Verbrauchertipps

Regenwasser nutzen: Wann sich die Investition lohnt

geschrieben von Kilian Fromeyer

Es ist kostenlos und reichlich vorhanden: Regenwasser. Was uns Jahr für Jahr den Sommer vermiest, kann auch etwas Gutes haben und beim Geld sparen helfen. Aber erst mal muss dafür investiert werden. Lohnt sich die Regenwasser-Nutzung und welche Förderungen gibt es? Lesen Sie hier, was Sie ausgeben müssen, um Regenwasser im Haushalt zu nutzen und wie viel Sie so im Laufe der Zeit an Kosten einsparen können.

Zwar ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser in Deutschland laut einer Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) durch einen bewussten Umgang mit Wasser seit 1990 beinahe kontinuierlich gesunken, trotzdem verbraucht jeder Bundesbürger durchschnittlich 122 Liter Wasser pro Tag (Stand 2011).

Davon werden lediglich etwa fünf Liter täglich für die eigene Trinkversorgung oder die Zubereitung von Speisen verwendet. Der Großteil des Wassers geht durch Baden, Duschen bzw. Körperpflege, die Toilettenspülung, den Verbrauch in Haushalt und Garten sowie beim Wäschewaschen oder Geschirrspülen verloren.

Eine Möglichkeit, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den eigenen Trinkwasserverbrauch sowie die damit verbundenen Energiekosten nachhaltig zu senken, bietet die Nutzung von Regenwasser.

Regenwasser-Nutzung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Bereits das Aufstellen einfacher Regentonnen im Garten kann zu wertvollen Einsparungen führen, da zum Bewässern kein Trinkwasser mehr genutzt werden muss. Darüber hinaus ermöglichen Zisternen, Sammelgruben oder Tanks eine intensivere Nutzung von Regenwasser.

So kann dieses beispielsweise für die Toilettenspülung und mit entsprechenden Filteranlagen sogar für die Waschmaschine genutzt werden. Auf diese Weise lässt sich der eigene Trinkwasserverbrauch erheblich senken, was nicht nur zum Umweltschutz beiträgt, sondern auch entsprechende finanzielle Einsparungen mit sich bringt.

Die Nutzungsmöglichkeiten im Überblick:

  • Gartenbewässerung
  • WC-Spülung
  • Waschmaschine

Welche Anlagen zur Regenwassernutzung gibt es?

Die Möglichkeiten der Regenwassernutzung sind sehr vielfältig. Neben Anlagen, die allein der Bewässerung des Gartens dienen, gibt es auch Modelle, die eine zusätzliche Verwendung des gesammelten Regenwassers im Haushalt erlauben.

Soll das Regenwasser zunächst nur zur Bewässerung des Gartens eingesetzt werden, eignen sich je nach Größe des Gartens Regentonnen oder Regensäulen, in denen das Wasser aufgefangen wird und zur Verwendung in den Außenanlagen des Hauses individuell entnommen werden kann.

Für eine weitreichendere Nutzung bieten sich unter anderem Beton- oder Kunststoff-Zisternen an. Solche Zisternen dienen dazu, das auf dem Dach aufgefangene und über ein Fallrohr in den Tank weitergeleitete Regenwasser zu sammeln und werden entweder im Keller aufgestellt oder im Garten vergraben.

Grundsätzlich eignen sich sowohl Kunststoff- als auch Betonzisternen zum unterirdischen Einbau und finden zum Beispiel Platz unter Garagenauffahrten. Der Einbau von Betonzisternen gestaltet sich zwar etwas schwieriger, dafür haben diese jedoch meist auch ein deutlich höheres Fassungsvermögen als Modelle aus Kunststoff.

Ein Tank im Garten sollte mindestens 60 bis 100 Zentimeter tief im Boden vergraben werden, um eine Beschädigung des Tanks bei Frost zu vermeiden und die Versorgung mit Regenwasser auch bei Minusgraden zu garantieren. Im Tank durchläuft das Regenwasser einen Filter, wird schließlich über ein separates Leitungssystem ins Haus weitergeführt und kann hier zum Beispiel für die WC-Spülung verwendet werden.

Über sogenannte Regenwasserwerke wird zudem eine automatische Speisung des Brauchwasserkreislaufs mit Regenwasser gewährleistet. Ist der Regenwassertank leer, wird auf diesem Weg auch wieder Trinkwasser eingespeist, um die Funktionalität von WC und Waschmaschine sicherzustellen. Alle Lösungen können durch sogenannte Regenwassersammler unterstützt werden, die sich in Regenfallrohre einbauen lassen. Auf diese Weise werden Regentonne oder Zisterne zusätzlich mit Regenwasser gespeist.

Mögliche Anlagen im Überblick:

  • Regentonnen und Regensäulen
  • Beton- und Kunststoffzisternen
  • Regenwasserwerke
  • Regenwassersammler

Welche Kriterien sollten Sie bei der Auswahl der Tankgröße heranziehen?

Bei der Wahl der Tankgröße sollten Sie vor allem die regionale Niederschlagsmenge berücksichtigen. Außerdem sollte die beabsichtigte Nutzung des gesammelten Regenwassers in den Fokus rücken. Wer statt Regentonne oder Regensäule auch bei der Gartenbewässerung auf einen Regenwassertank setzt, kommt mit einem wesentlich kleineren Tank zurecht, als wenn das Regenwasser auch für WC und Waschmaschine genutzt werden soll.

