von Thuy Tran, veröffentlicht in Asienreisen
Festtage in Vietnam
Als Kind sind positive Ereignisse einprägsamer und so sind die schönsten Erinnerungen, die ich als Kind an Vietnam habe, die Festtage. Viele vietnamesische Feste haben eine chinesische Herkunft, da China einst über Vietnam herrschte und der Einfluss bis zu den Bräuchen und Festen reichte.
Das Tet-Fest: Das wichtigste Fest in Vietnam
Es ist das chinesische Neujahrsfest, das man auch Frühlingsfest nennt. Wie die meisten Feste, wird auch das Tet-Fest nach dem Mondkalender berechnet und deshalb verschiebt sich das Datum des Festes von Jahr zu Jahr. Aber grob gesagt findet das Fest Ende Januar, Anfang Februar statt, wenn im Rheinland Karneval gefeiert wird.
Haben Sie in Vietnam Freunde oder gar Verwandte, lohnt es sich, in dieser Zeit hinzufliegen, denn das Fest ist ein besonderes Ereignis für jung und alt. Es ist eigentlich ein Familienfest, was bedeutet, dass jedes Familienmitglied nach Hause kommt. Ich vergleiche es gerne mit dem christlichen Weihnachtsfest, welches auch als das größte Fest im Westen angesehen wird. Doch im Gegensatz zu Weihnachten wird tet sehr "laut" gefeiert.
Auf Straßen werden Kracher angezündet, um die schlechten Geister vom alten Jahr zu vertreiben. Übrigens dürfen in Vietnam noch Kracher angezündet werden. In China und Hongkong ist es mittlerweile verboten, sodass die Kracher nur noch aus den Rekordern oder Lautsprechern ertönen.
Alle Menschen in Vietnam machen sich schick, die Häuser werden geputzt und duften schön nach Räucherstäbchen und Leckereien. Am Silvesterabend sitzt die gesamte Familie am Feuertopf zusammen und genießt gemeinsam einen Festschmaus. Kinder sagen den Eltern Glückwünsche in Form von Gedichten auf und bekommen als Belohnung Glück verheißende rote Umschläge, die Geld enthalten.
Am nächsten Morgen, wenn das neue Jahr beginnt, erzählt man den Kindern, dass auch sie ein Jahr älter geworden sind (auf diese Weise werden Kindergeburtstage kaum gefeiert!). Am ersten Tag des neuen Jahres besucht die ganze Familie dann die Großeltern. Auch von ihnen bekamen wir Kinder rote Geldumschläge. Das Tet-Fest dauert etwa eine Woche lang an.
Das Totenfest (Thanh Minh): Allerheiligen in Vietnam
Etwa im April/Mai ist das Totenfest (Thanh Minh). Eigentlich bedeutet das Fest eher Totengedenkfest. In Vietnam ist es nicht üblich, dass man jeden Sonntag zum Friedhof geht, oder wann immer man Lust dazu hat. Die Toten sollte man ruhen lassen. Daher befinden sich die Friedhöfe auch außerhalb der Stadt, meistens Mitten in der Natur, am besten in den Bergen und am Fluss.
Hat man dennoch das Bedürfnis, mit seinen Verstorbenen zu "sprechen" – dafür sind die Hausaltäre da. In jedem Haushalt findet man mindestens zwei Altäre. Einen für die Götter und der andere für die Ahnen. Will man mit ihnen "sprechen", zündet man ein Räucherstäbchen an und der Tote weiß, dass er gerufen wird. Überhaupt scheint das Feuer das Medium zwischen den Lebenden und Toten zu sein. Denn am Tag des Totengedenkfestes fahren die Menschen nicht nur zu den Friedhöfen, um die Gräber sauber zu machen und zu pflegen, man "verbrennt" auch sehr viel Papiergeld und Luxusgegenstände wie Schmuck, Kleidung, Autos, etc. aus Papier, weil man glaubt, auf diese Weise materielle Geschenke an die Toten überbringen zu können. Nicht jedoch Lebensmittel. Diese werden als "echte" Opfergaben vor den Altären aufgestellt. Und wenn die Räucherstäbchen abgebrannt sind, dann erst dürfen diese Leckerbissen von den Lebenden verzehrt werden.
