von Thuy Tran, veröffentlicht in China
1. Werkzeug der Kalligraphen: Der Pinsel
Der Pinsel ist ein unersetzliches Werkzeug der Kalligraphen und Maler. Wie das chinesische Zeichen für Pinsel zeigt, besteht der Stiel des Schreibutensils aus Bambus und der eigentliche Pinsel aus feinem, weichem Tierhaaren, wie etwa aus Ziegenhaar, Kaninchenhaar oder Wolfshaar.
Deshalb wird die Pinselspitze biegsam und man kann sie auf einer zweidimensionalen Ebene nicht nur nach links und rechts bewegen, sondern nach oben und unten und dabei Linien von unterschiedlicher Stärke erzeugen: dicke, schwere Linien mit viel Tinte oder dünne, magere Linien und endlose andere Variationen.
Je nach Zweck und Gebrauch gibt es Unterschiede in der Länge der Pinselhaare und der Dicke ihrer Bündelung. Um einen Ausgleich zwischen harten und weichen Linien zu erhalten, wird ein Pinsel mit zwei Haararten verwendet. Für Kalligraphen und Maler ist es üblich, viele verschiedene Pinselarten zu besitzen, da sie die Pinsel je nach Gebrauch und der persönlichen Präferenz benützen.
2. Werkzeug der Kalligraphen: Die Tusche
Prinzipiell wird bei der Herstellung von Tuschsteinen zuerst dem Ruß Leim und Duftstoff beigemischt bis eine flüssige Paste entsteht. Diese zähe Masse lässt man in einem hölzernen Modell mit eingraviertem Muster zu Stäbchen, Täfelchen und andere Formen trocknen. Für die Mischung der Tuschpaste gibt es Rezepte, die von berühmten Tuscheherstellern weitergerecht wurden. Die getrockneten Tuschformen werden meist mit goldener Farbe bemalt oder beschriftet; sie sind in sich selbst auch Kunstwerke, die man gerne sammelt.
Gute Eigenschaften eines Tuschsteines zeigen sich darin, dass er fein gekörnt ist und eine glatte Oberfläche hat. Er muss fest sein und darf nicht kleben. Seine schwarze Farbe muss leuchtend und gleichmäßig sein. Auch heute gibt es noch Tuschesammler und Tuschsteine werden nach dem traditionellen Rezept hergestellt.
Für Eilige gibt es jedoch inzwischen auch flüssige Tusche zum Kalligraphieren.
3. Werkzeug der Kalligraphen: Der Tuschreibstein
Um den Tuschstein in flüssige Form zu bekommen, braucht man einen Tuschreibstein.
Für die Herstellung eines Tuschreibsteines ist die Auswahl von guten Steinen besonders wichtig. Der Stein darf nicht zu glatt, aber auch nicht zu porös sein, sodass die Feuchtigkeit zwar angenommen, aber nicht aufgesagt wird.
Diese Plattensteine werden mit Vertiefungen versehen. In die kleine Mulde kommt Wasser und auf der größeren Fläche zerreibt man das Tuschstäbchen mit etwas Wasser, bis daraus Tusche in der gewünschten Farbschattierung geworden ist.
Hat ein Gelehrter seinen Stein gefunden, wird er ihn vermutlich nicht nur sein Leben lang behalten können, er wird ihn wohl auch von Generation zu Generation weiterreichen können. Denn so ein Reibstein ist sehr dauerhaft. Deshalb pflegten viele Kalligraphen oder Künstler ihren Namen, Gedichte oder Verzierungen auf ihre Tuschsteine einzugravieren, damit sie ihre Kostbarkeit als Erinnerung an die Nachwelt hinterlassen können.
4. Werkzeug der Kalligraphen: Das Papier
Die Erfindung des Papiers ergänzte die "vier Kostbarkeiten" nun vollständig. Bevor man in China das Papier erfand, schrieb man die Schriftzeichen auf Holztafeln, Seidenrollen und auf dünnen Bambusstreifen, die zu mehreren nebeneinander mit Seide oder Hanf zusammengebunden wurden. Auf diese getrockneten, glatten Holzstreifen konnte man mit Pinsel und Tuschen Zeichen schreiben. Der Text lief senkrecht von oben nach unten, wobei man in der oberen rechten Ecke mit dem Schreiben bzw. Lesen begann.
Das erste Papier wurde angeblich von Cai Lun, einem chinesischen Eunuch und Minister erfunden, um die teure Seide zu ersetzen. Etwa 500 Jahre später in der Tang-Zeit (618 bis 907) wurde die Technik der Papierherstellung von den islamischen Ländern übernommen - bis nach Bagdad, Ägypten und Marokko breitete sich das Papier aus. Im 12. Jahrhundert haben die Spanier sie übernommen und nach und nach wurde sie überall in Europa bekannt.
Gleichzeitig wurde die chinesische Herstellungstechnik von Papier durch Moslems über Zentralasien nach Indien verbreitet. Papyrus und Pergament, die man zu dieser Zeit benutzte, wurden durch die Beliebtheit des Papiers verdrängt.
Das Papier eignete sich zum Schreiben mit dem Pinsel ausgezeichnet, da es die Flüssigkeit schnell aufsaugte und man somit die Schattierung der Tinte besser treffen und erzielen konnte. So schrieb man auf Papierrollen, die man meistens in Holzkästen aufbewahrte.
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