von Mandy Otero-Dietzschkau, veröffentlicht in Lateinamerika-Reisen
Argentinier und Chilenen: Ein Blick in die Geschichte
Dieser Artikel wurde mit einem Augenzwinkern geschrieben und soll keinesfalls als Verallgemeinerung gelten, denn ganz sicher gibt es auch tiefe Freundschaften zwischen Chilenen und Argentiniern, so wie es auch tiefe Freundschaften zwischen Bayern und Österreichern oder Kölnern und Düsseldorfern gibt - aber das sind wohl eher die Ausnahmen.
Chile und Argentinien haben eine mehr als 4000 Kilometer lange gemeinsame Grenze. Doch bis heute streiten sie sich über diese. Ein Blick in die Geschichte gibt Einsicht warum das so ist.
Chilenen und Argentinier und der ewige Streit ums Land
Als Chile und Argentinien unabhängige Staaten wurden, sollte jeder das behalten, was das frühere spanische Verwaltungszentrum im jeweiligen Land besaß. Daraufhin gründete Chile 1843 die Siedlung "Fuerte Bulnes" am Nordufer der Magellanstraße. Einige Zeit später protestierte die argentinische Regierung dagegen und die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von heftigem Streit.
1855 wurde daher zwischen beiden Staaten ein Grenzvertrag geschlossen, der jedoch relativ allgemein gehalten wurde und aus diesem Grund die Probleme nicht wirklich löste. Nachdem Argentinien dann 1876 begann ihre südlichen Regionen zu besiedeln, wuchsen erneut die Spannungen zwischen den Ländern. Ein neuer Grenzvertrag mit einer detaillierten Grenzziehung musste her und wurde 1881 unterzeichnet.
Drei Inseln am Beagle-Kanal wurden von Argentinien als chilenisch anerkannt. Doch nach einiger Zeit begannen sie sich erneut für die Inseln zu interessieren. Und wie sollte es auch anders sein? Es wurde wieder gestritten. 1958 gab es dann zudem eine Auseinandersetzung um den Felsen Snipes, welcher sich ebenfalls im Beagle-Kanal befindet und von beiden Ländern beansprucht wurde. Trotz vieler Versuche die Landbeanspruchungen beider Länder diplomatisch zu lösen, konnten die Parteien nicht wirklich zu einer Übereinkunft gelangen.
Argentinier und Chilenen: Kann das internationale Schiedsgericht helfen?
1971 einigten sich Chile und Argentinien den Disput einem internationalen Schiedsgericht zu unterziehen. Dieses bestätigte Chiles Souveränität auf allen Inseln südlich von Feuerland und auf die nach internationalem Recht basierende Seehoheit. 1978 erklärte Argentinien das Urteil für nichtig.
Beide Regierungen versuchten einen Kompromiss zu erreichen, aber die Gespräche waren erneut erfolglos. Im Jahre 1978 erreichte der so genannte Beagle-Konflikt seine gefährlichste Phase, da die Länder zum ersten Mal mit militärischer Gewalt drohten. Papst Johannes Paul II. konnte die Situation jedoch schlichten. Zu einer Einigung kamen Argentinien und Chile jedoch erst 1985. Seitdem werden die drei Inseln Lennox, Picton und Nueva von Argentinien als chilenisch anerkannt.
Argentinier und Chilenen: Und der Streit geht weiter
Der Streit ums Land hält bis heute an. Allerdings über eine Region, die weit im Süden liegt – die Antarktis. Jede der beiden Nationen beansprucht ein großes Stück der Südpolarregion. Und auch im Internet findet man bis heute verschiedene Kommentare, wie diesen von einem Chilenen: "Patagonia! que pronto volvera a ser CHILENA." – Patagonien! Sehr schnell wirst du wieder chilenisch sein. Gelesen und schon ist mein argentinischer Ehemann hochgegangen wie eine V1. Ja, manche Dinge ändern sich wohl nie.
Erfahren Sie mehr zum Thema unter anderem zu verschiedenen Klischees in meinem nächsten Artikel.
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Mein Name ist Mandy Otero-Dietzschkau. Ich bin Ihre Expertin für Lateinamerika.