unternehmen zu kaufen? Das hat zum einen damit zu tun, dass die Menschen hierzulande lieber auf "sichere" Anlagen setzen, etwa Staatsanleihen.

Damit lässt sich im Moment – und wohl auf absehbare Zeit – zwar kein Geld verdienen, aber man erhält das eingezahlte Kapital mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück. Zum anderen haben viele Menschen immer noch mit den Verlusten der einstigen "Volksaktie" Deutsche Telekom zu kämpfen und übertragen die damals gemachten Erfahrungen auf die heutige Situation. Hinzu kommt, dass die nicht abreißende Flut schlechter Nachrichten kein Umfeld ist, in dem man vermeintliche Risikoinvestments eingeht. Wer aber besonnen agiert und einige Regeln beachtet, wird mit dem Kauf von Aktien von Qualitätsunternehmen langfristig viel Geld verdienen können.

Denn Studien zeigen immer wieder, dass Aktien langfristig in Sachen Rendite (Kursentwicklung und Dividende) unschlagbar sind. Indizes wie DAX oder Dow-Jones weisen jährliche Renditen von 8,5 % (DAX) bis gut 11 % (Dow-Jones) auf. Wichtig ist, dass man als Anleger nicht "alles auf eine Karte" setzt, wie es z. B. viele Anleger zu Zeiten der Emission der "Volksaktie" getan haben. Das kann gut gehen, birgt aber extreme Risiken, wenn es z. B. zu Kurseinbrüchen in einer Branche oder bei einer Aktie kommt, was immer möglich ist.

Und es gibt sicher an der Börse auch mehrjährige Phasen, in denen man kaum Kursgewinne erzielen kann. Da bleibt als "Trostpflaster" immer noch die Dividende, wenn man gute Unternehmen ausgewählt hat. Denn diese zahlen meist auch in Phasen, in denen es wirtschaftlich einmal nicht ganz so gut läuft, wie die zuvor genannten Beispiele zeigen.

Und auch Anleger mit schmalem Geldbeutel, für die ein Engagement in Einzelaktien nicht in Betracht kommt, können profitieren, indem sie z. B. Fonds, so genannte ETF kaufen, die breit streuen und ausschließlich in Qualitätsunternehmen investieren. Viele dieser Fonds schütten ihrerseits eine Dividende aus, sodass man als Anleger auch bei einer "indirekten" Investition eine gute Verzinsung und somit ein regelmäßiges Einkommen erreichen kann.

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Jörgen Erichsen

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