von Thuy Tran, veröffentlicht in Vietnam
Eine alte Tradition Vietnams: das Wasserpuppentheater
Reisende berichteten bereits im 11. Jahrhundert über Vorstellungen an Adelshöfen oder Tempeln, aber wo die tatsächlichen Ursprünge dieser Art des Puppenspiels liegen, weiß man bis heute nicht – nur soviel, dass es ein fester kultureller Bestandteil des vietnamesischen Lebens war. Wie viele Fertigkeiten in Asien, wurde diese Kunstform nur über die Familiengenerationen weitergereicht und blieb für Außenstehende geheim.
Eine Zeitlang war das Puppenspiel im kommunistischen Vietnam verboten, denn es galt als zu bürgerlich. Jedoch wurde diese Tradition schon sehr bald wieder erlaubt und erneut ins Leben gerufen.
Das Wasserpuppentheater – ein Meisterwerk
Ein Grund, wieso das Wasserpuppentheater von den Kommunisten als bürgerlich, oder vielmehr als schlecht empfunden wurde, war die Tatsache, dass im Theater eine strenge Hierarchie herrschte. Die Spieler wurden strikt aufgeteilt und organisiert, sie wurden von Meistern angeleitet, die die Texte und Spieltechnik nur durch die mündliche Überlieferung weitergaben. Außerdem wurde auch die Puppenschnitzerei nur unter Aufsicht der Meister ausgeübt.
Begleitet wird die ganze Aufführung von einem kleinen Orchester, das mit traditionellen Musikinstrumenten spielt. Auch verleihen die Orchestermitglieder den Puppen ihre Stimme. Daher sitzt das Orchester – gut sichtbar für die Zuschauer – neben der Bühne, die das Wasserbecken darstellt. Früher war dieses Wasserbecken der Dorfteich oder ein kleiner See.
Wasserpuppentheater – eine Kunst mit vielen Fertigkeiten
Die Schauspieler sind im Gegensatz zum Orchester nicht sichtbar. Sie stehen bis zu den Hüften im Wasserbecken hinter einem Bambusvorhang und führen von dort mithilfe von meterlangen Stangen Puppen, die etwa bis zu einem Meter hoch und bis zu 5 kg schwer sind. Da diese Stangen sich unterhalb der Wasseroberfläche befinden, bleiben sie meistens für die Zuschauer unsichtbar. Oberhalb der Wasserflächen befindet sich also das Wasserpuppenschauspiel. Die Puppen sind gelenkig und wasserfest. Für die Schauspieler ist es sehr anstrengend, diese Puppen nicht nur zu halten, sondern durch sie zu spielen.
Das ländliche Leben als Inszenierung
Gespielt werden kleine Szenen aus dem alltäglichen Leben, meistens aus dem ländlichen Alltag. So wird ein Fischfang dargestellt oder ein kleiner Junge mit einer Flöte auf einem Wasserbüffel. Das Wasser wird natürlich meistens in das Theaterstück integriert.
So tauchen Drachen und Fabeltiere aus dem Wasser und ärgern die Bauer, die gerade ihren Beschäftigungen, wie Reis anpflanzen, Frösche oder Fische fangen, nachgehen. Neben der Musik werden durch Sprechgesang Szenen beschrieben oder durch Dialoge dargestellt.
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