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Wann ein Umzug ins Pflegeheim sinnvoll ist
Die Entscheidung zwischen Pflegeheim und Pflege zu Hause ist nie leicht. Aber nicht immer lässt sich der Umzug in ein Pflegeheim vermeiden, und oft werden die Angehörigen von Schuldgefühlen geplagt, wenn sie diese Entscheidung getroffen haben.
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Ist der Zeitpunkt für einen Umzug ins Pflegeheim gekommen?
Sehr geehrte Damen und Herren,
leider haben wir das zu Hause gerade mit unserer Mutter hinter uns und ich kann Ihnen in Ihren gemachten Ausführungen nur voll zustimmen. Bei meiner Mutter war es zum Schluß so, dass Sie 24 Stunden zwei Personen Vollbeschäftigung geboten hat. Trotz Schlaf- und Beruhigungsmittel vom Arzt verschrieben, machte meine Mutter die Nacht zum Tag und wurde aggressiv, wenn man ihr sagte, es ist Nacht und sie müsse schlafen. Tagsüber war sie dann unberechenbar in sofern, dass man nie genau wußte, wann sie schlief und wann nicht; sie lag immer auf ihrer Couch. Wagte man sich einmal kurz aus dem Zimmer, stand sie sofort auf um: Blumen zu gießen, Telefon zu holen, Fernseh einzuschalten oder Fenster zu putzen, etc..
Am 10 Januar 2010 haben wir sie dann nach einem schweren Sturz in der Wohnung, ins Krankenhaus gebracht, dort stellte man unter anderem einen Wirbelanriß fest. Danach war für uns klar, meine Mutter kann zu Hause nicht mehr gepflegt werden, sie benötigt nun professionelle Hilfe und haben sie sofort nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in ein Pflegeheim verlegen lassen.
Seither ist es für uns die "Hölle"; Abschieber, Seelentöter. falsche Hunde, Lügner, sind seither die Namen für meine Schwester und mich. Trotz Demenz, reagiert und agiert meine Mutter plötzlich so klar wie mindestens ein halbes Jahr zuvor nicht mehr. Drohungen mit Amtsgericht, Rechtsanwalt, Richter, Polizei, vor einem halben Jahr wären ihr diese Namen gar nicht mehr eingefallen! Und jeder zweite Satz: "nehmt mich doch heim!" Sie packt tagsüber Plastiktaschen, wir räumen sie abends wieder aus, so geht das nun schon seit ihrem Heimaufenthalt. Sie meint sie ist immer noch im Krankenhaus. Und es wird bestimmt noch einige Zeit dauern bis hier wieder etwas Ruhe einkehren wird und wir unsere Schuldgefühle zumindest etwas los werden. Doch wir sind der Meinung, auch das ist ein Prozess in unserem Leben, den man einfach jetzt durchmachen muß, wenn er auch bestimmt für beide Seiten sehr schwer ist.
Aus gerade diesem "noch jungen Anlaß" erlauben Sie mir noch einige Kommentare, zu Ihrem sehr gut beschriebenen und interessanten Ausführungen zu der Frage Pflegeheim sinnvoll ja oder nein.
Ist der Zeitpunkt für einen Umzug ins Pflegeheim gekommen?
hier meine ich, wurde ein ganz wichtiger Sachverhalt vergessen,
1. "Demenzkranke leiden unter vermehrter Sturzgefahr!". Meine Mutter ist seit Weihnachten, mehrmals (mindestens 7 mal) in ihrer häuslichen Umgebung gestürzt. (2 mal aus dem Bett, als sie den Schalter der Nachttischlampe suchte, 2 mal fehlte ihr die Orientierung und sie setzte sich nachts neben den Toilettenstuhl, im Wohnzimmer ist sie von der Couch gefallen, orientierungslos, auf dem Weg zur Toilette ist sie mehrfach gefallen, weil sie es eilig hatte, oft mals gings in die Hose, weil sie die Entfernung unterschätzt hatte, usw.
Meines Erachtens kam dies daher, dass sie sich zu Hause weitaus mehr zutraute und versuchte, als vorher im Krankenhaus und jetzt im Pflegeheim. Dort merkt sie, dass sie in einer anderen Umgebung ist und man merkt hier, dass es einfach besser ist für Demenzkranke, wenn sie in diesem Falle aus ihrer gewohnten Umgebung herauskommen. Uns fällt auf, dass unsere Mutter vorsichtiger "ich meine für sich fragender" geworden ist. So ist sie bis heute nicht mehr gefallen, weil dort fach- und sachkundiges Personal vor Ort ist, die sich zu jeder Zeit um meine Mutter annehmen. Und ich glaube das merken Demenzkranke, wenn es jemand gut mit ihnen meint und trotz ihrem Verhalten mit ihnen ernst und respektvoll umgegangen wird.
So geht sie z. B:
nur mit dem Pflegepersonal auf die Toilette - zu hause ging sie alleine, obwohl man es ihr immerwieder -gerade wegen der Sturzgefahr- verboten hatte;
wenn sie etwas braucht, klingelt, oder ruft sie - zu hause ging sie einfach los und wollte es holen;
sie läuft im Pflegeheim, so gut es noch geht mit einem Rollator - zu hause nicht möglich, da viel zu eng ((vor allem Türen, und kleinere Absätze));
sie wird im Pflegeheim jeden Tag geduscht, geht sehr gut und einfach - zu hause da nur Badewanne vorhanden, nur mit Badelifter und Pflegepersonal 1 x die Woche möglich,
im Pflegeheim hat sie die Toilette und Dusche direkt als separaten Raum im Zimmer, (ja fast neben dem Bett!) - zu hause muß sie erst mal 20 m gehen und am Abend noch 2 x das Licht einschalten, wenn sie den Lichtschalter findet!,
Auch denke ich haben wir einen Fehler gemacht, auf den wir unbedingt aufmerksam machen möchten:
2. "wir meinen aus heutiger Sicht:"
"Es wäre für meine Mutter und uns besser gewesen, wir hätten sie nicht ständig umsorgt und bemitleidet. Wir hätten uns viel früher von ihr lösen müssen, indem wir sie schon damals, zu Beginn der Demenz in eine professionelle Tagespflege beginnend mit einmal die Woche und langsam steigern, gegeben hätten. So hätte in dieser Zeit, meine Schwester auch tagsüber sich mal etwas Freitzeit verschaffen können und unsere Mutter wäre versorgt gewesen. Ein weitaus größerer Vorteil wäre jedoch daraus entstanden, indem unsere Mutter nicht nur uns als ständige Betreuungsperson gehabt/gesehen hätte, sondern sich schon von dieser Zeit an (ca. 2-3 Jahre), an andere Personen und Umgebungen gewöhnt hätte. Ich denke es würde uns heute allen entgegenkommen und meiner Mutter leichter fallen, die getroffene Entscheidung, das Heim zu aktzeptieren.
Soweit meine Anmerkungen, zu den von Ihnen gemachten Ausführungen, ich hoffe, sie können meine Spontanität akzeptieren, ich möchte einfach Fehler und falsche Überlegungen weitergeben, damit sie nicht von anderen noch einmal gemacht werden.
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Rolf Seebach