Geldanlage

Aktienanlage – Mit Gewinn in China investieren?

geschrieben von Jörgen Erichsen

China ist auf dem Weg, die größte Wirtschaftsnation der Erde zu werden. Die Wirtschaft wächst seit Langem, und das mit zum Teil zweistelligen Prozentwerten. Auch der Aktienmarkt hat sich in den letzten Jahren extrem gut entwickelt. Was also liegt näher, als sich chinesische Aktien zu kaufen, um unmittelbar von der Entwicklung profitieren zu können?

Anleger, die vom Boom in China profitieren möchten, sollten sich sehr genau überlegen, ob sie direkt im Land investieren möchten, nicht nur wegen der teilweise noch immer gültigen Handelsschranken. Denn aktuell rutschen die Kurse an den chinesischen Börsen mit großer Geschwindigkeit in den Keller. Experten sprechen von massiven Einbrüchen, einige von einem Crash. Richtig ist, dass der Leitindex in Schanghai seit Juni um rund 1.500 Punkte auf etwa 3.600 Punkte mehr als deutlich gefallen ist.

Richtig ist auch, dass er vor gut einem Jahr noch bei 2.000 Punkten gestanden hat. Also können sich Anleger, die vor einem Jahr investiert waren, noch über Kursgewinnen von mehr als 70 Prozent freuen. Richtig ist ebenso, dass die Kurse chinesischer Aktien oft extrem schwanken. Das ist zu großen Teilen darauf zurückzuführen, dass es am dortigen Markt relativ viele Spekulanten gibt, die die Kurse kurzfristig deutlich nach oben oder unten "pushen" können.

Wer also auf stabile Kurs- und Wertentwicklungen setzt, sollte sich genau überlegen, ob er die Risiken, die sich mit einem Direktinvestment in China eingeht, tragen kann – und will. Denn wie es kurzfristig, mit Blick auf die kommenden drei bis sechs Monate weitergehen wird, kann niemand genau sagen.

Fakt ist nicht zuletzt, dass die Wirtschaft in China trotz aller Börsenunwetter weiter wachsen wird, schließlich leben dort mehr als 1,3 Mrd. Menschen, die sich mit allen möglichen Gütern und Dienstleistungen versorgen wollen. Allerdings wird das Wachstum wohl nicht mehr mit zweistelligen Raten erfolgen, sondern wahrscheinlich "nur" noch mit 6-7 Prozent, so die Ansicht vieler Marktbeobachter. Im Vergleich zu Wachstumszahlen westlicher Staaten ist das immer noch eine sehr hohe Rate.

Wer vom Wirtschaftswachstum in China profitieren will, sollte eine andere Strategie wählen und Aktien von Weltkonzernen kaufen, die sich schon lange an den Märkten bewiesen haben. Die auch – aber eben nur teilweise – in China aktiv sind, und vom dortigen Wachstum profitieren, etwa Firmen wie Coca-Cola, YUM-Brands, Starbucks, Unilever, Nestle, BASF, VW, Daimler oder Airbus (Wichtig: die Nennungen stellen ausdrücklich keine Kaufempfehlungen dar, sondern dienen nur dazu, die Lage mit Beispielen zu erläutern).

Natürlich betreffen rückläufige bzw. geringere Wachstumsraten auch Weltkonzerne, die in China verkaufen. Und je höher der Exportanteil ist, desto mehr werden die Multis zu kämpfen haben. Aber dadurch, dass die Konzerne eben nur einen Teil ihrer Gewinne in Ländern wie China erzielen, wird das Risiko erheblich gemildert. Und ebenso haben schlechte Nachrichten aus China vor allem kurzfristig zur Folge, dass auch die Kurse an anderen Börsenplätzen der Welt zurückgehen, wie die vergangenen Wochen z. B. bei DAX und Co. gezeigt haben.

Dennoch: wer Unternehmen sorgfältig nach den mehrfach genannten Kriterien wie langfristige Kurs-, Umsatz- und Gewinnwachstumsraten, sich allgemein stabil entwickelnde Branchen, Zugehörigkeit zu wichtigen Indizes usw., wird sich auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit über weitere Kurszuwächse und Dividendenzahlungen freuen können.

Wer keine Einzelaktien kaufen möchte (weil ihm die Unsicherheiten dennoch zu hoch sind) oder kann (etwa, weil er aktuell zu wenig Geld hat), sollte ETF (Exchange Trades Funds, passiv gemanagte Fonds) von Gesellschaften erwerben, die eine sehr breite Streuung aufweisen, etwa einen ETF, der auf den MSCI World (Globaler Index mit Aktien aus mehr als 20 Staaten) setzt, oder auf ETF, die nicht nur in Aktien, sondern auch in andere Wertpapiere, z. B. Rentenpapiere, investieren.

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Jörgen Erichsen

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