von Thuy Tran, veröffentlicht in China
Der große Sprung nach vorn (1958-1962)
Maos nächster schwerer Fehlschlag war "Der große Sprung nach vorne" von 1958 bis Anfang 1962. Er wollte mit dieser Aktion die chinesische Wirtschaft nach vorne treiben und Wohlstand nach China verschaffen. Doch was er letztendlich erreichte, war genau das Gegenteil: Eine noch nie da gewesene Hungerkatastrophe in China.
Die chinesische Industrie - vor allem die Stahlproduktion - sollte angekurbelt werden. Mao wollte China mit England konkurrieren: In 15 Jahren sollte China England in diesem Gebiet übertreffen.
Jeder Bürger, jeder Haushalt wurden dazu aufgerufen, das Metall in ihrem Haushalt für die Stahlproduktion herzugeben, selbst jeden Kochtopf oder Nagel. Zeitgleich wurden junge Männer und Frauen aus dem Land in die Stadt zum Aufbau von Fabriken geschickt. Alle Ländereien und kleine Gärten der Bauern wurden beschlagnahmt, riesige Volkskommunen darauf gebaut. Man konnte nicht mehr selber bestimmen, was man machen wollte.
Staatliche Kantinen wurden aufgestellt und nur dort wurde gegessen. Kinder gingen in die staatlichen Kindergärten. Wäsche wurde in den staatlichen Wäschereien gewaschen – alles wurde kollektiv gemacht. Die Katastrophe musste kommen:
Die Metalle, die zu Stahl eingeschmolzen werden sollten, waren nichts als unnütze Klumpen; die Ernte verrottete auf den Feldern, weil zu wenig Bauer das Land beackerten. Ende 1961 zählte man bis zu 20 Millionen Chinesen, die verhungerten. "Der große Sprung nach vorne" ist bis heute ein Synonym für gescheiterte Industriepolitik.
Durch dieses Desaster zog sich Mao zunächst zurück. Er überließ das gescheiterte Schlachtfeld seinem Gegenspieler Liu Shaoqi, der die wirtschaftliche Katastrophale tatsächlich wieder zum Aufschwung bringen konnte. Bis 1965 führte er eine Wirtschaft nach marktwirtschaftlichen Instrumenten ein: Lohn nach Leistung, Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftlichkeitsberechnung etc. ein.
Mit dem Aufschwung der Wirtschaft wurden auch wieder Klassenunterschiede zwischen arm und reich eingeführt. Das Gegenteil von dem also, was die KPCh und Mao von einer "klassenlosen Gesellschaft" predigten.
Die Kulturrevolution in China (1966-1976)
Maos letzte politische Kampagne sollte der Höhepunkt seiner Machtdemonstration sein, mit der er nach seinen persönlichen Vorstellungen Gegner und die chinesischen Bevölkerung manipulierte: Die so genannte Kulturrevolution, die 1966 begann und bis zu Maos Tod im Jahre 1976 andauerte.
Für die Kampagne benutzte er die Jugend und Kinder. Er benutzte sie als seine Soldaten. Sie wurden auch Rote Gardisten genannt. Mao erlaubte seiner jungen Armee, die restriktive Erwachsenenwelt nicht nur zu kritisieren, sondern auch zu terrorisieren. Hierfür führte er die Zerschlagung der "Vier Alt" als Ziel ein: alte Ideen, alte Sitten, alte Kultur und alte Gebräuche.
Auch das Ausland wurde als Gefahr angesehen. So war der Kontakt zu Ausländern eine Gefahr, genau wie der Besitz von ausländischen Büchern, Musikplatten und Filmen. Auch alte chinesische Kulturgüter wurden zerschlagen und zerstört.
Eine Welle von Terror und Misshandlungen, Morde, Zerstörungen und öffentlich zur Show gestellte Diskriminierungen folgte. Opfer waren vor allem Lehrer und Universitätsprofessoren, renommierte Künstler und Fachkräfte und natürlich vor allem auch Maos politische Gegner wie Liu Shaoqi, der Jahre zuvor die Wirtschaft Chinas ein wenig zum Aufschwung bringen konnte.
Jugendliche und Kinder, die bisher durch strenge Erziehung der Erwachsenen zur Gehorsamkeit und Pietät unterdrückt wurden, scheinen ihre Frustration und aufgestaute Wut hier abzulassen. Erst mit dem Tod Maos endete die Kulturrevolution.
Tipp: "Lebewohl, meine Konkubine" vom Regisseur Chen Kaige ist ein sehr empfehlenswerter Film, der genau diese Zeitperiode in der Geschichte Chinas veranschaulicht.
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