von Andreas Klotz, veröffentlicht in Aktivreisen
Erst 1973 wurde die erste Straße (sofern man das so nennen kann) nach Bayanga gebaut. Auch heute noch ist das eigentlich nur eine Staubpiste für Holztransporte und unerschrockene Forscher und Individual-Touristen. Der Sangha-Fluss war und ist die wichtigste Verkehrsader.
Der Sangha mündet nach 785 Kilometern bei Mossaka in den Kongo. In Bayanga kann der Sangha bis zu fünf Meter tief sein, die Wassermenge ist aber sehr unterschiedlich und unterliegt komplexen Gesetzmäßigkeiten. In Salo, ganz im Norden des Dzanga-Sangha-Reservats, beträgt die Wassertiefe am Ende der Trockenzeit (April) bloß 20 Zentimeter, im Oktober nach den größten Regenfällen fast 5 Meter.
Die Sangha-Sangha
Das häufigste Verkehrsmittel auf dem Sangha-Fluss sind Einbäume, in der Regel handelt es sich um Fischer der Sangha-Sangha. Die Hauptbeschäftigung dieses Volks ist das Fischen mit dem Wurfnetz. Vom Einbaum (bzw. einer Piroge) wird es ausgeworfen, es öffnet sich im Flug, genau rechtzeitig bevor es ins Wasser eintaucht. Nachts wird auch mit Fackeln und einem Wurfspieß gearbeitet, z. B. um Welse zu fangen.
Sangha-Sangha-Flussvölker
Sangha-Sangha ist eigentlich ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Völkern und Sippen, die entlang des Sangha-Flusses leben. Von alters her sind es Nomaden, die am Fluss, an den zahlreichen Nebenarmen des Sangha und im gesamten Sumpfbecken umherzogen. An den jeweils günstigsten Stellen haben sie sich für eine Zeit niedergelassen.
Auch heute noch leben manchmal einzelne Familien und kleine Gruppen über Monate "im Busch", um anschließend ihre getrockneten oder geräucherten Fische - oder auch gerne schon mal Palmwein aus der Raphiapalme - in den größeren Dörfern zu verkaufen.
Das war unser Glück, als wir mit einem Motorschaden auf einer kleinen Insel mitten im Nirgendwo des Dzanga-Sangha-Gebiets "gestrandet" sind und dort übernachten mussten. Glücklicherweise lebte dort so eine Familie (inkl. 3 Kindern), die uns gerne halfen. Glücklicherweise hatten sie Palmwein...
Fauna und Flora am Sangha-Sangha
Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens gibt es kaum noch größere Säugetiere. Ein paar wenige Flusspferde finden sich aber gegen Ende der Regenzeit - hauptsächlich im März - genau gegenüber der Doli-Lodge ein. Im Sangha-Fluss gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Fische, über die auch heute noch sehr wenig bekannt ist. Darunter auch einige "elektrische Fische". Es gibt noch Krokodile, aber sehr wenige. Und natürlich springen hier und da kleinere Affen durch die Bäume am Ufer des Flusses.
Auf dem Fluss treiben häufig die unbeliebten Wasserhyazinthen, an manchen Stellen sammeln sie sich und bilden dichte Teppiche auf der Wasseroberfläche. Entlang des Flusslaufs sieht man typische Vegetationsformen ufernaher Wälder, viele Bäume mit an Mangroven erinnernden Wurzeln, die - je nach Wasserstand - auch weit aus dem Wasser herausragen.
Schmetterlinge
In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gibt es eine besonders hohe Schmetterlingsvielfalt. An manchen Tagen können entlang der Waldwege - und ganz besonders auf den offenen Lichtungen (Bai) Ansammlungen von Tausenden von Tieren beobachtet werden. Allein in der Region Dzanga-Sangha wurden 316 verschiedene Schmetterlingsarten gezählt.
Unter den vielen anderen Arten gibt es hier auch die beiden größten afrikanischen Tagfalter mit bis zu 20 cm Flügelspannweite. Gut zu sehen an sonnigen Tagen auf den Sandbänken im Sangha-Fluss direkt vor der Doli-Lodge. Natürlich nur wenn der Wasserstand diese "Inseln" frei gibt. Als ich dort war, waren gar keine Sandbänke zu sehen – von wo aus man übrigens auch schön schwimmen kann.
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