von Andreas Klotz, veröffentlicht in Aktivreisen
Die Route 66 war die erste transkontinentale Landstraße. Von Chicago aus durchgehend durch Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und abschließend durch Kalifornien bis an den Santa Monica Pier in Los Angeles. Insgesamt ist sie 2.448 Meilen, also 3.939 Kilometer lang.
Ab 1926 wurde die Route 66 für viele Arbeitssuchende die Verbindung zu Glück und Wohlstand. Auch damals galt schon "Go West", vor allem für verarmte Farmer und Landarbeiter, die zu den Obstplantagen in Kalifornien wollten.
Viele Künstler besangen die Route 66, z. B. Bobby Troup (sein Song "Get your Kicks on Route Sixty Six" wurde von vielen Musikern interpretiert), Nat King Cole, Chuck Berry, Bands wie den Rolling Stones oder auch Depeche Mode. Auch filmisch wurde der Straße, zum Beispiel durch eine Fernsehserie "Route 66" (Anfang der 60er Jahre), aber vor allem durch "Easy Rider" und vor kurzem erst durch den Animationsfilm "Cars" ein Denkmal gesetzt.
Unterwegs auf der Route 66
Als wir unsere Reiseroute durch den Südwesten der USA planten, kamen wir darauf, das zum Beispiel der Ort Williams (nahe dem Grand Canyon) an der Route 66 liegt. Wir wollten den Flair dieser berühmten Straße, einst auch "America´s Mainstreet" genannt, genießen. Also nahmen wir uns die Zeit, über Landstraßen, die mit "Historic Route 66" ausgeschildert waren, zu fahren.
Oft haben wir Bilder in Zeitschriften von außergewöhnlich gestalteten Motels gesehen. Oder von Diner's und Tankstellen, die den Charme der 60er Jahre ausstrahlen. Nun wollten wir es erleben. Ein gut erhaltenes Teilstück zwischen Williams und Kingman haben wir erkundet. Und wir wurden etwas enttäuscht. Wir konnten nicht wirklich viel Nostalgisches finden.
Das Beste war noch ein kleines Museum: Eine alte Scheune mit einem alten Feuerwehrauto, eine mit Puppen nachgestellte Poker-Runde, eine kleine Schule und eine alte Telefonzentrale, vielleicht aus den 40er Jahren. Die Leute dort waren sehr nett, es kostete auch keinen Eintritt, aber eine Spendendose wartete.
Die Route 66 heute
Nach dem 2. Weltkrieg wurden in den USA, nach deutschem Vorbild, schnellere, kürzere und mehrspurige Straßen gebaut - das Interstate Highway System. Diese machten auch die durch den Fernverkehr auf der alten Route 66 entstandene Infrastruktur überflüssig. Die Motels, Diner's und Tankstellen machten einer nach dem anderen zu und verkamen. Einiges ist vereinzelt durch Enthusiasten wieder restauriert und hergerichtet worden, das meiste aber ist verschwunden oder einfach verkommen.
Oatman an der Route 66 - die Stadt der Esel
Im Visitor Center in Williams fanden wir einen Flyer über eine alte Western- und Goldgräberstadt. Wir fragten jemanden der dort arbeitete, und er empfahl uns wärmstens einen Besuch in Oatman. Dieser Ort liegt mitten in den Bergen, von Kingman aus weiter auf der Route 66 nach Westen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, zumal wir ja die Route 66 erkunden wollten.
Dieses Teilstück war viel abenteuerlicher als der Bereich vor Kingman. Wir dachten schon, wir hätten uns verfahren, da war total tote Hose, nur Gegend. Aber immer wieder mal ein Hinweisschild: wir waren noch richtig. Hohe Berge, schmale Straßen und Gott sei Dank wenig Verkehr. Durch die vielen Kurven, engen und schlechten Straßen hätte jedes entgegenkommende Fahrzeug ein Problem dargestellt.
Endlich, nach vielen vielen Kurven, etlichen Höhenmetern und einigen Goldminen direkt am Straßenrand - durch die hohen Zäune unschwer zu erkennen - kamen wir in Oatman an. Eine Show, die jeden Mittag für Touristen vorgeführt wird, war leider schon vorbei. Dabei soll es einige Cowboys geben, die schießend durch den Ort reiten. Na gut, ich glaube, viel haben wir nicht verpasst. Oatman war wirklich mal eine richtige Goldgräberstadt. Die Gebäude erinnern an alte Westernfilme. Es gibt einen Saloon und eine Soda-Bar. Und natürlich diverse Souvenirshops.
Die Besonderheit sind allerdings die wirklich vielen Esel die dort wie sie wollen auf der Straße rumlaufen. Einer stand direkt in der Tür zur Soda-Bar, in der heute Eis verkauft wird, mit dem Kopf im Raum. Mohrrüben werden dort überall für die Esel verkauft. Aus diesem Grund sind die Esel ziemlich handzahm, allerdings hörten wir davon, wie jemand von einem aufdringlichem Esel gebissen wurde.
Unser Fazit: Wir sind die Route 66 gefahren und wir waren in einer Goldgräberstadt. Aber ehrlich gesagt hätten wir uns das auch sparen können. Dem beschriebenen "Charme" sind wir leider nicht begegnet.
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