von Thuy Tran, veröffentlicht in China
Die Kurzzeichen und Langzeichen in China
1956 begann die erste Schriftreform in China. Die chinesische Regierung erhoffte sich, dadurch den Analphabetismus bekämpfen zu können. So wurden die Kurzzeichen in den chinesischen Alltag eingeführt.
Die Schriftreform bestand darin, dass man eine Vereinfachung vieler Schriftzeichen vornahm. Hierbei handelte es sich um eine Verringerung der Zahl von Einzelstrichen, aus denen sich ein Schriftzeichen, das z. B. ursprünglich aus neunzehn Einzelstrichen bestand, nunmehr aus weitaus weniger Strichen zusammengesetzt wird.
Die Pinyin-Umschrift in China
Auch wurde eine lateinische Umschrift, die Pinyin-Umschrift, eingeführt. Während der Kulturrevolution, eine politische Kampagne zwischen 1966 und 1976, die alles Traditionelle und Westliche ablehnte, wurden jedoch all diese Bestrebungen eingestellt, da die Rotgardisten jeden Latinisierungsversuch als westlich und somit als negativ beurteilten.
Man konzentrierte sich daher mehr auf die Vereinfachung der Schriftzeichen. Doch je einfacher die Schriftzeichen zu schreiben wurden, desto abstrakter und manchmal auch schwieriger zu lernen wurden sie, da sie keine Beziehung mehr zu den Piktogrammen hatten.
Die Langzeichen in der Schrift Chinas
Diese Vereinfachung der Schriftzeichen vollzog sich nur auf dem Festland Chinas und auf Singapur. In Hongkong und auf Taiwan nämlich werden die klassischen oder auch als "Langzeichen" bezeichnete Zeichen beibehalten.
Langzeichen zu beherrschen, ist im alltäglichen Gebrauch "chic" geworden. Klassische Werke liest man nach Möglichkeit lieber in den traditionellen Schriftzeichen. Langzeichen zu beherrschen ist so, als würde man in Europa seine Bildung dadurch zeigen, dass man mit möglichst vielen lateinischen Fachbegriffen oder Fremdwörtern um sich schmeißt.
Wie viele Zeichen braucht ein Chinese im Alltag?
Viele Europäer fragen gerne, wie viele Schriftzeichen ein Chinese für den Alltagsgebrauch können muss. Man sagt, um eine Zeitung lesen zu können, sollte man etwa 3.000 Zeichen können. Als gebildet gilt man, wenn man an die 5.000 Zeichen kann. Durchschnittlich hat ein Wörterbuch etwa 10.000 chinesische Schriftzeichen.
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