In diesem Fall sind neben dem Regenaufkommen die im Haushalt lebende Personenanzahl und die angeschlossene Dachgrundfläche ausschlaggebend. Bei einem 3-Personen-Haushalt und einer Dachgrundfläche von 100 Quadratmetern wird eine Tankgröße von knapp 5.000 Litern empfohlen. Ein 6-Personen-Haushalt mit einer Dachgrundfläche von 150 Quadratmetern sollte dagegen auf einen Tank mit rund 10.000 Litern Fassungsvermögen zurückgreifen.

Die Kriterien im Überblick:

  • Nutzungsart (nur Garten oder vollwertige Nutzung)
  • Personenanzahl im Haushalt
  • Angeschlossene Dachgrundfläche (Regenaufkommen)

Kostenkalkulation für Regenwasser-Nutzung

Zwar bringt die Installation von Anlagen zur Regenwassernutzung zunächst Kosten mit sich, diese sollten jedoch als Investition betrachtet werden, da durch die Nutzung von Regenwasser letztendlich Kosten eingespart werden. Die folgende Beispielrechnung zeigt auf, mit welchen Kosten kalkuliert werden muss. Eine bereits vorhandene, separate Regenwasserleitung wird dabei vorausgesetzt.

Tank (5.000 Liter): 1.600,- €

Rückstausicherung: 500,- bis 1.000,- €

Regenwasserwerk: 800,- bis 1.500,- €

Installation und Vorbereitung: 1.500,- bis 3.000,- €

Gesamt: 4.400,- bis 7.100,- €

Welche Kosten lassen sich durch die Regenwassernutzung einsparen?

Die Nutzung von Regenwasser mithilfe entsprechend geeigneter Anlagen bringt nicht selten eine Ersparnis von fast 50 Prozent der Kosten für Trinkwasser mit sich. Die konkrete Einsparung lässt sich aufgrund der regionalen Preisunterschiede für Trinkwasser in Deutschland nicht errechnen. Ausgehend von einem täglichen Pro-Kopf-Verbrauch von 125 Litern und einem Preis von 1,80 € für 1.000 Liter Wasser ergibt sich pro Jahr folgende Ersparnis:

Wasserverbrauch pro Tag: 125 Liter

Wasserverbrauch pro Jahr: 45.625 Liter

Preis pro Liter: 0,0018,- €

Preis pro Jahr: 82,12,- €

Wasserersparnis durch Regenwassernutzung (50%): 22.812,5 Liter

Jährliche Kostenersparnis pro Person 41,06,- €

Für wen lohnt sich die Nutzung von Regenwasser?

Durch den geringeren Trinkwasserverbrauch in Folge der Regenwassernutzung lassen sich in Abhängigkeit der regionalen Trinkwasserpreise pro Person jährlich rund 40 Euro einsparen. Bei einem 5-Personen-Haushalt ergibt sich damit durchaus eine Ersparnis von bis zu 200 Euro pro Jahr. Gleichzeitig lassen sich auch in Bezug auf die Abgabe für Abwasser zusätzliche Einsparungen erzielen, da sich diese Abgabe in eine grundstücksbezogene Niederschlagsgebühr und die Schmutzwassergebühr, die anhand des Verbrauchs von Frischwasser berechnet wird, unterteilt.

Finanziell lohnt sich die Regenwassernutzung daher vor allem für Mehrpersonenhaushalte mit entsprechend hohem Wasserverbrauch. Ein außerdem vorhandener großer Garten macht die Nutzung zusätzlich interessant.

Förderungsmöglichkeiten

Bis zum Jahr 2011 konnten Immobilienbesitzer für die Regenwassernutzung eine Förderung über das KfW-Programm "Wohnraum modernisieren" (Nummer 141) beantragen. Dieses Programm wurde Ende 2011 jedoch eingestellt.

Trotzdem lassen sich regionale Förderungen in Anspruch nehmen. So winkt in vielen Regionen eine Befreiung von der Versiegelungsgebühr, die immerhin ca. 2 Euro pro qm beträgt. Darüber hinaus fördern bestimmte Bundesländer wie NRW solche Maßnahmen mit einem Zuschuss von bis zu 1.500 Euro. In vielen anderen Bundesländern sind hingegen die Kommunen dafür zuständig. Dies sorgt wiederum für höchst unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten im gesamten Bundesgebiet. Des Weiteren ist zu beachten, dass eine mögliche Förderung oft an bestimmte Kriterien wie eine Mindesttankgröße geknüpft ist.

Daher ist es ratsam, sich im Einzelfall bei der zuständigen Gemeinde über mögliche Förderungen zu erkundigen. Als Ansprechpartner fungieren dabei die jeweiligen Bau- und Umweltämter.

Fazit

Die Nutzung von Regenwasser ist nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll, je nach Nutzungsumfang lassen sich jährlich auch bis zu 50% der Kosten für Trinkwasser einsparen. Allerdings ist die Regenwassernutzung immer auch mit Kosten verbunden, die sich in Abhängigkeit der geplanten Nutzung, der Haushaltsgröße und der daraus resultierenden notwendigen Tankgröße ergeben. Inwieweit sich die Nutzung von Regenwasser lohnt, ist daher im Einzelfall zu überprüfen. Grundsätzlich können jedoch vor allem Mehrpersonenhaushalte von der Regenwassernutzung profitieren.

Über Ihren Experten

Kilian Fromeyer

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