Aktien & Börse

Diese 8 Branchen und ihre Aktien sind vom Ölpreisverfall betroffen

geschrieben von Jörgen Erichsen

Der Ölpreis kennt derzeit scheinbar nur einen Weg: nach unten. Der Preisverfall soll nach Expertenmeinung noch länger andauern. Analysten gehen sogar davon aus, dass der Preis je Barrel in Richtung 20 US Dollar gehen wird. Für Aktionäre wichtig: Welche Unternehmen profitieren, welche haben Nachteile? Welche Aktien sind vom Ölpreisverfall betroffen?

Die Welt benötigt auf absehbare Zeit nach wie vor Öl. Ohne das "schwarze Gold" ist Wirtschaftswachstum und Wohlstand nicht denkbar. Und weiterhin fehlen die Alternativen zum "Schmierstoff der Welt." Denn Öl wird nicht nur als Treib- und Brennstoff für Motoren und Heizungen benötigt, es fließt auch als Rohstoff in viele Produkte ein, z. B. in Verpackungen, Möbel, Fernseher, Kleidung oder Medizinprodukte.

Obwohl Öl also in nahezu allen Produkten enthalten ist oder zur Bereitstellung in immer stärkerem Umfang benötigt wird und der Rohstoff endlich ist, verfällt der Preis zumindest im Moment immer weiter. Gründe hierfür sind:

  • Das schwächere Wachstum in Schwellenländern: Beispielsweise geht das Wirtschaftswachstum in China, dem größten Ölverbraucher weltweit, seit einiger Zeit zurück.
  • Gleichzeitig gibt es keine Förderungsbegrenzung: Die OPEC-Länder, die wichtigsten Ölförderer, können sich nicht dazu durchringen, ihre Öl-Förderung zu begrenzen, was die Preise wieder nach oben treiben würde. Es sieht sogar danach aus, dass der Iran demnächst, wenn die Sanktionen gegen ihn aufgehoben werden, seine Kapazitäten voll ausschöpfen und somit das Angebot noch einmal ausweiten wird. Ähnliches gilt für Russland, das auf Grund fehlender anderer Einnahmequellen gezwungen ist, viel Öl zu fördern und zu verkaufen.
  • Die Lager in vielen Ländern der westlichen Welt voll.

Diese Aktien gewinnen durch den Ölpreisverfall

Wie immer bei Preisentwicklungen wichtiger Rohstoffe gibt es Gewinner und Verlierer. Auf der Gewinnerseite stehen alle Unternehmen, die viel Öl bzw. viele Ölprodukte oder Kunststoffe verarbeiten. Zu den Aktien, die durch den Ölpreisverfall gewinnen, gehören:

  1. Aktien von Unternehmen aus dem Transportbereich: Hierzu gehören u. a. große Logistikfirmen wie die Post oder UPS; auch Fluglinien und Reiseveranstalter wie TUI, die selbst Flugzeuge und (Kreuzfahrt-)Schiffe betreiben.
  2. Aktien von Pharmafirmen. Diese können die Kosten zum Teil deutlich senken, wenn in deren Produkten oder in deren Herstellungsprozess Kunststoffe benötigt werden, und sie müssen die Vorteile nicht an die Kunden weitergeben.
  3. Aktien von Konsumgüterhersteller profitieren vom Ölpreisverfall, wenn auch nur indirekt. Durch die sinkenden Energiekosten haben Verbraucher erheblich mehr Geld in der Tasche, das sie zumindest zu großen Teilen in Konsum und Urlaub stecken.
  4. Kurzfristig profitieren auch die Autokonzerne, wenn Kunden mehr Geld übrig haben und viele eher zu teureren und Prestige trächtigeren Fahrzeugen greifen, etwa SUVs.
  5. Eher geringen Einfluss hat die Ölpreisentwicklung für Chemieunternehmen wie BASF oder DU-Pont. Sie können zwar im Einkauf Vorteile erzielen, muss diese aber häufig beim Verkauf an die Kunden weitergeben.

Die genannten Firmen sind nur beispielhaft erwähnt und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar.

Diese Aktien verlieren durch den Ölpreisverfall

Eigentlich gibt es auf der Unternehmensseite nur wenige Verlierer. Dazu gehören:

  1. in erster Linie natürlich Öl-Konzerne
  2. Fracking-Firmen
  3. Kurzfristig können auch Anbieter alternativer Energien bzw. die Hersteller von Solar- oder Windkraftanlagen zu den Verlierern gehören, wenn der Bezug von Energie aus konventionellen Quellen in den nächsten Monaten günstiger ist.

Ölpreis nicht als zentrales Kaufargument verwenden

Aktionäre sollten ihre Kaufentscheidung ohnehin nicht von der Ölpreisentwicklung oder anderen allein stehenden Faktoren abhängig machen. Denn der Ölpreis wird auf mittlere Sicht wohl wieder steigen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, und z. B. die OPEC die Förderung doch kürzt oder es wieder stärkeres Wachstum in den Schwellenländern gibt. Und dann kehren sich Vor- und Nachteile bzw. Profiteure und Verlierer möglicherweise schnell wieder um.

Im Fokus der Anlageentscheidung sollte daher wie immer die Analyse der bisherigen Erfolge, die Kurs-, Gewinn- und Dividendenentwicklung ebenso wie ein guter Branchenmix und die weiteren Aussichten der Unternehmen stehen.

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Jörgen Erichsen

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