Sozial- und Bildungsmanagement

Zuwanderung nach Deutschland: Oder Einwanderung?

geschrieben von Dr. Britta Kanacher

Kann zwischen Zuwanderung nach Deutschland und Einwanderung unterschieden werden? Orientiert man sich am Duden, so ist Zuwanderung das selbe wie Einwanderung und Einwanderung wird als der „Vorgang bzw. (das) Ergebnis des Einwanderns“ bezeichnet. „Einwandern“ bedeutet „das Heimatland verlassen und sich in einem fremden Land niederlassen“. Ein „Einwanderungsland“ ist nach dem Wörterbuch „der Staat, in den besonders viele Menschen einwandern (wollen)“. Zuwanderungsland ist als Wort nicht im deutschen Wörterbuch (Hrsg.: Karl-Dieter Bünting, Chur/Schweiz 1996) enthalten.

Zwischen Zu- und Einwanderung nach Deutschland kann rein sprachlich somit kaum bzw. nicht unterschieden werden. Dennoch wird politisch sehr wohl zwischen diesen beiden Begriffen unterschieden. Deutschland, so wird immer wieder betont, ist kein Einwanderungsland. Dabei kann Zuwanderung natürlich nachgewiesen werden.

Zu- oder Einwanderung nach Deutschland – der "kleine" Unterschied
An Hand der Pressemitteilung vom 4.8.1993 von Johannes Gerster wird der politische Unterschied deutlich: "Einwanderungsländer sind Staaten, die aus arbeitsmarkt-, entwicklungs- oder bevölkerungspolitischen Gründen Einwanderer anwerben müssen."

Im Gegenzug scheint Zuwanderung all jene Migration zu beschreiben, die für das aufnahmenland nicht von gesellschaftlichem Nutzen ist. In der Pressemitteilung heißt es deshalb: "Davon (von einem Einwanderungsland) kann in der Bundesrepublik Deutschland keine Rede sein." Ist dem wirklich so?

Hinsichtlich der Diskussion um Zu- oder Einwanderung nach Deutschland scheint es von besonderer Bedeutung, zwischen den einzelnen Formen der Migration zu unterscheiden.

Während sich die Einwanderung an den Notwendigkeiten der aufnehmenden Gesellschaft (z. B. notwendige Arbeitskräfte – bis in den 70ern) orientiert, scheint sich Zuwanderung eher mit der ungewollten und unkontrollierten Einreise zu beschäftigen. Wendet man diese Wertung an, so war Deutschland seit dem Anwerbestop eher Zuwanderungs- als Einwanderungsland.

Die Diskussionen um eine Einführung der Green Card für IT-Fachkräfte hat seit August 2000 auch die Diskussion um Ein- bzw. Zuwanderung neu entfacht. Auch in jüngster Zeit wird zunehmend über fehlende Fachkräfte diskutiert, wobei auch über den Zuzug solcher Fachkräfte aus dem Ausland gesprochen wird.

Damit rücken erneut arbeitsmarktpolitische Gründe für eine notwendige Zuwanderung nach Deutschland in den Vordergrund. Auch die demographische Daten, die zunehmend vor einer Überalterung der deutschen Gesellschaft warnen lassen, sprechen für die Notwendigkeit des Zuzugs ausländischer Menschen.

Einwanderungsland
Eine Zuwanderung nach Deutschland scheint sowohl aus arbeitsmarktpolitischen als auch bevölkerungspolitischen Gründen notwendig. Betrachtet man diese jüngeren Entwicklungen und lässt asylpolitische Faktoren außer Acht, so wird eines ganz deutlich: Deutschland ist ein Einwanderungsland!

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Dr. Britta Kanacher

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