Geldanlage

Aktien auf Kredit kaufen – eine gute Idee?

geschrieben von Jörgen Erichsen

Viele Unternehmen zahlen regelmäßige Dividenden, und das schon zuverlässig und ohne Unterbrechung seit vielen Jahren. Und die Dividendenrendite liegt sogar nach Steuern oft bei drei bis vier Prozent. Und die Kreditzinsen sind zumindest für Menschen mit gutem Ruf bei der Bank (gute Bonität) extrem niedrig. Soll man sich also verschulden, um Aktien von Qualitätsunternehmen zu kaufen?

Privatpersonen mit guter Bonität können Kredite derzeit schon für Zinsen ab gut einem Prozent erhalten. Viele Unternehmen, vor allem aus den USA oder Kanada, zahlen seit 10, 20 oder sogar mehr Jahren Dividenden von 3-4 Prozent, oft sogar nach Steuern. Und nicht nur das, sie steigern die Ausschüttungen sogar Jahr für Jahr oder halten sie zumindest stabil. Was liegt näher, als einen Kredit aufzunehmen, dafür z.B. 1,5% Zinsen zu zahlen und im Gegenzug 3% Dividenden zu bekommen?

Mehr Geld verdienen mit einem Kredit?

Im Prinzip kann man durch die Aufnahme eines billigen Kredits tatsächlich mehr Geld verdienen. Ein stark vereinfachtes Beispiel zeigt die Zusammenhänge (Zahlen überschlägig und nicht absolut genau): Ein Privatanleger mit guter Bonität nimmt bei seiner Hausbank einen Kredit von 20.000 Euro für 2% Zinsen auf. Er muss der Bank im ersten Jahr 400 Euro Zinsen zahlen. Der Anleger kauft für den Betrag 1.000 Aktien eines US-Unternehmens zu einem Kurs von 20 Euro. Das Unternehmen zahlte in den vergangenen Jahren eine Dividende von 3,5% vor Steuern, umgerechnet 0,7 Euro.

Zieht man von dem Betrag Kapitalertragsteuer, Solidaritätsbeitrag und (hier unterstellte) Kirchensteuer ab, bleiben ca. 0,51 Euro Dividende, die der Anleger je Aktie erhält. Insgesamt bekommt er also 510 Euro ausbezahlt und kann im ersten Jahr 110 Euro verdienen (Dividende – Zinsen). In den Folgejahren steigt der Verdienst voraussichtlich, da die zu zahlenden Zinsen sinken, weil der Kredit getilgt wird und weiter zumindest stabile Dividenden gezahlt werden.

Welche möglichen Probleme ergeben sich?

Die Sache hat allerdings einige Haken, die gerade Anleger mit weniger Kapital bedenken sollten: Da ist zunächst immer die Möglichkeit, dass auch bisher zuverlässige Dividendenzahler Probleme bekommen, und die Zahlungen reduzieren oder ganz aussetzen. Das kommt gerade bei europäischen Firmen immer wieder vor, wie aktuelle Beispiele zeigen. Das bedeutet, dass man u.U. in eine andere Währung ausweichen muss, wenn man hohe Dividenden einstreichen möchte. Und hier können Währungsschwankungen die Zahlungen deutlich beeinflussen.

Wer z.B. in US-Firmen investiert, bei dem werden die Dividendenzahlungen in Dollar in Euro umgerechnet. Basiert die Zahlung von 0,7 Euro Dividende im Beispiel auf einem Dollarkurs von 1,12 Euro, beläuft sich die Dividenden in Dollar bei rund 0,78 Cent. Steigt der Dollarkurs jetzt bei stabiler Dividende z.B. auf 1,35 Euro, erhält der Anleger nur noch 420 Euro Dividende (1.000 Aktien x 0,58 Euro (0,78 7 1,35) x 73 %). Der Dividendenvorteil sinkt also rapide. Umgekehrt kann er natürlich steigen, wenn der Dollar fällt.

Hinzu kommt, dass man der Bank i.d.R. ja nicht nur die Zinsen zahlen muss, sondern auch der Kredit getilgt werden muss. Es muss also noch genügend "freies" Geld vorhanden sein, um auch diesen Verpflichtungen nachkommen zu können. Spekuliert man darauf, dass man den Kredit zurückzahlen kann, indem man die Aktien verkauft, kann man eine böse Überraschung erleben: Denn auch bei guten Firmen kann es zu Kursrückgängen kommen, und dann fehlt Geld, um die Tilgung zu leisten.

Fazit: Privatanleger sollten von Aktienkäufen auf Kredit absehen und nur Geld investieren, über das sie selbst verfügen können und das sie in den nächsten mehr als 10 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht benötigen werden.

Bildnachweis: pixabay.com (skeeze) CC0 Public Domain

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Jörgen Erichsen

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