Kinder durften meistens nicht mit zum Friedhof. Sie bleiben zu Hause und erleben dort nur die Hauszeremonien und das anschließende Festessen. Daher war mir dieses Fest auch nicht so wichtig oder gegenwärtig wie das Mondfest.
Das vietnamesische Mondfest
Das Mondfest ist meiner Meinung nach das zweitwichtigste Fest in Vietnam. Für uns Kinder daher so aufregend, weil wir mit unseren hell erleuchteten Papierlaternen herumlaufen durften; meistens natürlich mit den Nachbarskindern.
Im Gegensatz zu St. Martin sammelten wir keine Süßigkeiten bei Fremden ein, sondern bekamen zu Hause dann den bekannten Mondkuchen zu essen und worauf ich immer wartete – auf die Geistergeschichten, die wir von den Älteren erzählt bekamen.
Nicht der Mann, sondern die Frau im Mond
Dabei ist das Mondfest eigentlich eher ein Liebesfest. Der Legende nach gab es einst einen grausamen König, der aber sehr tapfer war. Als die Welt noch von 9 Sonnen beschienen wurde, schoss er mit einem Bogen 8 Sonnen weg, um die Welt vor dem Verbrennen zu retten. Das Volk war dem König danach sehr dankbar und feierte ihn daher sehr hoch. Doch der König wurde überheblich und grausam. Er fand auch eine Essenz, die ihn unsterblich machen sollte. Die Königin bekam von diesem Plan mit und um zu verhindern, dass der grausame König unsterblich wird, opferte sie sich und trank selber von der Essenz und wurde dadurch so leicht, dass sie zum Mond hinauf flog. Dort lebt sie nun mit einem weißen Hasen zusammen. So kommt es, dass die vietnamesischen und chinesischen Kinder nicht den Mann im Mond sehen, sondern den Hasen.
Warum es die Milchstraße gibt
Eine andere Geschichte erzählt von einer Götterprinzessin, die sich in einen Menschen, der gutmütig aber sehr arm war, verliebte. Aus Mitleid und Liebe stieg sie als Bäuerin verwandelt auf die Erde, um dem armen Sterblichen zu helfen. Sie verhalf ihn zum Reichtum, beide heirateten und bekamen einen kleinen Sohn. Als der Sohn ein Jahr alt wurde, bemerkte der Gotteskönig die Abwesenheit seiner Tochter und so wurde das Paar entzweit. Das Kind blieb jedoch auf der Erde beim Vater. Da der Gotteskönig aber Mitleid mit den Liebenden hatte, erlaubte er ihnen, sich einmal im Jahr zu treffen und erfand daher die Milchstraße, welche eine Verbindung zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt darstellte. So vereint sich die getrennte Familie einmal im Jahr auf der Milchstraße. Und das machen nun die Sterblichen auf der Erde nach. Zum Mondfest sollten daher alle Liebenden sich vereinen. Viele Dichter schrieben in dieser Zeit Liebesgedichten oder -geschichten.
Es werden viele Geschichten über die Entstehung des Mondfestes erzählt.
Weitere Feste in Vietnam
Sicher gibt es in Vietnam noch mehr Feste und Feiertage, die eher von politischer oder historischer Natur sind; so ist beispielsweise der 3. Februar der Gründungstag der Vietnamesischen Kommunistischen Partei, Ho Chi Minh, ein vietnamesischer Revolutionär und Staatsmann, den wir alle aber Onkel Ho nennen, hat am 19. Mai Geburtstag, der 2. September ist der Nationalfeiertag und noch viel mehr. In www.vietnam-guide.de werden diese alle aufgelistet.
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