Aktien & Börse

Hedge-Fonds und was dahinter steckt

geschrieben von Sven Bayer

Was ist ein Hedge-Fonds? „Hedge“ kommt aus dem Englischen und heißt „Hecke“ (symbolisch: Schutz). Genauso wie Hecken ein Grundstück schützen, nutzen Hedge-Fonds oft Instrumente, die ursprünglich nur zur Absicherung eines Portfolios verwendet wurden. Wie alle Investmentfonds streben auch Hedge-Fonds danach, das Kapital ihrer Anleger zu mehren. Ziel ist dabei aber nicht, einen Index zu übertreffen, sondern stets eine positive Rendite zu erreichen – auch in fallenden Märkten. Hedge Fonds können fast alle denkbaren Anlageformen nutzen. Dadurch sind sie deutlich flexibler als traditionelle Investmentfonds.

Anlageerfolg abhängig von Fähigkeiten des Managers
Ein traditioneller Aktienfonds ist in hohem Maße vom Markt abhängig: Gehen die Kurse an der Börse nach unten, dann kann auch die Fondsperformance in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Wertentwicklung eines Hedge-Fonds beruht dagegen stärker auf der Fähigkeit seines Managers: Weil ihm ein breiteres Spektrum von Anlageinstrumenten zur Verfügung steht, hat er auch in schlechten Börsenzeiten die Möglichkeit, positive Renditen zu erzielen.

Ist Hedge-Fonds gleich Hedge-Fonds?
Hedge-Fonds gibt es in unterschiedlichen Verpackungen: Single-Hedge-Fonds werden von einem Manager verwaltet und gehen zumeist einer einzigen Strategie nach. Anleger, die Single-Hedge-Fonds kaufen wollen, sollten über Erfahrung und über exzellente Finanzkenntnisse verfügen. Denn einzelne Strategien können deutlich risikoreicher sein, als eine Bündelung vieler Strategien. In Deutschland dürfen Single-Hedge-Fonds nicht öffentlich vertrieben werden.

Dach-Hedge-Fonds investieren in viele verschiedene Single-Hedge-Fonds (auch Ziel-Hedge-Fonds genannt). Ihr Portfolio ist also breit gestreut und deswegen weniger risikoreich als ein Single-Hedge-Fonds allein. Seit Januar 2004 können in Deutschland Privatanleger Anteile an Dach-Hedge-Fonds kaufen.

Welche Risiken bergen Hedge-Fonds?
Hedge-Fonds können einträgliche Gewinne erwirtschaften. Damit sind aber auch Risiken verbunden:

Leerverkäufe funktionieren bei fallenden Kursen
Geht ein Manager von fallenden Kursen aus, verkauft er Wertpapiere, die er noch gar nicht besitzt. Sein Ziel: das Papier später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und so einen Gewinn zu erzielen. Steigen die Kurse jedoch, so muss er den nunmehr höheren Preis bezahlen und erleidet einen unter Umständen erheblichen Verlust.

Hebel wirken in beide Richtungen
Hedge-Fonds nehmen zur Verbesserung der Rendite ihrer Investitionen oft Fremdkapital auf. Die Fremdfinanzierung kann dabei das Fondsvermögen um ein Mehrfaches übersteigen. Durch diesen Hebel können aus kleinen Gewinnen große Gewinne werden. Umgekehrt wird aber auch aus einem Verlust ein großer Verlust.

Derivate sind abhängig vom Basiswert
Derivate verbriefen z. B. das Recht, eine Aktie bis zu einem bestimmten Tag zu einem festgelegten Kurs zu kaufen. Der Wert des Rechts ist direkt abhängig vom Kurs des Basiswertes, also der Aktie. Derivate können an Aktien, Anleihen, Währungen, Indizes oder auch an Rohstoffe gekoppelt sein. Neben überproportionalen Gewinnchancen ist beim Handel in Derivaten ein Totalverlust nicht auszuschließen.

Währungskurse können stark schwanken
In den vergangenen Jahren wiesen die Devisenkurse sehr starke Schwankungen auf. Die Kombination aus dieser hohen Volatilität und der Aufnahme von Fremdkapital (Leverage) bringt ein großes Gewinnpotenzial mit sich. Sie ist jedoch gleichzeitig mit einem beträchtlichen Verlustrisiko verbunden.

Warentermingeschäfte – ein volatiler Markt
An den Warenterminbörsen werden z. B. Gold, Rohöl aber auch Schweinebäuche gehandelt. Ein Hedge-Fonds-Manager benötigt hier sehr gute Spezialkenntnisse, um erfolgreich zu sein, denn der Markt ist sehr volatil: Er unterliegt dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage genauso wie dem politischen Klima, der Konjunktur oder auch dem Wetter.

Unternehmen mit Risiko
Einige Strategien spezialisieren sich auf Wertpapiere von Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Oft befinden sich diese Firmen inmitten einer grundlegenden Umstrukturierung. Der Hedge-Fonds geht damit sozusagen ein unternehmerisches Risiko ein. Hat er die Erholungschancen der Firma falsch eingeschätzt, drohen empfindliche Verluste.

Wie kann ich diese Risiken verringern?

  • Das Streuen über verschiedene Strategien und Manager hinweg reduziert üblicherweise das Risiko. Dach-Hedge-Fonds sind hierfür gut geeignet.
  • Setzen Sie auf Erfahrung, und achten Sie darauf, dass der Manager Ihres Hedge-Fonds sein Geschäftsfeld seit langen Jahren gut kennt.
  • Nutzen Sie Hedge-Fonds als Beimischung, nicht als Hauptbestandteil ihres Portfolios.
  • Nehmen Sie keine Kredite auf. Legen Sie nur Geld an, das sie haben und dessen Verlust Sie verkraften können.
  • Lassen Sie sich vom Berater Ihres Vertrauens beraten, inwieweit Hedge-Fonds in Ihre persönliche Anlagestrategie passen und welche konkrete Lösung für Sie sinnvoll ist.

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Sven Bayer

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