von Andreas Benz, veröffentlicht in Radreisen
Mietradallergie, erste Unwegsamkeiten auf der Radreise durch Kroatiens Inselwelt
Der erste Dämpfer kommt, als es darum geht, Anreise und Material zu organisieren. Das gestaltet sich für gewöhnliche "Inselhüpfen-Urlauber" eigentlich ganz einfach: Sie buchen einen Flieger oder fahren mit dem eigenen Wagen und vor Ort gibt es Räder samt Packtaschen, Bordwerkzeug und Helme kostengünstig zu mieten.
Ich habe allerdings eine "Mietradallergie". Zudem sind die Kinder noch zu klein für die Räder des "Inselhüpfen-Fuhrparks". Auch sind wir nicht so sicher, ob die Jungs den Touren gewachsen sein werden. Schließlich nehmen wir an der Premierentour teil, weder Crew noch Reiseveranstalter können verlässliche Auskünfte geben, ihnen fehlt schlicht Erfahrung.
Mietrad ade, die gewohnte Hardware muss her für die Radreise durch Kroatien
Wir entscheiden uns deshalb, ein Santana-Tandem mit Kinderkurbel, Ulrikes Utopia-Stadtrad und ein Puky-Kinderrad mitzunehmen. So kann immer ein Sohnemann alleine radeln und einer auf dem Tandem locker mit treten. Wenn eine Tour anstrengend wird, können die Kinder beliebig oft hin und her wechseln.
Wer Kinder hat, der braucht keine Überraschungen, der hat immer welche: Ein schneller Schritt! Ein glatter Stein! Ein dumpfer Aufschlag! Viele Tränen! Olivers Freude, endlich am Meer zu sein, fand im Hafen von Trogir ein jähes Ende. Fast benommen liegt er mit einer dicken Beule am Hinterkopf neben dem Hafenbecken.
Eine Stunde bevor sich Crew und Mitreisende an der Anlegestelle treffen, müssen wir binnen Sekunden von Urlaubsstimmung auf "Emergency-Modus" umstellen: Blitzschnell Eis besorgen; gut, dass ein kinderfreundlicher Fischverkäufer hilft! Oliver flach hinlegen, am besten in einem dunklen Zimmer! Also "wieder einchecken" ins bereits geräumte Hotelzimmer; vorausgesetzt, die Putzkolonne ist nicht schon dagewesen und die Rezeption lässt sich auf das Spiel ein.
Kroatien ist kinderfreundlich
Im kinderfreundlichen Kroatien ist diese spontane ""German Angst" völlig deplatziert. Natürlich liegt Oliver kaum eine Sekunde, nachdem wir gefragt haben, bereits im verdunkelten Zimmer auf dem Bett, und das Zimmermädchen bringt später sogar eine Flasche Sprudel vorbei. Erste Hilfe ist vollbracht!
Doch mit Gehirnerschütterungen ist nicht zu spaßen. Seegang, Sonne und Sport sind keine Genesungsförderer. Wir legen noch Homöopathie nach und ich trage Oliver pünktlich zum Treffpunkt an der Anlegestelle der "MS San Snova". Entspannung sieht anders aus.
Die Radreise durch Kroatien hält einen Engel parat: In Ivanas Armen
Doch dann geht die Sonne auf. Sie hat zwei Beine und heißt Ivana. Unsere Reiseleiterin nimmt sofort alle Zügel in die Hand: Oliver kann umgehend in die Kabine, Eis und Getränke kein Problem und wir sollen uns erst einmal entspannen. Genau dieses Gefühl, dass man mit den Kindern und ihren Überraschungen nicht aneckt, sondern direkt unkomplizierte Hilfe bekommt, setzt bei Eltern das Urlaubshormon frei.
Während gelangweilte Single-Städter im Urlaub den Kick suchen, weil ihr Leben in Latte Macchiatos in Szene-Cafés zu ertrinken droht, wollen Eltern das genaue Gegenteil: Vor allem einige der 1.000 kleinen Verantwortungen für den reibungslosen Tagesablauf mit den Kindern abgeben. Ivana und ihre Kollegen nehmen sie an. Die ruhigste Woche im gesamten Leben unserer jungen Familie hat soeben begonnen.
Radurlaub an Deck
Mittlerweile sind wir fast 24 Stunden unterwegs - mit dem Schiff, im Kajak und zu Fuß. Geradelt sind wir noch nicht. Eigentlich müsste ich ungehalten sein. Alle sind bereits auf ihre Kosten gekommen: Michael spielt mit Philipp Uno, Oliver lungert beim Kapitän Tony auf der Brücke herum und gestern freute sich Ulrike über die Führung durch die Altstadt von Split.
"Man(n) muss auch gönnen können" denke ich mir und springe vom zweiten Deck ins Wasser. Ich tauche tief ins klare blaue Wasser ein, sehe Fische und komme mit kräftigen Armzügen wieder hoch. Das mache ich noch ein gefühltes Dutzend Mal, ehe ich mich von der heißen Mittelmeer Sonne trocknen lasse. Das geht übrigens am besten, wenn man sich am Fockmast in einen Liegestuhl setzt und vorher an der Theke eingedeckt hat. Nein, ich vermisse das Radeln bisher nicht!
Jetzt wird es ernst: Meine Beine wollen die Bewegung der Kurbel spüren, schließlich befinden wir uns auf einer Radreise durch Kroatiens Inselwelt. Im nächsten teil lesen Sie mehr.
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