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Sonnenbrille auf oder ab beim Geschäftstreffen im Straßencafé?
Sie haben mit einem Geschäftspartner ein Treffen im Café statt im Büro abgestimmt. Sie genießen es, dass die Sonne scheint und sitzen bereits entspannt am Tisch. Dabei tragen Sie Ihre Sonnenbrille, denn das Sonnenlicht ist doch recht gleißend. Kurz bevor Ihr Kunde kommt, fällt Ihnen siedend heiß ein, dass Sie gehört haben, es sei unhöflich, eine Sonnenbrille während eines Gespräches zu tragen. „Aber vielleicht ist das auch eine veraltete Regel“, überlegen Sie. Denn eine Sonnenbrille ist doch mittlerweile als Accessoire ein fester Bestandteil der Kleidung.
Sonnenbrille ab im Gespräch mit anderen Menschen? Klare Antwort: ja. Unsere Kultur beinhaltet, dass wir im Gespräch immer wieder Blickkontakt herstellen. Wer sich hinter einer Sonnenbrille verschanzt, sendet unbewusst und meist auch unbeabsichtigt das Signal aus: Ich habe etwas zu verbergen. Stellen Sie sich vor, die Sonnenbrille bei der Begrüßung aufzubehalten ist in etwa so, als würden Sie bei der Begrüßung eine ausgestreckte Hand nicht ergreifen, sondern die eigene Hand zum „hallo“ erheben. Die Sonnenbrille aufbehalten ist nicht so dramatisch, aber es ist auch mehr als ein Kavaliersdelikt. Ohne Sonnenbrille wirken Sie offener und freundlicher und geben dem Gegenüber die Möglichkeit, Sie grundsätzlich oder Ihre aktuelle Stimmung einzuschätzen. Mein Eingangsbeispiel könnte die Sonnenbrille aufgesetzt lassen. Sobald er oder sie sich erhebt, um den Neuankömmling zu begrüßen, wird beim Erheben die Sonnenbrille abgenommen und Blickkontakt hergestellt.
Und wenn die Sonne richtig blendet? Wenn man, wie im Eingangsbeispiel, am Bistrotisch sitzt und deutlich von der Sonne geblendet ist, muss man die Sonnenbrille trotzdem weglassen? Nein, in solch einem Fall haben Sie mehr Spielraum. Aber bleiben Sie auch hier korrekt: 1. Sonnenbrille zur Begrüßung absetzen, dann 2. eine kleine Zeit „ohne“ verstreichen lassen und dann 3. eine kurze Ankündigung machen und erst danach 4. die Sonnenbrille aufsetzen. Beispielsweise können Sie dabei sagen „Entschuldigung, Herr Beckmann, die Sonne blendet so und reflektiert vom Tisch – ist es für Sie in Ordnung, wenn ich meine Sonnenbrille aufsetze, das wäre wesentlich angenehmer für mich.“
Und wenn ich nur besonders empfindlich bin? Manchmal ist die Sonnenintensität objektiv gar nicht so stark. Doch wenn jemand eine gesundheitliche Beeinträchtigung hat, kann dies individuell schon das Tragen einer Sonnenbrille erfordern. Wenn es also gesundheitliche Gründe gibt, weshalb Ihre Augen sonnen- und blendempfindlich sind, teilen Sie das doch kurz mit. Sie können natürlich erläutern „meine Allergie ...“ oder „mein beginnender Grauer Star ...“. Aber das ist gar nicht wirklich erforderlich. Der knappe Hinweis „aus gesundheitlichen Gründen ...“ oder „meine Augen sind da etwas empfindlich ...“ reicht völlig aus. Halten Sie das kurz und fragen Sie auch nicht, sondern informieren Sie Ihr Gegenüber. Dann ist der nicht irritiert oder verärgert über Ihre vermeintliche Unhöflichkeit.
Was ist mein persönliches No-Go in Sachen Sonnenbrille aufbehalten? Eindeutige Antwort: Sonnenbrillen mit spiegelnden Gläsern. Wenn man eine Brille mit spiegelnden Gläsern trägt, sieht und weiß man nicht, wie extrem unangenehm das für den Anderen ist. Der sieht sich selbst ständig verzerrt in beiden Gläsern gespiegelt. Man sieht überhaupt nicht die Augen des Brillenträgers, sondern schaut ständig auf die eigene Verzerrung. Überprüfen Sie das doch einfach: Leihen Sie z. B. einem guten Freund oder einer Kollegin ihre spiegelnde Brille für zehn Minuten und setzen Sie sich ihm oder ihr im Gespräch ohne Sonnenbrille gegenüber. Bedenken Sie: Je wichtiger, kniffeliger und schwieriger ein Geschäftstreffen ist, desto mehr brauchen wir zur Abschätzung den Blickkontakt. Beim lockeren Geplauder unter Freunden kann man die Sonnenbrille durchaus aufbehalten, selbst eine spiegelnde könnte okay sein. Aber für wichtige Kundengespräche ist es besser, eine Brille mit passenderen Brillengläsern in der Aktentasche mitzuführen.
Wie halten Sie es mit der Sonnenbrille im Geschäftsgespräch? Abnehmen und „leiden“? Auflassen und richtig schauen können? Oder gleich hellere Gläser in der Sonnenbrille nehmen? Für Sonnenbrillen, die nur leicht getönt sind, gelten die genannten Regeln nämlich nicht. Aber alles, was relativ dunkel und vor allem verspiegelt ist, unterliegt Beschränkungen. Bestehen diese Regeln aus Ihrer Sicht noch zu Recht oder ist die Sonnenbrille ein Bestandteil der Kleidung und jeder darf tragen, was er will?
Bei wichtigen Gesprächen - nie eine Sonnenbrille während des Gesprächs
Bei wichtigen Gesprächen, ist es sicher besser, diese gar nicht erst im Straßenkaffee zu führen.
Ich würde hier das "brillentragende" Gegenüber bitten, die Brille abzunehmen und notfalls auch
das Gespräch beenden, falls diesem Wunsch nicht nachgekommen wird. Es beeinflußt das Ge-
spräch auf jeden Fall, da sich der Gesprächsteilnehmer mit der "spiegelnden" Brille dahinter ver-
stecken kann und so zumindest die Stimmung des Gesprächs negativ beeinflusst werden kann.
Das ist ungefähr so, als wenn sich ein Gesprächspartner im Raum in den Schatten setzt und sein
Gegenüber voll die Sonne ins Gesicht bekommt - Machtspielchen, die man ja nicht mitmachen
muss.
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Den Zusammenhang zwischen geschäftlichem Gespräch und Straßencafé hätte ich so auch nicht hergestellt. Das ist wohl eher für die "new economy" relevant. In der regulären Wirtschaft ist eine Sonnenbrille beim Gespräch natürlich unmöglich. Ich stimme dem Gast vollkommen zu. Natürlich ist man stets so höflich, dem Gesprächspartener keinen Platz in der direkten Sonne anzubieten. Mir selbst kann es eigentlich auch nicht passieren, da ich die direkte Sonne überhaupt nicht mag. Im Zweifelsfall sucht man einen passenderen Tisch. Man muss sich ja nicht verbiegen
[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 12.08.2011 um 16:59.]