Aktien & Börse

Sollte man jetzt Aktien von Ölunternehmen kaufen?

geschrieben von Jörgen Erichsen

Was Verbraucher erfreut, belastet mitunter Aktionäre. Aktuell können sich Konsumenten über niedrige Spritpreise freuen. Aktionäre, die in Ölaktien investiert haben, werden sich vermutlich eher ärgern, da die Kurse dieser Unternehmen in den letzten Monaten arg unter die Räder gekommen sind. Lohnt es sich dennoch, Aktien der Öl-Multies zu kaufen?

Fakt ist, dass sinkende Rohölpreise wie in der aktuellen Phase die Gewinnsituation der großen Ölkonzerne, wie Exxon, Total oder Shell belasten.

Die Auswirkungen der niedrigen Ölpreise

Niedrige Ölpreise bedeuten niedrigere Umsätze und am Ende Gewinne. Sie haben auch zur Folge, dass wichtige Investitionen nicht mehr durchgeführt oder zumindest zurückgestellt werden, da sie sich in der aktuellen Phase nicht rentieren. Dadurch leidet langfristig oft die Wettbewerbsfähigkeit. In der Folge gibt es oft deutlich schlechtere Zahlen, als viele Analysten erwartet haben.

Und je länger eine für einzelne Branchen kritische Phase andauert, desto schlechter wird die Stimmung und die Aktionäre kehren den Unternehmen den Rücken zu. Die betroffenen Unternehmen versuchen u.a. mit Kostensenkungen gegenzusteuern und betonen, dass sie alles versuchen wollen, die aktuellen Dividenden weiter zu zahlen, um nicht noch mehr Anleger zu vergraulen.

Und eines wird in dieser Lage von den kritischen Meldungen und Nachrichten gerne vergessen: die Konzerne verdienen unter Umständen weniger als bisher, erzielen aber immer noch Milliardengewinne.

Der Trend der nächsten Jahre

Was also sollen Anleger tun? Verkaufen? Halten? Kaufen? Dazu ein paar Informationen zur Situation an den Energiemärkten. Alle Prognosen gehen weiterhin davon aus, dass die Nachfrage nach Erdöl in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hoch bleibt und weiter wachsen wird. Die OPEC z. B. prognostiziert, dass der tägliche Ölverbrauch von heute rund 93 Mio. Barrel auf etwa 110 Mio. Barrel im Jahr 2040 steigen wird. Dass die weltweite Nachfrage nach Öl steigt, bestätigt auch die Internationale Energieagentur. Nach ihren Informationen war die Nachfrage zuletzt so hoch wie seit rund fünf Jahren nicht mehr.

Zwar spricht wenig dafür, dass der Ölpreis in den nächsten Monaten deutlich steigen wird. Allerdings muss mittelfristig sehr wohl mit einer nachhaltigen Verteuerung gerechnet werden. Und dann kann sich das Bild bei den großen Öl-Multies schnell ändern.

In der aktuellen schwierigen Phase werden nicht nur Kosten reduziert, sondern auch geprüft, welche Ausgaben unnötig sind, welche Abläufe verbessert werden können und von welchen weniger lukrativen Geschäftsbereichen man sich trennen kann. Spätestens mit der Trendwende beim Ölpreis ist damit zu rechnen, dass die Kurse der Multies wieder deutlich anziehen werden.

Tipps für Anleger

Anleger, die bereits investiert haben, sollten die Aktien tendenziell halten, wenn das Geld nicht gebraucht wird, zumal sie ja als "Entschädigung" für den Durchhänger bei den Kursen nach wie vor attraktive Dividenden erhalten.

Etwas risikofreudigere Anleger können auch überlegen, gerade jetzt Aktien von Ölkonzernen zu kaufen. Die Dividendenrenditen sind beim aktuellen Niveau durchaus sehenswert. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass der Ölpreis zumindest kurzfristig weiter sinken kann, was die negative Entwicklung verstärkt. Und es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wann die Trendwende bei den Ölpreisen einsetzen wird. Insofern sollten Ölaktien immer nur einen Teil des Gesamtportfolios ausmachen und sie sollten gegenüber anderen Branchen nicht übergewichtet werden.

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Jörgen Erichsen

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