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01.09.2011
Unser Karneval ist bunt und schrill. Viele Bräuche sind allerorts bekannt und beliebt, egal ob man nun am liebsten mittendrin im närrischen Treiben feiert oder als bekennender Karnevalsmuffel lieber an den Hochtagen Türen und Fenster geschlossen hält. Was bleibt, ist ein Stück Kultur – ein Stück Geschichte. Denn Karneval ist keine neue Erfindung.
Europäische Tradition schon seit dem Mittelalter
Narrenfeste wurden schon im mittelalterlichen Europa gefeiert. Erstaunlich dabei: Gerade die Kirche bediente sich dieser Festlichkeit, um auf die Vergänglichkeit des Lebens hinzuweisen.
Es gab Parodien kirchlicher Rituale und ein ''Pseudo-Papst'' regierte die niederen kirchlichen Würdenträger. Diese waren an jenen Tagen bis Aschermittwoch an der Macht und sogenannte ''Eselsmessen'' unterhielten auch die einfache Bevölkerung. Hochrangige Kleriker standen ihrer vorübergehenden Entmachtung und dem fröhlichen Treiben skeptisch, aber resigniert gegenüber.
Bis in die heutige Zeit hat sich vieles verändert, doch immer noch sind es die Narren, die in der fünften Jahreszeit regieren. Zumindest in einigen Regionen Deutschlands wie dem Rheinland, in Teilen Baden-Württembergs und Franken. Heißt es nun Fasching, Fastnacht oder Karneval – stets sind bunte Kostüme oder fantasievolle Masken mit von der Partie. Dabei sind es besonders zwei bestimmte Tage, die bundesweit gefeiert werden.
Rosenmontagstradition
Der ''rasende'' Montag ist der klassische Tag der Karnevalsumzüge. Der erste in der Geschichte fand schon am 10. Februar 1823 in Köln statt. Zu Beginn waren die Umzüge auch ein Mittel, um Kritik an Militärorganisation und Obrigkeit zu üben. Noch heute sind politische Themen traditionell mit den närrischen Umzügen verbunden. Schon in den historischen Zeiten höfischer Narren war es jenen Spaßmachern erlaubt, die Wahrheit zu sagen – denn es nahm sie niemand ernst. Es ist dieser Zusammenhang, der den Begriff ''Narrenfreiheit'' prägt und auch den kunterbunten Zügen Raum für Satire und Schadenfreude gibt.
Weiberfastnacht
Am Donnerstag vor Karneval 1824 schlossen sich ein paar Wäscherinnen aus Bonn-Beuel zu einem Damenkomitee zusammen, um sich die Teilnahme am bis dahin rein männlichen Karneval zu erstreiten. Dies wird noch heute in Bonn gefeiert mit der Erstürmung des Rathauses durch die Beueler Frauen und der Machtübernahme der sogenannten Wäscheprinzessin. Als bundesweiter Brauch hat sich das Abschneiden der Krawatten der Männer etabliert.
Karneval ist international und so vielseitig wie seine Anhänger. In Rio de Janeiro tanzt man zu rhythmischen Sambaklängen durch die Straßen, in New Orleans lässt man zu ''Mardi Gras'' die Korken knallen und Venedig ist berühmt für seine eleganten Masken.
Haben Sie schon einmal ein besonders schönes Karneval gefeiert oder kennen Sie noch ganz andere Traditionen?