von Andreas Klotz, veröffentlicht in Aktivreisen
Das Dzanga-Sangha-Waldreservat weist unter allen Schutzgebieten Afrikas eine seltene Besonderheit auf: Hier können Sie - neben der einzigartigen Natur und den seltenen Tieren - auch die traditionelle Lebensweise der im Wald lebenden Menschen entdecken. Etwa ein Drittel aller Bewohner dieser Region sind BaAka-Pygmäen. Sie leben von der Suche nach Elfenbein, der Kautschuk-Gewinnung, von Waldbewirtschaftung und nicht zuletzt auch vom Tourismus, zum Beispiel der Arbeit als Führer zu Waldelefanten oder Flachlandgorillas.
Schätze des Waldes als Tauschmittel der BaAka
Die BaAka-Pygmäen tauschen ihre Produkte, die sie aus den Wäldern beziehen, mit den anderen in Dzanga Sangha lebenden Volksgruppen. Neben dem bereits weiter oben genannten Elfenbein oder Kautschuk sind dies zum Beispiel Fleisch (sogenanntes Bushmeat) oder Sammelgut wie Honig, Raupen, Fische und viele verschiedene Nahrungs- und Heilpflanzen.
Bewahrung der BaAka-Traditionen
Die Lebensgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren zwar stark verändert und durchlaufen gegenwärtig einen starken Wandel, doch die BaAka-Pygmäen bewahren sich ihr Erbe, Ihre Traditionen. Ihr Leben ist untrennbar mit dem Wald verbunden. Der Wald ist für die BaAka ein unendliches und unteilbares Gut. Sie sind spirituell mit dem "Kosmos Wald" verbunden.
Auch heute noch findet das in Zeremonien und Riten ihren Ausdruck. Insbesondere mit Tänzen und Musik oder auch in Erzählungen. Die Mehrtonmusik der BaAka wird von Kennern der Etnomusik sehr geschätzt, sie zählen zu den gefühlsintensivsten Ausprägungen afrikanischer Musik. Faszinierend anzuhören.
BaAka-Pygmäen jagen im Wald mit Netz und Armbrust
Hauptbeschäftigung der BaAka-Pygmäen im Wald ist die Jagd, zum Eigenbedarf und zum Tauschhandel. Innerhalb des Dzanga-Sangha-Schutzgebietes ist das den BaAka mit ihren traditionellen Jagdmethoden erlaubt. Bei der Netzjagd kann man die BaAka übrigens als Gast begleiten.
Die Netze werden von einem Gruppenverband blitzschnell - im richtigen Augenblick - gespannt und in Kniehöhe festgemacht. Dann wird das Kleinwild von den Jägern mit Geschrei und durch Schütteln von Laubbündeln aufgescheucht und in die Netze getrieben. Das Netz wird aus der Faser einer Liane geflochten, die außerordendlich robust ist. Die erlegte Beute wird nach bestimmten Regeln unter der Gruppe aufgeteilt.
Die Jagd mit der Armbrust führen nur einzelne Männer aus. Sie erlegen damit hauptsächlich Baumsäugetiere (natürlich auch Affen). Elefanten und Gorillas werden (offiziell) nicht mehr bejagt.
Heilpflanzen und Liebestränke der BaAka-Pygmäen
Bei Bedarf ist der Wald ein gut bestückter Arzneischrank. Die pflanzlichen Heilkräfte vieler Pflanzen sind allgemein anerkannt. Das fängt an bei Rindensud gegen Husten und Fieber, Atem- und Herzbeschwerden oder Durchfall. Natürlich findet sich auch etwas gegen Zahnschmerzen und Schlangenbisse. Parasitenbefall können die BaAka-Pygmäen-Frauen heilen. Außer zu rein medizinischen Zwecken verstehen sich die BaAka auch auf die Zubereitung von Aphrodisiaka und Liebestränken.
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