Geldanlage

Aktien-Anleger müssen Volatilität aushalten können

geschrieben von Jörgen Erichsen

Vereinfacht ausgedrückt versteht man unter Volatilität bei Aktien die Kurschwankungen bzw. –ausschläge, und zwar nach oben und nach unten. Denn Aktienkurse entwickeln sich nicht linear in eine Richtung. Das Problem für viele Anleger ist, dass sie Schwankungen oft falsch einschätzen und daher nicht aushalten können und in der Folge evtl. falsch reagieren.

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass Kursschwankungen, und zwar nach oben und nach unten, zum Börsengeschäft dazugehören. Wer also sein Geld in Aktien investieren will, egal ob in einzelne Papiere oder in Fonds, muss sich darüber klar werden, dass es nie linear auf- oder abwärts gehen wird. Schwankungen wird es also immer geben und sie können je nach Wirtschafts- oder Nachrichtenlage schon mal heftig ausfallen.

Das Problem ist, dass niemand sagen kann, wie lange und wie heftig die Schwankungen anhalten werden. Handelt es sich z. B. um einen einmaligen Kursrückgang um z. B. 10 % oder folgen weitere Kursrückgänge? Und wenn ja, wie viele? Und wie lange wird eine mögliche Schwankung nach unten (oder auch nach oben) dauern? Oder geht es kurzfristig wieder in die andere Richtung?

Viele Anleger können mit solchen Kursschwankungen und den damit verbundenen Unsicherheiten nicht umgehen. Sie können beispielsweise zwischenzeitliche Kursverluste (die ja zunächst "nur" Buchverluste sind, solange man betroffene Aktien oder Fonds nicht verkauft) nicht aushalten und lassen sich dazu verleiten, die Papiere vorschnell zu verkaufen. Schließlich kann sich hinter Kursschwankungen ja auch der nächste Börsencrash verbergen.

Oder im umgekehrten Fall werden Aktien erst dann gekauft, wenn es starke Ausschläge nach oben gegeben hat und sie somit schon recht teuer sind. Und oft zieht ein "Börsengewitter" schneller vorbei, als die meisten denken. Das Problem ist: Niemand weiß, wie sich die Kurse kurzfristig entwickeln; dazu sind auch zu viele Spekulanten und andere Marktteilnehmer aktiv, die versuchen, die Kurse so zu beeinflussen, dass sie profitieren.

Langfristig ist es jedoch so, dass sich die Kurse guter Unternehmen – unter mehr oder weniger großen Schwankungen – mit hoher Wahrscheinlichkeit nach oben bewegen.

Anleger sollten daher mehrere Regeln beachten, damit sie sich bei Kursschwankungen richtig verhalten:

  1. Führen Sie sich vor Augen, dass Sie mit Ihrem Geld nicht spekulieren, sondern investieren wollen. Das heißt, dass Sie Aktien über einen langen Zeitraum von deutlich mehr als 10-20 Jahren halten sollten. Wählen Sie also Aktien sorgfältig und bewusst nach den mehrfach genannten Kriterien aus.
  2. Machen Sie sich klar, dass Kursschwankungen zur Börse dazu gehören, und Sie diese Schwankungen aushalten müssen. Das ist der Preis, wenn Sie bei guten Aktien oder beim Kauf von Fonds im Schnitt über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren eine Rendite von 8 % und mehr (Kurssteigerungen und Dividenden) pro Jahr erreichen wollen.
  3. Verwenden Sie nur das Geld, das Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 10-20 Jahren nicht benötigen, damit Sie auch längerfristige Schwankungen "aussitzen" können.
  4. Schwankungen betreffen nicht immer alle Aktien oder Branchen gleichermaßen. Investieren Sie daher nie nur in ein Unternehmen oder eine Branche. Achten Sie auf eine möglichst breite Streuung. Faustregel: Bei Einzelaktien sollten Sie 10-15 Aktien aus 4-5 Branchen halten. Bei Fonds sollten Sie darauf achten, dass er weltweit Aktien kauft.
  5. Überprüfen Sie die Qualität der ausgewählten Aktien/Fonds einmal pro Jahr. Wenn Sie weiter von den Papieren überzeugt sind, handeln Sie auch mal entgegen dem Herdentrieb. Wenn viele Aktien verkaufen und die Kurse sinken, können Sie sogar überlegen, ob Sie nicht zukaufen und somit verbilligen. Zugegeben, diese Entscheidung, gegen den Strom zu schwimmen, erfordert Mut und sie kann auch bei guten Unternehmen einmal schief gehen. Meist wird sie auf lange Sicht aber durch steigende Kurse belohnt.
  6. Wenn Sie sich in turbulenten Phasen unsicher sind und die meisten Marktteilnehmer von der nächsten Megakrise sprechen: Sehen Sie sich immer wieder die Langfrist-Charts von DOW-Jones, DAX und Co. an. Trotz aller Krisen haben sich diese Indizes – unter oft heftigen Schwankungen – nach oben entwickelt; der DAX mit rund 8,5 % und der DOW-Jones mit mehr als 11 % pro Jahr seit der Auflegung.

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Jörgen Erichsen

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